Arboldswil

«Arbetschwyl» oder Arboldswil hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In der ersten Hälfte des 20. Jh. führte der Niedergang der Bandweberei zu einem massiven Bevölkerungsverlust wie in kaum einer anderen Gemeinde. In den letzten zwanzig Jahren nahm die Zahl der Einfamilienhäuser und damit die Bevölkerung wieder deutlich zu.



Kleines abgelegenes Tafeldorf

Das Dorf liegt auf einer nach Osten abfallenden Tafel, die von den beiden Frenkentälern begrenzt wird. Die eine Hälfte des Gemeindegebietes liegt im Tafeljura, die andere in der Überschiebungszone des Kettenjuras. Gewässer gibt es nur zwei am Rande: Fluebach im Osten, Cholmattbach im Westen. Arboldswil ist deshalb durch seine Wasserarmut bekannt. Das Dorf besass im 19. Jh. drei öffentliche und drei private Sodbrunnen, daneben zwei Feldbrunnen. In Trockenjahren herrschte damals Trinkwasserknappheit. Seit 1966 wird das Trinkwasser von Oberdorf bezogen, heute durch die Wasserversorgungsgenossenschaft Waldenburgertal getragen.Trotz seiner abgeschiedenen Lage besitzt Arboldswil gute Strassenverbindungen in alle Himmelsrichtungen, so nach Ziefen, Bubendorf und Reigoldswil (über Ziefen), Niederdorf, Lampenberg (Station).

Bevölkerungsentwicklung ist Spiegelbild der Wirtschaftsentwicklung

Ursprünglich war Arboldswil eine kleines Acker- und Obstbauerndorf. Neben der Landwirtschaft mit Weinbau wurde Pferdehaltung für den Hauensteinverkehr betrieben. Wie in vielen anderen Baselbieter Gemeinden spielte die Seidenbandweberei eine grosse Rolle. Um 1750 existierten in Arboldswil schon 48 Bandwebstühle. Mitte des 19. Jh. arbeiteten die meisten Bewohner in der Posamenterei: 1856 zählte man bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 470 Personen 117 Webstühle. Mit der Krise der Posamenterei und der aufkommenden Industrialisierung zogen viele Personen weg, um unter anderem in der Uhrenindustrie zu arbeiten. So verlor Arboldswil zwischen 1870 und 1941 rund 40 % seiner Bevölkerung! Seit 1945 wuchs die Bevölkerung wieder, erreichte aber erst vor etwa 10 Jahren den Stand von 1870. Äusserlich ist das Bevölkerungswachstum in der Zunahme der Einfamilienhäuser an den Rändern des alten Dorfes sichtbar. Die Karte Zeitreise 1938–2012 zeigt diesen Wandel.

Naturobjekt Chastelenflue

Die Chastelenflue ragt als bewaldeter Kegel weithin sichtbar über die Tafel. Die Bergkuppe ist ein aus dem Faltenjura stammendes, auf das Tafeljura-Plateau geschobenes Gesteinspaket. Die Chastelenflue besteht aus Kalk. Zusammen mit den verschiedenen Gesteinsschichten des Untergrundes ergibt sich ein Standortmosaik, das sich in einer ungewöhnlich hohen Zahl an unterschiedlichen Waldgesellschaften auf kleinstem Raum äussert. Dabei handelt es sich zum Teil um relativ seltene Waldgesellschaften, wie dem Ahorn-Lindenwald oder dem Weissseggen- und Blaugras-Buchenwald. Deshalb ist die Chastelenflue ein kantonal geschütztes Naturobjekt. Die Flue hat auch historische Bedeutung: Im Sattel zwischen Flue und höchstem Punkt wurde eine bronzezeitliche Höhensiedlung aus der Zeit 3200–3000 v. Chr. nachgewiesen. Auch die Römer hinterliessen ihre Spuren, denn es wurden Ziegel gefunden. Im Weiteren soll auf der Chastelenflue eine Hochwacht für Meldefeuer gestanden haben. «Auf der Castelen-Flue ward vorzeiten eine Hochwacht aufgestellt, weelche nunmehr abgeändert ist», schrieb Daniel Bruckner um 1790.

Zonenplan Landschaft von 2010

Die Gemeinde Arboldswil erstellte 2010 ein Zonenreglement Landschaft mit dem Ziel, gestalterische Grundlagen für das Gebiet ausserhalb der Bauzonen (Zonenplan Siedlung) zu schaffen. So wurden Nutzungszonen und Schutzzonen beziehungsweise Schutzobjekte definiert. Die Nutzungszone Landwirtschaft dient der Erhaltung der Landschaft und des Erholungsraums oder dem ökologischen Ausgleich und soll entsprechend ihren verschiedenen Funktionen von Überbauungen weitgehend freigehalten werden.

Die Schutzzonen umfassen eine Uferschutzzone, eine Naturschutzzone sowie eine Aussichtsschutzzone und eine Archäologische Schutzzone. Die Landschaftsschutzzonen bezwecken die Erhaltung und Aufwertung von gebietstypischen, ökologisch wertvollen und ästhetisch reichhaltigen Landschaften und Landschaftsteilen sowie des Landschaftsbildes. Im Anhang werden die einzelnen Zonen aufgezählt: Mehrere Halbtrockenrasen sowie Fromentalwiesen sind aufgeführt.

HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Bitterli-Brunner Peter: Geologische Führer der Region Basel, 1987.
  • Bruckner Daniel, Versuch einer Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel, Bd. 15, S. 1790-1794.
  • Heimatkunde Arboldswil, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, erscheint Ende 2014.
  • Suter Peter: Baselbieter Jura, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 11, 1983.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung