Rothenfluh

Die Flur von Rothenfluh gehört zu den wertvollsten traditionellen Kulturlandschaften der Region. Sie besitzt eine grosse Vielfalt und ist kleinstrukturiert.



Rothenfluh und seine vielfältige Landschaft

Wenn man durch den Gemeindebann von Rothenfluh geht, so nimmt man eine schöne und vielfältige Landschaft wahr. Woher kommt dieser Eindruck?

In Rothenfluh haben sich besonders viele Naturelemente erhalten, wie artenreiche Magerwiesen, trockene Fromentalwiesen (d.h. wenig intensiv genutzte Dauerwiesen, nur Düngung mit Mist), extensive Weiden, Bäche und Bachufer, Wald und Waldränder, Hecken, Gehölze, Nassstellen und feuchte Wiesen, Hochstamm-Obstgärten und Feldbäume, Ackerland und Buntbrachen, bewachsene Mergelwege, Wegränder sowie Kleinstrukturen wie Asthaufen, Steinhaufen, Trockenmauern, Gebüschgruppen, Weiher und andere.

Auch in Rothenfluh sind im Laufe der Jahrhunderte Eingriffe der Menschen in die Natur erfolgt und aus der ursprünglichen Naturlandschaft ist eine – hier noch traditionelle – Kulturlandschaft entstanden. Durch verschiedene Faktoren, unter anderem durch eine bis jetzt ausgebliebene Güterzusammenlegung, sind viele kleinräumige Naturelemente und ein grosser Artenreichtum erhalten geblieben. Diese haben teilweise sogar nationale Bedeutung erlangt! So sind rund 14 Hektar Trockenwiesen und -weiden im nationalen Inventar TWW verzeichnet. Es sind dies die Fluren Dübach, Holingen, Horn und Leimet. Um diese Trockenwiesen zu erhalten, sind grösstenteils kantonale Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen worden. Damit ist sichergestellt, dass diese Wiesen und Waldränder auch in Zukunft fachgerecht bewirtschaftet werden und die besondere Vielfalt an Lebensräumen erhalten bleibt. Im Weiteren sind fast zwei Drittel der Fläche im Zonenplan Landschaft als Naturschutzzone ausgeschieden worden.

Eine Güterzusammenlegung fand nie statt

Rothenfluh ist eine der wenigen Gemeinden, in der bis heute keine Güterzusammenlegung oder Feldregulierung beziehungsweise Melioration stattfand. Aus bäuerlicher Sicht ist dies erstaunlich, denn die durch Erbteilung verursachte Güterzerstückelung fand auch hier statt. So erwähnt die Heimatkunde Rothenfluh in einem Beispiel um 1960 einen grösseren Landwirtschaftbetrieb mit 30 Hektaren Land, der aus rund 30 isolierten Arealen, zusammengesetzt aus 94 Grundbuchparzellen, besteht. Und diese sind erst noch über den ganzen Bann zerstreut.

Es wurden zwar schon Versuche unternommen, eine Güterzusammenlegung durchzuführen. Ein Begehren von Grundstückeigentümern für eine Regulierung wurde 1962 aber auf die lange Bank geschoben und anfangs 1970 sogar abgebrochen! Die im Dorf verbliebenen Bauern sahen sich dann in der Folge gezwungen, auf Grund neuer Bestimmungen im Tierschutzgesetz von 1978 ihren Betrieb umzustrukturieren. Die Tierhaltung im Dorfe war wegen mangelnder Auslaufmöglichkeiten für die Tiere nicht mehr gestattet.

Bauern versus Landschaftschützer?

Im Jahr 2011 wurde die Güterzusammenlegung erneut angegangen. Während Bauern mit zerstückeltem Besitz diese befürworten, erwächst von Seite der Landschaftsschützer Widerstand. Bei diesen wird befürchtet, dass die erwähnten erhaltenswerten Kleinstrukturen verloren gehen. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf das untersuchte Beispiel von Wintersingen, wo 1994 eine Melioration stattfand.

Im Vergleich einer Bestandesaufnahme 1983 vor der Melioration und einer von 1994 danach ergab sich in Wintersingen folgende Bilanz: Magerwiesen gingen um 71 Prozent, Lesesteinhaufen um 67, Bruchsteinmauern um 50, Feuchtstandorte um 41, Blumenwiesen um 35, Feldgehölze und Hecken um 13 Prozent zurück. Jetzt fordern die Landschaftsschützer, dass zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft keine Meliorationen mehr durchgeführt werden dürfen.

Die Grundeigentümer von Rothenfluh haben sich im November 2013 deutlich für die Durchführung einer Gesamtmelioration ausgesprochen. Das von der Melioration betroffene Gebiet umfasst 1519 Parzellen mit einer Fläche von 575 Hektaren. 268 Grundeigentümer sind betroffen. Ob sich der Konflikt «rationelle Landnutzung» gegen den «Erhalt einer vielfältigen Landschaft» lösen lässt, ist offen.

HPM

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Literatur

  • Erny-Hofstetter Erich et al.: Heimatkunde Rothenfluh, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2001.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung