Schafberg Efringen

Der Blick vom Schafberg in Richtung Süden schweift über eine Landschaftsebene aus Ackerland, Waldpartien, ausgedehnten Siedlungsstrukturen, markanten Bahnlinien und Schnellstrassen. Die Rheinebene wird vom kanalisierten Rhein durchflossen, der sich bei Märkt in den Altrhein und den Grand Canal d’Alsace aufteilt. Auf Letzterem kreuzen sich Handelsschiffe, während im Westen in unregelmässigen Abständen Flugzeuge starten und landen. Der Blick wird im Hintergrund von der Stadt Basel und dem dahinterliegenden Jurahöhenzug begrenzt.



Das Oberrheingebiet – einst vom Wasser geprägt

Diese Landschaft war noch zu Beginn des 19. Jh. eine völlig andere. Der ungebändigte Rhein durchfloss die Ebene in verschiedene Arme aufgeteilt, begleitet von einem ausgedehnten Auenwald. Dieser wuchs entlang dem ungestörten und natürlichen Fliessgewässer. Die Nord-Süd verlaufenden Stromauen boten der Flora und Fauna einen wichtigen Wander- und Ausbreitungskorridor von europäischer Dimension.

Der Rheinstrom selbst war durch die periodisch auftretenden Hochwasser einer ungeheuren Dynamik unterworfen. Im Rhein ergaben sich durch die Flussdynamik grössere, teils vegetationslose Inseln, die sich aber immer wieder verschoben und veränderten. Das Abflussverhalten des Rheins bei Basel ist stark von seinem Einzugsgebiet im Alpenraum geprägt. Die hohen mittleren Abflussmengen in den Monaten Mai bis Juli sind auf die Schneeschmelze in den Alpen zurückzuführen. Kurzzeitige Hochwasser, die für die Flussdynamik besonders einschneidend sind, entstehen oft im Zusammenspiel von verbreiteten Niederschlägen und allgemeiner Erwärmung mit Tauwetter im Einzugsgebiet.

Kanalisierung mit Nebenwirkungen

Vom Schafberg aus hat man einen Blick auf die wohl einschneidendste und tiefgreifendste regionale Landschaftsveränderung in historischer Zeit. Das grosse Werk der Oberrheinkorrektion, auch als Tulla Korrektion bekannt, begann 1817 im Norden bei Bingen und erreichte um 1840 die Region Basel. Die Korrektion war 1876 abgeschlossen und verkürzte die Rheinstrecke durch die Beseitigung der Schlingen und Mäander um 25%. Als Folge der Korrektion frass sich der Rhein tiefer ein, wodurch sich der Grundwasserspiegel absenkte und die Auen trockengelegt wurden. Dafür konnte ehemaliges Überschwemmungsland in Landwirtschaftsflächen umgewandelt werden. Die ganzjährige Schifffahrt auf dem Rhein und damit auch der ungehinderte Zugang der Schweiz zum Meer wurde aber erst in den 1920er-Jahren mit dem Bau des Rheinseitenkanals (Grand Canal d’Alsace) durch Frankreich möglich.

Die Auswirkungen auf die Landschaft und das Leben der Menschen waren enorm. Der Rückgang der Gewässerfläche und die Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit haben die Erwerbsfischerei erschwert und ihren Untergang eingeleitet. Sie spielt heute praktisch keine Rolle mehr. Die Auenvegetation ist bis auf ein paar kleine Reste vollständig verschwunden. Durch die Absenkung des Grundwassers kamen für den Wald Pflanzenarten zum Zug, die trockene Böden lieben: Forste mit Waldföhren, Kanada-Pappeln, Robinien und der Sanddorn fanden ideale Bedingungen. Die Landwirtschaftsflächen konnten markant vergrössert werden und es wurde Platz für Verkehrswege und Siedlungsstrukturen geschaffen.

Blick auf ein Verkehrsland

Schon vor 2000 Jahren zog eine Römerstrasse westlich des Schafberges über Blansingen Richtung Norden. Die Rheinauen waren unpassierbar, so dass die Strasse über die Höhenzüge des Markgräflerlandes führte. 1855 erreichte die Badische Bahn von Norden her Basel. Um das Feuchtgebiet im Talgrund zu umgehen, wurde sie bei Istein in erhöhter Lage durch Tunnels um den Isteiner Klotz geführt. Die verkehrstechnisch wichtige Lage hat dieses Gebiet bis heute behalten.

Wichtige Zugsverbindungen verlassen Basel und somit die Schweiz vom Badischen Bahnhof nach Norden über Freiburg i. Br. nach Frankfurt und Mannheim. Seit Ende 2012 ist der Katzenbergtunnel eröffnet, der zweigleisig die Hügelzüge mit einer 9,4 Kilometer langen Tunnelstrecke durchsticht. Der Tunnel erlaubt eine wesentliche Kapazitätserhöhung der Rheintalstrecke. Im Elsass verbindet die historisch erste Bahnstrecke, die Basel 1844 erreichte, weiterhin über Mulhouse und Strassbourg fernere Destinationen in Frankreich und in den Beneluxländern.

Parallel zu den Bahnlinien ziehen zwei Autobahnen durchs Land: die A5 auf deutscher Seite als Verbindung Basel–Frankfurt–Hamburg und die A35 im Elsass als Verbindung nach Strasbourg oder Mulhouse–Paris. Die Schweizer Rheinflotte umfasst rund 150 Schiffe, die durch den Rheinseitenkanal zum Meerhafen in Rotterdam gelangen. Rotterdam ist als Tor zum Welthandel Europas wichtigster Seehafen mit einer Fläche von 100 Quadratkilometern, was der dreifachen Fläche des Kantons Basel-Stadt entspricht. Mit dem EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg liegt der südlichste von fünf Flughäfen des Oberrheingebietes in der Region Basel. Über 5 Millionen Passagiere steuerten 2012 zwischen 60 und 80 Destinationen vorwiegend in Europa an. Der beschauliche Schafberg fühlt unmittelbar den Puls aller Verkehrsströme zu Wasser, zu Land und in der Luft in diesem Transitraum.

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Weiterführende Links

Literatur

  • Gallusser Werner, Schenker André: Die Auen am Oberrhein, Birkhäuser, Basel-Boston-Berlin 1992
  • Heim Hugo: Markgräfler Hügelland und Rheinebene, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 08, Wepf & Co. AG Verlag, Basel 1979.
  • Woessner Raymond: Der Oberrhein als Verkehrsweg, In: Regio Basiliensis 50/3, Basel, 2009, S. 191-198.

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