Allschwil

Das am Rande des Sundgaus liegende Dorf ist berühmt durch seine Riegelbauten. Das Dorf entwickelte sich im Laufe des 20. Jh. zu einer Stadt, welche mit Basel zusammenwuchs. Im sundgauischen Hügelteil von Allschwil ist die Landwirtschaft vorherrschend. Die Wälder sind für die Agglomeration als Erholungsgebiet wichtig.



Allschwil liegt am Rande des Sundgaus

Das alte Allschwil liegt auf einem Schuttkegel beim Zusammenfluss von Mülibach und Lützelbächli unmittelbar an der Grenze zwischen den Hügeln des Sundgaus und der Niederterrasse der Oberrheinischen Tiefebene. Wie auf einer Schnur aufgereiht zieht sich neben Allschwil eine ganze Reihe von Siedlungen in gleicher Lage nach Norden: so zum Beispiel Hégenheim, Hésingue und Blotzheim. Allschwil wird naturräumlich in zwei Teile geteilt. Der nördliche, flache Teil in der Oberrheinischen Tiefebene war durch seine Topographie und Verkehrslage für den Siedlungsausbau prädestiniert. Südlich folgt nach einem markanten Steilanstieg Rosenberg-Läubern-Ziegelei-Paradies im Sundgauer Hügelland der grössere Teil der Gemeinde. Diese Hügellandschaft wird durch den Mülibach in eine östliche und in eine westliche Hälfte geteilt. Der nördliche Teil dieser mit dicken Lössschichten bedeckten Hügellandschaft wird landwirtschaftlich genutzt, während im südlichen Teil der Wald überwiegt.

Allschwil und seine Gewässer

Allschwil wird im Osten vom Dorenbach und im Westen teilweise vom Lörzbach (Lertzbach fr.) begrenzt, der von Hagenthal herkommt. Der Lörzbach fliesst nach Nordosten durch Hégenheim weiter und versickert in der Niederterrasse bei Bourgfelden. Bis ins 20. Jh. lieferte der Lörzbach Wasser für die Lörzbachmühle (heute Bauernhof). Der Mülibach und das Lützelbächli durchqueren den ganzen Gemeindebann von Süden nach Norden. Im Dorfzentrum fliesst das kleinere Lützebächli in den Mülibach.

Der vereinigte Bach zieht dann als Dorfbach weiter Richtung Nordosten dem Rhein zu, ohne diesen zu erreichen. Das Wasser versickert auch in der Niederterrasse. Vor Jahrhunderten schon hat man den Lauf des Baches vom Dorf weg Richtung Basel künstlich begradigt und das Wasser in einen Graben mit seitlich aufgebauten Dämmen geleitet. Deshalb entstand auch der Flurname «Bachgraben», früher auch «Allschwilergraben» genannt. Bis 1954 floss der Müli- oder Dorfbach offen durch Allschwil. In jenem Jahr wurde er im Rahmen der Neuverlegung des Trams und der Strassensanierung eingedolt.Der Allschwiler Weiher wurde ursprünglich 1672 als Feuerweiher angelegt. Später nutzte man ihn auch als Fischweiher. Sein Abfluss führte damals über den Neuweilerplatz zum Weiherweg und bis in die Spalenvorstadt, wo er verschiedene Brunnen mit Wasser versorgte. Heute wird er vom Dorenbach in den Birsig entwässert.

Allschwil und seine Siedlungsentwicklung

Eine eigentliche Besiedlung des Freiraumes zwischen dem Dorf Allschwil und der Stadt Basel wurde durch die 1891 eingeleitete und 1898 abgeschlossene Feldregulierung ermöglicht. Ein neues Strassen- und Wegenetz wurde angelegt und dieses erschloss das weite, bisher nur von wenigen Strassen durchzogene Feld (siehe Vergleich Siegfriedkarte 1882/98). Mit der Eröffnung der Tramlinie vom Morgartenring nach Allschwil 1906 entstanden als Folge entlang dieser Tramlinie und der ausgebauten Baslerstrasse einige Wohn- und Gewerbebauten.

In den Jahren von 1920 bis 1930 erfolgte eine sprunghafte Entwicklung. Ganze Strassenzüge wurden mit Einfamilienhäusern überbaut, aber auch Wohnblöcke entstanden. Neben der Verkehrserschliessung war auch die Verlegung der Produktionsstätten von grösseren Firmen mit ein Grund. Es entstand ein buntes Gemisch von Wohn- und Gewerbebauten. Ein Beispiel dafür ist die ELCO-Papierfabrik, welche sich 1924 an der Baslerstrasse niederliess. Sie wurde 2003 geschlossen und heute steht an ihrer Stelle eine grosse Wohnüberbauung, der ELCO-Park. Ebenso entstanden Wohnkolonien wie der 1924 gebaute Borerhof (siehe Google Streetview), eine Anlage der Gartenstadtbewegung mit zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäusern und grossen Nutzgärten.

