Birsfelden

Birsfelden war einst ein Bauernhof mit vier Gebäuden. Heute ist Birsfelden eine Vorortsgemeinde von Basel und ein Strassendorf ohne Dorfkern. Der Landschaftswandel setzte mit dem Bau von Rheinhafen und Wasserkraftwerk ein. Grösstes Naherholungsgebiet ist der Hardwald, Biodiversitäts-Hotspot ist der Hafen.



Brückensiedlung auf dem Birsfeld

Wer die kleine Brücke beim Birsköpfli, die von der Breite nach Birsfelden führt, überquert, steht auf Boden der Gemeinde Birsfelden. Hochhäuser, grüne Wiesen und die Kraftwerksinsel sind zu sehen. Im Sommer wird die Grünanlage zur Badezone. Nichts erinnert an die Felder, die hier im Mittelalter vor den Stadtmauern lagen.

Die Geschichte Birsfeldens beginnt mit der Landwirtschaft rund um den Birsfelder Hof, dort, wo heute das Kraftwerk steht. Die Ursprünge des Hofs gehen auf das frühe Mittelalter und das Kloster St. Alban zurück. Erst nach dem Bau einer einfachen Brücke über die Birs 1425 entwickelte sich auf dem Birsfeld eine kleine Brückensiedlung.

Die Bevölkerung war damals in der Fischerei und in der Landwirtschaft tätig. Äcker, Gärten, Weiden und Reben, aber auch Fischerhäuschen entlang des Rheinufers, prägten das Landschaftsbild. Die Gewässer waren damals noch nicht verbaut und sauber. Der Lachs, der zum Laichen rheinaufwärts schwamm und die Nase, die für ihren Laichzug die Birs nutzte, waren die begehrtesten Fänge und eine wichtige Einkommensquelle. Mit der zunehmenden Gewässerverschmutzung und der Verbauung von Birs und Rhein verschwanden die Fische.

Stadt vor der Stadt

Die Gemeinde verdankt ihre Existenz der günstigen Verkehrslage vor der Stadtgrenze zu Basel, aber auch dem wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser setzte nach der Kantonstrennung der beiden Basel 1833 ein. Nach 1850 stieg die Bevölkerung infolge des wirtschaftlichen Wachstums der Stadt Basel durch zugezogene Fabrikarbeiter stark an. Unweit des Industrieviertels St. Alban-Tal gelegen, liessen sich viele Fabrikarbeiter, die in Basel arbeiteten, aber keine Wohnung gefunden hatten, in Birsfelden nieder. Denn noch waren die Stadtmauern nicht geschleift und die Stadt platzte aus allen Nähten. Birsfelden gehörte allerdings lange zur Gemeinde Muttenz und erhielt erst 1875 den Status einer eigenständigen Einwohnergemeinde.

Über die heutige Redingbrücke führte der Verkehr nach Birsfelden. Die neuen Bewohner siedelten in städtischen Mietshäusern mit billigen Arbeiterwohnungen entlang der Hauptstrasse, die Basel mit Zürich und dem Mittelland verband. Die wohlhabenderen Leute aus der Stadt hingegen bauten an besserer Wohnlage am Rand von Birsfelden gegen den Hardwald hin. Mit Birsfelden fand das Quartier Breite-Lehenmatte seine städtebauliche Fortsetzung.

Landschaftsveränderungen durch Hafen- und Kraftwerkbau

Bis ins 19. Jh. war die Birs ein Netzwerk von grösseren und kleineren Rinnsalen, von Totwassern, Inseln, Kiesbänken und abwechslungsreichen Mäandern. Der natürliche, viel verzweigte Lauf des Flusses war einst ein dominantes Landschaftselement. Mit der Birskorrektur Mitte des 19. Jh. änderte sich dies, mit dem Bau von Hafen und Kraftwerk begann die grossflächige Landerschliessung.

Der Birsfelder Hafen mit seinen 54 Hektaren wurde zwischen 1937 und 1940 erstellt und mehrfach erweitert. Heute besteht diese Hafenlandschaft vorallem aus Strassen, Häusern und Fabriken. Mit dem Hafenbau entstanden jedoch auch neue Lebensräume wie Magerwiesen und Kiesflächen, die für ihre hohe Artenvielfalt bekannt sind. Sie sind zu einem wichtigen Ersatzstandort für seltene Pflanzenarten geworden. 230 Pflanzenarten kommen im Hafenareal vor, 64 stehen auf der regionalen oder nationalen Roten Liste und sind gefährdet. Auch wurde eine Varietät der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera var. chlorantha) nachgewiesen, die in der Region nur im Birsfelder Hafen vorkommt.

Auch der Bau des Wasserkraftwerks, besonders der Aufstau und der Schleusenbau, veränderten das Rheinufer nachhaltig. Der Birsfelder Hof wurde 1952 abgebrochen, an seiner Stelle wurde 1954 das Kraftwerk errichtet. Mit dem Schleusenbau wurden die ehemaligen Felder des Bauernbetriebs zur Halbinsel.

Zugebaut – wenig Platz für Naturschutz

Heute liegt Birsfelden eingeklemmt zwischen der Birsmündung im Westen, dem Rhein im Norden und Osten und dem Hardwald und Muttenz im Süden. Bauland ist in der Gemeinde rar geworden, wachsen kann diese nur noch in die Höhe. Auch Landschaftschutzgebiete sind selten. Immerhin ist heute die Zukunft des von einer Überbauung bedrohten Naturschutzgebietes "Biotop Am Stausee", bekannt für seine Vogelbeobachtungen, gesichert. Der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden hat 2013 eine Nutzungsvereinbarung plus Pflegekonzept mit der Grundstückbesitzerin, der Kraftwerk Birsfelden AG, und mit der Gemeinde Birsfelden unterzeichnet.

MJ

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Gschwind Xaver: Birsfelder Heimatkunde von 1863: Ausgabe zum Jubiläum 125 Jahre Birsfelden, Birsfelden 2000.
  • Lenzin-Hunziker H., Meier-Küpfer H., Schwegler St., Baur B.: Hafen- und Gewerbegebiet als Schwerpunkt pflanzlicher Diversität innerhalb urban-industrieller Ökosysteme: botanische Bestandesaufnahme des Rheinhafengeländes Birsfelden, Schweiz. Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftsplanung, Jg. 39 Nr. 3, 2007, S. 86-93.
  • Rüdisühli K. & al.: Heimatkunde Birsfelden, Liestal 1976.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Heimatkunde Birsfelden vor 1850, Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung