Märkt

Die kleine Ortschaft Märkt liegt gänzlich in den Rheinauen. Deshalb war die Fischerei in früheren Jahrhunderten zentraler Erwerbszweig. Seit 1956 zerschneidet die Autobahn den Gemeindebann auf der ganzen Länge in zwei Teile. Dank seiner Verkehrslage hat sich Märkt seither zu einer Wohngemeinde mit einer recht ansehnlichen Industrie-/Gewerbezone entwickelt.



Das Dorf der Fischer, Entenfänger und Schiffsleute

Das Haufendorf liegt in den früheren Rheinauen und somit im Überflutungsbereich des Rheins am Fusse des Hochgestades. Diese Geländestufe zwischen Aue und Niederterrasse ist hier sehr ausgeprägt. Der Flurname Werth bei Märkt, wie auch bei Augst-Wyhlen (Werth oder Gwerth), erinnert an eine alte topografische Bezeichnung für eine Insel zwischen Fluss und stehendem Gewässer. In früheren Zeiten reichte die damalige Gemeinde Märkt bis auf die heutige «Kembser Insel».

Seit etwa der Mitte des 19. Jh. und der Rheinkorrektion von Tulla fliesst der Rhein nicht mehr verzweigt. Die Altläufe wurden vom Rhein abgeschnitten. Vor der Korrektion gab es häufige Überschwemmungen und Märkt blieb deshalb ein kleiner Ort. Märkt war im Gegensatz zu den benachbarten Rebdörfern Ötlingen und Haltingen ein Fischerdorf. Ausserdem wurde die Entenjagd betrieben. Die Märkter waren auch in früheren Jahrhunderten Schiffsleute, welche beim Warentransport auf dem Rhein ihre Erfahrung einsetzten. Als Folge des Wehr- und Kraftwerkbaus anfangs des 20. Jh. ergab sich eine niedrige Restwassermenge im Altlauf des Rheins, was zum endgültigen Niedergang der Fischerei führte. Dazu haben aber vor allem im 19. Jh. auch weitere Faktoren beigetragen: Korrektion des Oberrheins, Gewässerverschmutzung der Industrien, zunehmende Schifffahrt, Überfischung. Bestandeseinbussen an Fisch ergaben sich auch durch den Wellenschlag der Schiffe, welche zu Schäden an der noch vorhandenen Fischbrut am Ufer führte.

Märkt und Eimeldingen

Nordöstlich von Märkt reicht Eimeldingen über das Hochgestade hinaus bis an den Dorfrand von Märkt. Das alte Eimeldingen liegt auf der Niederterrasse in einer Flussschleife der mäandrierenden Kander. Eimeldingen ist heute bis an die Kante des Hochgestades gewachsen. Die Eisenbahn und seit Kurzem auch deren Neubaustrecke trennen allerdings das Neubaugebiet vom alten Dorfkern ab.

Im Norden grenzt Märkt an die Kander. Auch die alte Kandermündung, wo früher in der Nähe eine Fähre in Betrieb war, liegt noch auf dem Gemeindebann. Seit der Umsetzung des Integrierten Rheinprogramms in den letzten Jahren wurde die Kandermündung etwas nach Norden verlegt. Im Südosten begrenzen der Autobahnzubringer und das Autobahndreieck Weil die Gemeinde. Märkt liegt somit wegen der Eisenbahnstation Eimeldingen und des Autobahnanschlusses Weil sehr verkehrsgünstig, was sich in der Entwicklung der Einwohnerzahl und der Ansiedlung von Gewerbe niederschlägt. Heute trennen Waldstreifen in alle Richtungen von den anliegenden Gebieten: der heute begrünte Altlauf, der Wald am Hang des Hochgestades und der Wald gegen die Autobahn zu im Südosten.

Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jh.

Durch den Bau der Autobahn, HAFRABA genannt, im Jahre 1956 wurde die Gemarkung in eine westliche und östliche Hälfte getrennt. Märkt verlor rund 7 % seines nutzbaren Ackerlandes. Dabei wurden die schon kleinen Parzellen nochmals zusätzlich geteilt. Das erforderte eine Flurbereinigung. Das Gelände gegen den Rhein zu wurde dann zunehmend für Industrie- und Gewerbebetriebe genutzt. Heute hat sich eine kompakte Industriezone entlang der ganzen Autobahn entwickelt. Sie bietet etwa 500 Arbeitsplätze an. Gegen den Willen der Bevölkerung wurde Märkt am 1. Januar 1975 im Rahmen der Gebietsreform zusammen mit Ötlingen und Haltingen in die Stadt Weil am Rhein eingemeindet. Zwischen 1950 und 2010 hat sich die Bevölkerung beinahe verdreifacht!

Stauwehr Märkt – etwas Geschichte

Das 1932 fertiggestellte Stauwehr Märkt bildet den südlichen Ausgangspunkt des Rhein-Seitenkanals. Das Wehr südwestlich des Dorfkerns ist Teil der Usine Hydroélectrique de Kembs. Der Bau des Stauwehrs brachte Märkt damals einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung. 1944 wurde das Stauwehr durch britischen Bombenbeschuss stark beschädigt. Die Folge davon war eine starke Rheinpegelsenkung oberhalb des Wehrs, welche unter anderem dazu führte, dass der Rheinhafen Basel trocken lag. Der Wasserspiegel sank etwa um 3,5 Meter. Seit 1995 ist das Wehr für Fussgänger und Radfahrer begehbar.

Stauwehr Märkt – Renaturierungspläne

Ende 2010 erhielt die Electricité de France (EdF) für das Kraftwerk Kembs eine neue Betriebskonzession bis 2035. Ein zentraler Streitpunkt bei der Konzessionserneuerung war die Grösse der Restwassermenge im Altlauf. Heute erhält der Altrhein wieder mehr Restwasser. Zudem kommen die saisonalen Schwankungen den natürlichen Verhältnissen nahe. Um die Verluste der Stromproduktion zu minimieren, baut die EdF zusammen mit dem Fischpass ein neues Kleinkraftwerk am Stauwehr Märkt. Weiter sollen die Lebensbedingungen der typischen Flora und Fauna im Altrhein verbessert werden. Dazu gehören eine kontrollierte Erosion des Ufers und das künstliche Anschwemmen von Kies. Weiterhin wird ein alter Rheinarm von mehr als sieben Kilometer Länge auf der «Kembser Insel» wiederhergestellt und so ein Weg für Fische rheinaufwärts Richtung Schweiz eröffnet. Zudem wird ein Fischpass den Grand Canal d’Alsace mit der Petite Camargue verbinden und auf der Rheininsel werden neue Feuchtbiotope angelegt.

HPM

Karten

Luftbilder

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Literatur

  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach (Hrsg): Der Landkreis Lörrach, bearb. von der Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg i.Br.,1994, Bd. II, S. 742-815.
  • Schülin Fritz: Märkt, kleine Ortschronik mit Beiträgen zur Orts-, Landschafts- und Siedlungsgeschichte, Weil am Rhein 1976.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Datenquelle 1871-1970: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Datenquelle 1975-2010: Stadt Weil am Rhein, sowie Der Landkreis Lörrach, Tabellenanhang A 2