Kettenjura

Als «Nebenprodukt» der Schlussfaltung der Alpen begann sich der Jura am Ende des Tertiärs in Falten zu legen. Es entstand der Falten- oder Kettenjura.



Woher der Name Jura kommt

Der Name Jura stammt aus dem Keltischen und bedeutet Waldland. Von Alexander von Humboldt wurde Ende des 18. Jh. der Begriff «Juragestein» für das Kalkgestein im französisch-schweizerischen Jura eingeführt. Anfangs des 19. Jh. wurde dieser Begriff von Alexandre Brongniart zur Benennung der zugehörigen geologischen Gesteinsformation «Jura» übernommen. Der Name Jura umfasst somit gefaltete oder ungefaltete mehrschichtige Gesteinsformationen. Sie stammen genauer aus den Abschnitten Lias, Dogger, Malm und wurden in einer Zeitspanne abgelagert, welche vor rund 200 Millionen Jahren begann und etwa 60 Millionen Jahren dauerte. Für diese Zeitspanne ist der Gebirgsname Jura übernommen worden.

Was versteht man genau unter dem Falten- oder Kettenjura?

Der Naturraum Faltenjura besteht aus den Teilräumen Kettenjura und Plateaujura (Freiberge). Darin eingebettet sind die beiden Becken von Laufen und Delémont. Der Faltenjura zieht sich bananenförmig über 300 Kilometer von Südwesten nach Nordosten. Er besteht aus dem eigentlichen Kettenjura mit mehreren hintereinander gestaffelten Ketten und der zwar verfalteten, aber stark abgetragene Plateaulandschaft der Freiberge (Plateaujura). In Region Basel ist der Blauen im Westen die nördlichste Kette. Die Ketten gegen das Mittelland zu erreichen die grössten Höhen. So zieht diese Kette von parallelen Falten, in der Höhe nach Osten sinkend, über Passwang (1204 m), Belchen (1123 m) bis zur Geissflue (963 m) hin. Nördlich dieser Ketten liegt der Tafeljura. Die Überschiebungszone bildet die Grenze zwischen Ketten- und Tafeljura.

Der verfaltete Kalk-Mergel-Gesteinswechsel ist im Kettenjura formbestimmend. So sind die harten Schichten als Kämme durch Erosion herauspräpariert worden. Diese West-Ost verlaufenden Kämme sind teils bewaldet, teils als Flühe weithin sichtbar. Zwischen den Kalkrippen bilden weiche Tone und Mergel sanfte Muldentälchen mit Wies- und Weideland.

Der Jura entsteht

Vor rund 12 Millionen Jahren begann die Jurafaltung. Die vor allem aus Meeresablagerungen (Kalk) bestehenden Gesteinsschichten sind durch Druck aus dem Süden, der durch den letzten Schub der Alpenfaltung im Zusammenhang mit der Kontinentalverschiebung verursacht wurde, zu Falten aufgestaucht worden. Diese Schichten stammen aus dem geologischen Zeitalter «Jura», genauer aus den Abschnitten Lias, Dogger, Malm. Allerdings wurden auch Sedimente aus dem geologischen Zeitalter Tertiär mitverfaltet. Als Gleitschicht für die Faltung dienten die darunter liegenden Steinsalz- und Anhydritschichten aus der Triaszeit.

Während der Faltung und danach setzte die Erosion ein. Der Jura ist bis heute etwa um die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe abgetragen worden.

Die Eiszeiten im Jura

Nur während der zweitletzten und grössten Eiszeit, der Riss-Eiszeit, war die Region Basel teilweise von Gletschern bedeckt. Der Rhône-Gletscher floss vom Mittelland über die niedrigsten Jurahöhen nach Norden hinüber bis nach Möhlin sowie Frenkendorf/Füllinsdorf. Das überfliessende Eis schliff Pässe, welche später als Verkehrsverbindungen genutzt werden konnten. Nur einzelne Bergspitzen des Faltenjuras ragten über das Gletschereis hinaus.

Kalk und Wasser

Die mächtigen Kalkschichten des Juras sind hart, können aber durch Säuren gelöst werden. Die chemischen Prozesse der Kalklösung bezeichnet man als Korrosion. Dadurch werden Spalten und Klüfte geschaffen, in denen das Wasser versickert. Auf den Mergelschichten wird es gestaut, fliesst danach unterirdisch ab und taucht später irgendwo in einer Quelle wie zum Beipiel in der Gallislochquelle in Oltingen wieder auf. Man nennt diese Erscheinungen in der Kalklandschaft Karst.

Der Jura ein Verkehrshindernis

Da sich der Faltenjura von Westen nach Osten zieht, der Hauptverkehr der Menschen jedoch von Norden nach Süden beziehungsweise umgekehrt verläuft, haben die Jurapässe schon seit langer Zeit eine wichtige Verbindungsfunktion: zum Beispiel der Plattenpass, der Passwang, der Obere Hauenstein, der Untere Hauenstein, die Schafmatt oder das Benker Joch. Dabei müssen auch das Becken von Laufen und das Birstal als natürliche Nord-Süd-Verbindung erwähnt werden. Zentrale Bedeutung dabei haben die Klusen, die engen Durchbruchstäler durch die Falten. Diese entstanden während den Faltungsphasen, indem sich die Flüsse laufend in die sich hebenden Falten einschnitten.

Für wichtige Querverbindungen wurden die Ketten zwei Eisenbahn- und eine Strassenverbindung untertunnelt.In der Zeit von 1853 bis 1858 wurde der 2,5 Kilometer lange Hauenstein-Scheiteltunnel Sissach-Läufelfingen–Trimbach/Olten gebaut. Der 8,1 Kilometer lange Hauenstein-Basistunnel Sissach–Tecknau–Olten entstand im Zeitraum 1912–1916. Als letzter Juradurchbruch erfolgte der 3,2 Kilometer lange Belchen-Autobahntunnel 1963-1966.

HPM

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Literatur

  • Bitterli-Brunner Peter: Geologischer Führer der Region Basel, Birkhäuser, Basel 1987.
  • Labhart Toni P.: Geologie der Schweiz, Ott-Verlag, Thun 1995.
  • Suter Peter: Baselbieter Jura, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 11, Wepf, Basel 1983.
  • REKLIP, Regio-Klima-Projekt: Klimaatlas Oberrhein Mitte-Süd, Das Untersuchungsgebiet, 1995, Kap. 3, S.9.