Basel Gundeldingen

Das Gundeldingerquartier liegt im Süden der Stadt Basel und ist durch seine Lage bedingt praktisch von der Stadt getrennt. Einst Wiese, dann Spekulationsland – heute ist das Gundeli ein dicht bebautes Quartier mit schachbrettartiger Strassenstruktur. Zu wenig Natur- und Grünräume sowie Verkehrsüberlastung führten in jüngster Zeit zu verschiedenen Aufwertungsmassnahmen von Seiten der Stadt Basel.



Das Gundeldingerquartier

Das Gundeldinger-Quartier ist eines der jüngsten Stadtquartiere, erbaut innert 30 Jahren am Ende des 19. Jh. Es liegt im Süden der Stadt Basel zwischen Bahnhof SBB, dem Gare SNFC, zahlreichen Gleisanlagen sowie dem ansteigenden Hügelzug des Bruderholz. Seinen Namen hat das Quartier vom ehemaligen Gundeldingerfeld erhalten, auf dem heute das gesamte Wohn- und Gewerbeviertel gebaut ist. Die Tatsache, dass Gundeldingen durch den Bahnhof und seine Gleisanlagen praktisch vom restlichen Stadtgebiet getrennt ist, verleiht dem Quartier Gundeldingen fast den Charakter einer eigenständigen Kleinstadt.

Kulturlandschaft und Orchideen

Noch 1850 war das heutige Gundeldingerquartier eine grüne, fruchtbare Ebene mit Feldern und Wiesen, aber auch eine Baubrache, eine Landreserve im Süden der Stadt. Nicht mehr als 30 Häuser wurden dort gezählt sowie einige Strässchen und Feldwege, welche der landwirtschaftlichen Erschliessung dienten. Obstbaumanlagen und Getreidefelder, aber auch Reb- und Kräutergärtchen bestimmten das Bild des Gundeldingerfeldes. Das Feld befand sich damals im Besitz der Stadtgemeinde Basel.

Diese vielfältige Kulturlandschaft hatte an botanischen Raritäten einiges zu bieten. In den Getreidefeldern sorgten der Klatschmohn und das seltene Sommer-Blutströpfchen für knallrote Tupfer. Allerdings galt der Grundsatz, je bunter, desto schlimmer, da die bunte Ackerbegleitflora den Getreideertrag schmälerte. An den steinigen Wegrändern standen meterhoch die Eselsdisteln. Sie wurden vom giftigen Bilsenkraut und der Färber-Resede begleitet.

Wasserschlösser

Neben dem Pflanzland und den Obstgärten waren Halbtrockenrasen zu finden, die die heute selten gewordenen Orchideen aufwiesen. Vor 1850 sind Bienen-Ragwurz, Einorchis und Langspornige Handwurz belegt. Am Fuss des Bruderholzes, wo das Hangwasser für Böden mit Staunässe und Quellsümpfe sorgte, fanden sich Wanzen-Orchis, Breitblättriges Knabenkraut und das Weisse Breitkölbchen. Und in den Schlossweihern wuchsen üppige Wasserpflanzen wie das Laichkraut und der Kalmus.

Da das Feld früher zur ländlichen Umgebung Basels zählte, wurden dort im 14. und 15. Jh. vier Wasseschlösser als herrschaftliche Sitze erbaut. Begüterte Basler nutzten diese Schlösser, die entlang der Verbindungsstrasse Ergolztal-Elsass gebaut wurden, als Landsitze. Erhalten geblieben sind das Thomas-Platter-Haus und das Vordere Gundeldingen. Sie sind mitten in den Wohngebieten zu finden.

Ein Quartier entsteht auf dem Reissbrett

Als 1860 der Centralbahnhof gebaut wurde, begann sich die ländliche Idylle zu verändern. Das riesige, praktisch unbebaute Areal zwischen Bahnhof und Bruderholzhügel zog das Interesse von Investoren auf sich, denn für die im Zuge der Industrialisierung immer zahlreicher in die Stadt strömenden Menschen wurden Wohnungen gebraucht. Ab 1872 kaufte die Süddeutsche Immobilien-Gesellschaft der Stadt Basel das 72 Hektaren umfassende Land ab und verplante das Gunderdingerfeld spekulativ.

Die Investoren hatten die Absicht, das Land möglichst schnell an Bauwillige zu verkaufen. 1874 genehmigte der Grosse Rat den Gesamtplan für das Quartier und innerhalb weniger Jahre wurde das ganze Gebiet grosstädtisch überbaut. Da nicht auf bestehende Strukturen Rücksicht genommen werden musste, legten die Planer ein rechteckiges Gittermuster an. Das Muster bestand aus drei durchgehenden und parallel verlaufenden Längsstrassen – der Güterstrasse, der Dornacherstrasse und der Gundeldingerstrasse – sowie vielen Querstrassen.

Viel Verkehr – wenig Grünräume

Die Rasterstrukturen waren nicht nur positiv: Die Längsachsen wurden zu Hauptverkehrsachsen, das Gundeli litt zunehmend unter Durchgangsverkehr, Lärm und Abgasen und drohte zu verslumen. Ab 1960 begann sich zudem die Immobilienspekulation auszuwirken. Sie führte dazu, dass Häuser oft durch architektonisch wenig überzeugende Neubauten ersetzt wurden. Zudem wurde das Gebiet verdichtet gebaut – heute leben rund 18000 Menschen in diesem Quartier - und weist deshalb innerhalb des Siedlungsgebietes, mit Ausnahme der Innenhöfe, nur wenige und kleine Grünanlagen auf.

Die Gundeldinger Bevölkerung weicht zur Erholung auf das angrenzende Bruderholz aus oder in den Margarethenpark, der grössten öffentlichen Grünfläche im Quartier. Noch immer nennt die Bevölkerung den Verkehr und mangelnde Grünflächen als Hauptprobleme im Quartier, obwohl die Längsachsen verkehrsberuhigt, die Güterstrasse als sogenannter Boulevard und der Tellplatz städtebaulich aufgewertet wurden. Trotzdem lebt man gerne im Gundeli – aufgrund der günstigen Lage zwischen Bahnhof und Bruderholz sowie wegen der kulturellen Durchmischung der Wohnbevölkerung.

MJ

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Beutter Hans-Jörg: Basel Gundeldingen. Christoph Merian Verlag, Basel 2009.
  • Meier-Küpfer Hans: Pflanzenkleid im Wandel – Entwicklungen in und um Basel seit 1600. Sonderdruck aus Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel, Vol. 102 (1), Birkhäuser Verlag, Basel Boston Berlin 1992.
  • Wuest Markus: Vom Mainzer Quartier zum Gündüli. Baudepartement Basel-Stadt (Hrsg.) In: Gundeli. Von der grünen Wiese zum lebendigen Stadtquartier. Bdinfo 1/2004. S. 3-4.