Sissach

Durch seine Verkehrslage besass Sissach schon immer eine Zentrumsfunktion. Der Bau der Eisenbahn und später der Bau der Autobahn bewirkten, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Firmen niederliessen und Arbeitsplätze schufen. Die Verkehrslage zog auch viele Pendler an, welche sich den Traum eines Einfamilienhauses im Grünen verwirklichen konnten.



Lage an Verkehrsachsen

Der Bezirkshauptort Sissach liegt an zwei grossen internationalen Verkehrsachsen: an der Autobahn A2 und der wichtigen SBB-Nord-Süd-Achse. Beide Linien verbinden Mittel- beziehungsweise Nordeuropa durch die Alpen mit Südeuropa. Wichtig ist auch die West-Ost-Achse, die kantonale Autobahn H2, welche Liestal mit Sissach verbindet und seit 2006 mit dem Chienbergtunnel die Ortschaft vom Durchgangsverkehr entlastet.

In früheren Zeiten war die Lage sowohl an der alten Schafmattstrasse als auch an der alten Hauensteinstrasse (Unterer Hauenstein) wichtig. Ab Mitte des 19. Jh. wurde die Bedeutung von Sissach durch den Bau der beiden Eisenbahn-Hauensteintunnels grösser. Mit der Eröffnung der Hauensteinbergstrecke 1858 Basel–Sissach–Läufelfingen–Olten entstand die erste Eisenbahnverbindung ins Mittelland. Der Bau der Hauensteinbasislinie 1914/16 legte dann die Grundlage für einen intensiven Eisenbahnverkehr bis heute.

Industrielle Vergangenheit

Landwirtschaft und Rebbau waren bis ins 19. Jh. vorherrschend. Allerdings wurde schon seit dem 17. Jh. Bandweberei betrieben. 1785 hatte die Heimposamenterei in Sissach Fuss gefasst – Rudolf Kyburz eröffnete den Seiden-Botendienst mit Basel. Die Eröffnung der Liestal–Sissach-Zentralbahn 1855 gab einen Wachstumsimpuls. So wurde in Sissach im gleichen Jahr das erstes Warenhaus in Baselland, der Cheesmeyer, eröffnet. Ausserdem entstanden im Zusammenhang mit dem Bahnverkehr Weinhandlungen und viele Gasthöfe. 1859/60 erfolgte die Eröffnung der beiden Seidenbandfabriken an der Ergolz, «Obere Fabrik» und «Untere Fabrik» genannt.

Neu war das Zusammenfassen aller für die Fabrikation erforderlichen Kräfte in einer geschlossenen Fabrik. Vorerst wurde die Wasserkraft über einen Gewerbekanal als Energieträger genutzt. Die Basler Seidenherren der Firma Fiechter und Söhne, nachmals Dietschy, sowie Köchlin, nachmals Rudolf Sarasin, beschäftigten in der Hochzeit je rund 200 Arbeiterinnen und Arbeiter. In der Zeit der Wirtschaftskrise stellten die Obere Fabrik (1927) und die Untere Fabrik (1930) ihren Betrieb ein. Die markanten Fabrikgebäude existieren noch heute und erinnern mit ihrer Architektur an das Zeitalter der Industrialisierung. Heute dienen die beiden ehemaligen Fabriken als Gewerbe- und Kulturhäuser.

Mit der Eröffnung der Gotthardlinie im Jahr 1882 verkehrten auf der Nord-Süd-Achse bedeutend mehr Züge. Dies hatte zur Folge, dass der Bahnhof mit Depot, Drehscheibe und Wasserturm ausgebaut wurde. Ein Um- und Ausbau im Bahnhof Sissach erfolgte im Jahr 1899. Wesentlich für den Bahnhof war auch, dass ab Sissach bis Läufelfingen wegen der Steilheit der Strecke für jeden Zug eine Vorspann- oder Schiebelokomotive angehängt werden musste.

Siedlungswachstum als Folge der Verkehrs- und Industrieentwicklung

Sissach ist ein grosses Taldorf, ein Marktflecken und Bezirkshauptort an der Einmündung des Diegter Baches in die Ergolz. Urzelle ist eine Bachzeile auf dem Schuttkegel des Diegter Baches. Zusätzlich entwickelte sich dann ein Haufenkern um die Kirche St. Jakob. Später entstanden Strassenzeilen an der Hauensteinstrasse, an den übrigen Zufahrtswegen und am Süd-Hang des Ergolztales.

Als Folge der Eröffnung der Eisenbahn 1855 begann sich Sissach zur Bahnlinie auszudehnen. Der Bau der «Unteren Fabrik» 1859 zog erste Gebäude nördlich der Ergolz nach. Die neuen Fabrikbauten waren optisch sehr dominant. Sie brachten mit ihrer Blockform und den gleichförmigen Fensterzeilen eine neue, an der Industrie orientierte Architektur ins Orts- und Landschaftsbild. Sie wurden auch als «Kathedralen des 19. Jahrhunderts» bezeichnet. Die Eröffnung der Hauensteinbasislinie 1916 gab Impulse für ein weiteres Siedlungswachstum: Sissach dehnte sich nach allen Seiten aus. Zu diesem Zeitpunkt waren die Reben fast völlig verschwunden und an den unteren, ehemaligen Rebhängen breiteten sich Einfamilienhäuser aus.

Gegen Mitte des 20. Jh. entwickelten sich langsam Industrie- und Gewerbegebiete: im westlichen Ortsteil, südlich des Bahnhofs und im Osten Richtung Böckten. Der Bau der Talstrasse T2 im Jahr 1966 und der Autobahn N2 1970 bewirkte dann ein massives Siedlungswachstum. Die Industriezone westlich von Sissach dehnte sich stark aus. Rund um das Dorf entstanden Neubauquartiere. Die Verkehrslage zog viele Pendler, aber auch Firmen an.

Die Eröffnung der Umfahrung Sissach mit dem Chienbergtunnel 2006 entlastete den Dorfkern vom Autoverkehr stark. Anfangs des 21. Jh. dehnten sich die Siedlungsflächen weiter aus. Bemerkenswert für das Landschaftsbild waren früher und sind heute wieder die Rebflächen, welche seit einigen Jahren deutlich grösser wurden. Es gibt aber auch Konstanten im Landschaftsbild: So sind die Waldflächen und das Gewässernetz über die letzten paar Hundert Jahre konstant geblieben.

HPM

Karten

Luftbilder

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Frei-Heitz Brigitte: Industriearchäologischer Führer Baselland, Baselbieter Heimatschutz (Hrsg.), Basel 1995.
  • Hasche Katja und Hanak Michael: Eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Amt für Raumplanung, Kantonale Denkmalpflege Basel-Landschaft (Hrsg.), Basel 2010.
  • Siegrist-Frey Georg und Buser-Karlen Hans: Heimatkunde Sissach , Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1984, 2. überarbeitete Aufl. 1998.

Tabellen und Diagramme

Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung


Quelle: Heimatkunde Sissach

Quelle: Zeitlandkarte Swisstopo, Erläuterungen (pdf)