Birsig-Marchbach

Im letzten Ausläufer des Lösshügellandes hat sich südlich von Basel der Birsig eingegraben. Auf den fruchtbaren Böden der Ebenen dominiert der Ackerbau; die Hänge, die früher mit Eichen-Hagebuchen- oder Buchenwäldern bedeckt waren, sind vielerorts mit Einfamilienhäusern überbaut worden. Die Feuchtgebiete der Talsohle sind heute grösstenteils trockengelegt.



Sanft gewelltes Tal

Flankiert vom Margarethenhügel mit der historischen Kirche und dem alten Hof öffnet sich am Südrand von Basel das Birsig- oder Leimental. Das sanft gewellte sundgauisch-schweizerische Löss-Hügelland wird von wenigen Bächen und dem Birsig entwässert. Die wichtigsten Fliessgewässer sind der in Witterswil entspringende Marchbach, der Binnbach/Schliefbach, dessen Quelle in Hofstetten-Flüh liegt, sowie der westlich von diesen liegende Birsig. Die wichtigsten Birsigquellen liegen in Burg, bei Wollschiler (Börsegraben), bei Liebenswiller und in Biederthal.

Fruchtbarer Löss

Löss ist feines Gesteinsmehl, das während den Eiszeiten aus den vegetationsfreien Schotterebenen der Flüsse verblasen worden ist. Er hat eine gelbliche Farbe, fühlt sich mehlig an und enthält gelegentlich kugelige Konkretionen, die sogenannten Lösskindel. Trotz seiner mehligen Konsistenz und Weichheit ist Löss sehr stabil. Dies zeigt sich an den Wänden der tief eingeschnittenen Hohlwege. Sie sind durch landwirtschaftliche Fuhrwerke entstanden, welche seit Jahrhunderten immer die gleichen Wege benutzt haben. Das Löss-Hügelland erstreckt sich weit nach Frankreich hinein und heisst dort Sundgau. Mehrere römische Strassen führen von Westen über die Löss-Hügel in den Raum Basel.

Löss verwittert zu Lösslehm und ist sehr fruchtbar. Entsprechend wird das Löss-Hügelland vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Früher dominierte der Hackfruchtbau mit seiner charakteristischen Begleitvegetation. Heute sind es vor allem Mais-Kulturen. Als Folge der geänderten, sehr intensiven Bewirtschaftung wurde die Ackerbegleitflora stark zurückgedrängt.

Bedeutende Eichenwälder

Zwischen dem Kulturland befinden sich Eichen-Hagebuchen-Wälder. Sie enthalten in der Oberschicht der Krone einen hohen Anteil von Eichen. Dieser Waldtyp ist durch den Menschen entstanden. Noch im Mittelalter war die Eiche ein wahrer Allzweckbaum und wurde entsprechend gefördert. Die Eicheln waren wichtig als Futter für die Schweine, die in den Wald getrieben und nicht wie heute im Stall gefüttert wurden. Die Rinde junger Eichen diente zum Gerben von Leder. Die alten Eichen ergaben ein hervorragendes Bauholz.

Die Eichen-Hagebuchen-Wälder wurden als sogenannte Mittelwälder bewirtschaftet. Während man die Eichen stehen liess, wurden Bäume wie die Hagebuche und die Büsche alle 12 bis 30 Jahre gefällt und als Brenn- und Faschinenholz genutzt.

Rückkehr zu naturnaher Landwirtschaft?

Die vielen Ackerflächen im Löss-Hügelland wurden früher in Form von Wölb-Äckern bewirtschaftet. Dieses alte Landschaftselement entstand, indem immer vom Rand in Richtung Inneres der Parzelle gepflügt wurde. Das Zentrum der Äcker lag bald höher als die Randbereiche. An diesen sammelte sich das Wasser, das im feinen Löss und Lösslehm nur langsam versickerte. Hier entstanden feuchte Stellen, die beispielsweise der Kreuzkröte (Bufo calamita) und der Gelbbauchunke (Bombina variegata) als Lebensraum dienten.

Die früher vielfältigen landwirtschaftlichen Kulturen wurden im Sundgau weitgehend vom Mais verdrängt. Die Artenzahl der meisten Organismengruppen ist in den Maiskulturen stark reduziert, weil vermehrt Dünger ausgebracht und Pestizide eingesetzt werden. Der Mais wird hauptsächlich verfüttert: Die steigende Nachfrage an Fleisch hat zu einer Zunahme der Tierhaltung geführt . Zwischen 1980 und 1990 hatte eine Schweinemästerei aus dem Raum Biel-Benken / Therwil regelmässig Fischsterben im Birsig verursacht. Die übervolle Güllengrube wurde kurzerhand in das Gewässer entleert. Die Böden im Birsigtal gehört zu den fruchtbarsten Ackerbauflächen in der Schweiz. Durch die Verpflichtung der Landwirte zum ökologischen Ausgleich besteht auch die Hoffnung, dass neben den Anbauflächen auch die naturnahen Lebensräume gefördert werden.

Reichtum an Teichen und Weihern

Ein Charakteristikum des Sundgaus sind die vielen Karpfenweiher. Auch im Birsigtal haben lehmige Böden die Entstehung von Vernässungen und die Anlage von Weiher begünstigt. Die Kreuzkröte (Bufo calamita) und der Laubfrosch (Hyla arborea) waren früher weit verbreitet. An den laut quakenden Laubfrosch erinnert heute nur noch der frühere Übername des Schulhauses in Bättwil mit seiner damals grünen Fassade. Die Bestände des Namen gebenden Laubfrosches sind längst erloschen.

Die Libellen sind unter den Insekten die auffälligsten Bewohner dieser Teiche. Vor allem die Königslibelle (Anax imperator) ist nicht zu übersehen. Die blau gefärbten Männchen unserer grössten Libellenart patrouillieren in grossen Revieren über der offenen Wasserfläche und verteidigen diese gegen eindringende Artgenossen. Die Kleinlibellen leben als Larven zwischen den Pflanzen der Tauchblattzone. Das Grosse Granatauge (Erythromma najas) entwickelt sich beispielsweise an Gewässern, die über grosse See- und Teichrosenbestände verfügen.

Die Stadt wälzt sich ins Birsigtal

Die Siedlungen waren bis in die 1950er-Jahre in sich geschlossen. Nach und nach haben sie sich in die Landschaft ausgedehnt und sind jetzt zu einem Agglomerationsband zusammengewachsen. Erst oberhalb von Oberwil sind die einzelnen Dörfer noch erkennbar, weil sie durch Grünflächen voneinander getrennt sind. Am Rand der Dörfer wurden teilweise Gewerbezonen eingerichtet. «Die Stadt hat sich ins Tal gewälzt», wie der langjährige Biologielehrer Peter Brodmann aus dem Leimental diese Entwicklung charakterisierte. Als Folge davon ist ein Grossteil der naturnahen Lebensräume in der Talsohle verschwunden.

DK

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Brodmann-Kron Peter: Über die Veränderungen der Tierwelt des Leimentals im Verlaufe der letzten fünfzig Jahre. In Imbeck Paul et al.: Natur aktuell. Lagebericht zur Situation der Natur im Kanton Basel-Landschaft 1988. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1989, S. 322-326.