Allschwil erhielt schon 1926 einen Zonen- beziehungsweise Überbauungsplan. Dieser hatte für das Siedlungswachstum grosse Bedeutung und war Grundlage für die weitere Entwicklung. Generell kann für diese Entwicklung im 20. Jh. gesagt werden: Die Bebauung folgte hauptsächlich entlang den Ausfallstrassen, die Villen- und Einfamilienhäuser eroberten sich die Hügelränder, während sich die Landwirtschaft auf die Hügel zurückzog.

Industrie- und Gewerbebetriebe liessen sich seit 1970 zuerst im Bereich der Binningerstrasse nieder (Schliessung der Ziegeleien 1975). Seit den 1980er-Jahren entwickelte sich dann auch ein Gewerbe- und Industriegebiet im Bachgraben zwischen der Landesgrenze und dem Dorfbach. Heute ist der Drang nach Ausweitung der Industrie- und Gewerbezone gross. Aus diesem Grund beschloss das Bürgerspital Basel als Grundeigentümerin die 328 Gärten des 70 000 Quadratmeter grossen Familiengartenareals im Bachgraben aufzulösen und daraus einen Industrie- und Gewerbepark zu machen («BaseLink»).

Fachwerk- oder Riegelhäuser

Allschwil ist ausser Schönenbuch das einzige Dorf mit ausgesprochen sundgauischem Charakter. Vor allem entlang der Baslerstrasse entstanden viele giebelständige Bauernhäuser, die sich im Laufe der Jahrhunderte vom Gehöft mit parallel oder im rechten Winkel zum Wohnhaus gestellten Ökonomiegebäuden zum Einhaus oder Mehrzweckbau entwickelten. Eigentliche Gehöfte erhielten sich vor allem im alten Dorfkern hinter der Kirche.

Der Fachwerkbau ist typisch für Laubwaldgebiete, wo man reichlich Eichen antraf, deren Holz gegen Fäulnis besonders widerstandsfähig ist. Das beim Bau entstandene Gefach füllte man mit Flechtwerk aus Haselruten, welches man beidseitig mit Lehm verstrich und dem man gehacktes Stroh beimischte. Im 19. Jh. wollte man Allschwil einen städtischen Anstrich geben und verputzte die Fassaden vollständig, damit der Riegelaufbau verschwand. Mitte des 20. Jh. wurden dann mit Erfolg grosse Anstrengungen unternommen, um das alte Fachwerk wieder zum Vorschein zu bringen.

Das Naturschutzgebiet Allschwiler Wald und der Schiessstand Allschwiler Weiher

Der Allschwiler Wald befindet sich südwestlich des Dorfes Allschwil im lössbedeckten Sundgauer Hügelland. Er ist vor allem seiner grossflächigen Eichenwäldern wegen in naturkundlicher wie auch in kulturhistorischer Hinsicht von regionaler Bedeutung und steht seit 2003 unter kantonalem Naturschutz. Durch die Stadtnähe war und ist der Allschwiler Wald für Erholungssuchende äusserst attraktiv. Deshalb besteht ein grosser Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Erholung suchenden Menschen. Die Gemeinden Allschwil und Binningen versuchen den Konflikt mit Erholungskonzepten zu lösen.

Etwas oberhalb des Allschwiler Weihers lag zwischen dem Siedlungsgebiet und dem Naturschutzgebiet der 1899 als Ersatz für die Schützenmatte Basel gebaute Schiessplatz. Dieser wurde 2008 stillgelegt und 2013 abgerissen. Die Grundstückbesitzerin Immobilien Basel-Stadt plant jetzt im vorderen Teil eine Wohnüberbauung sowie im hinteren Teil einen Park. Dabei sollen Ideen für einen Naturpark gemäss Konzeptvorschlag einbezogen werden. Bei der Umgestaltung muss berücksichtigt werden, dass das Areal aufgrund des Schiessbetriebs mit Giftstoffen massiv belastet ist. Eine umfassende Sanierung des Areals muss Bestandteil einer Neugestaltung sein.

HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Berger, Andreas: Allschwil-Hégenheim, ein Vergleich ausgewählter Aspekte des kommunalen Lebensraumes, Allschwiler Schriften zur Geschichte, Kultur und Wirtschaft Heft 4, 1987.
  • Zehnder Leo und Mitarbeiter: Heimatkunde Allschwil, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1981.

Tabellen und Diagramme


Hinweis: 15. April 2013 20'000 Einwohner
Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung