Wiese

Die Wiese brachte bereits im Mittelalter Wasser ins Kleinbasel und damit damit vielfältige Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Im breiten Tal zwischen Zell und der Mündung in Basel wurden früher Wässermatten betrieben. Heute bildet das Grundwasser auf dem Schweizer Abschnitt das Basler Trinkwasserreservoir. Dank der verbesserten Wasserqualität ist die Wiese wieder Lebensraum seltener Arten von Eintagsfliegen, Steinfliegen und Köcherfliegen.



Vom Feldberg zum Rhein

Die Wiese entspringt auf rund 1200 m ü. M. in der unmittelbaren Umgebung des Feldbergs. Sie entwässert auf fast 55 Streckenkilometern eine Fläche von 437 Quadratkilometern. Erst fliesst sie Richtung Todtnau und Schönau in südwestlicher Richtung. Unterhalb von Schönau wird sie nach Süden abgelenkt und passiert Zell und Hausen. In Schopfheim ändert sie die Fliessrichtung nach Westen und erreicht – linksufrig vom Dinkelberg flankiert – Lörrach. Ihr Lauf liegt auf den letzten sechs Kilometern im Kanton Basel-Stadt, wo sie schliesslich in den Rhein mündet.

Drei Talabschnitte

Auf ihrem langen Lauf zwischen der Quelle am Feldberg und der Mündung in den Rhein durchfliesst die Wiese erst das Urgestein des Schwarzwalds und dann den aus Muschelkalk gebildeten Dinkelberg. Das Landschaftsbild des Wiesentals ist dementsprechend abwechslungsreich: Während oben ein breites, von Gletschern geprägtes Muldental vorherrscht, fliesst die Wiese im Mittelabschnitt, zwischen Schönau und Hausen, durch tief eingeschnittene Kerb- und Klammtäler. Im unteren Abschnitt, von Hausen bis Basel, ist die Flusslandschaft schliesslich durch ein breites Kastental charakterisiert, das sich zum Rheintal hin öffnet.

Wechselspiel mit dem Rhein

Im untersten Abschnitt wurden die Ablagerungen aus Wiese und Rhein wechselweise übereinander geschichtet. Der Rheinlauf führte vor 30 000 Jahren sein Wasser rund fünf Kilometer weiter östlich als heute am Hornfelsen bei Grenzach vorbei durch das heutige Kleinbasel und die Riehener Ebene nach Norden. Im Lauf der Jahrtausende haben grosse Geschiebemengen der Wiese den Rhein sukzessive nach Westen abgedrängt. Das Rheinknie ist entstanden.

Landwirtschaft und Textilindustrie

Auf der verzweigten Flussstrecke unterhalb von Zell formte früher das von der Wiese mitgebrachte Geschiebe bei jedem Hochwasser ein neues Gerinne. Neben Schotter und Kies setzte sich auf den Schotterflächen auch fruchtbarer Schlamm ab. Die dank der Schlammablagerungen besonders fruchtbaren Flussauen wurden schon früh landwirtschaftlich genutzt. Die fruchtbaren Trübstoffe der Hochwasser wurden zur Düngung auf die als Wässermatten genutzten Wiesen geleitet. Die Wiese ermöglichte die Ansiedlung einer Textilindustrie. Ihr Wasser wurde zum Antrieb von Wasserrädern in Spinnereien und zum Bleichen oder Färben von Stoffen verwendet. Die Betreiber der Fabriken stammten mehrheitlich aus der Schweiz oder aus dem Elsass und verhalfen dem Wiesental im 19. Jh. zu grossem Aufschwung. Im 20. Jh. brach die Textilindustrie zusammen. Heute wird das Wasser der Wiese mit zehn Kleinwasserkraftwerken zur Elektrizitätserzeugung genutzt.

Wasserqualität und Trinkwasserversorgung

Mit einer Wassernutzung ist oft auch eine Gewässerbelastung verbunden. So sind als Folge des mittelalterlichen Bergbaus und der Erzindustrie noch heute erhöhte Schwermetallkonzentrationen nachweisbar. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung und Regenentlastungen aus der Kanalisation bei Starkregen verursachten seit dem Zweiten Weltkrieg zudem Belastungen mit Fäkalkeimen. Seit 1970 wurden am unteren Lauf der Wiese Abwasserreinigungsanlagen gebaut, verschärfte Umweltschutzauflagen erlassen und Revitalisierungsmassnahmen ergriffen. Die genannten Belastungen führen auch für die Trinkwasserversorgung von Basel regelmässig zu Problemen. In den Langen Erlen wird auf einer Kombination von Flächen vorgereinigtes Wasser aus dem Rhein zur Versickerung gebracht und anschliessend das gereinigte und angereicherte Grundwasser stromabwärts von Pumpbrunnen wieder gefördert und als Trinkwasser für die Stadt eingesetzt. Bei Hochwasser werden die Pumpbrunnen nahe der Wiese mit Keimen verunreinigt und müssen abgeschaltet werden. Die gleichen Probleme haben bisher verhindert, dass die Wiese auf der ganzen Länge im Kanton Basel-Stadt revitalisiert werden konnte.

Artenreiche Tierwelt

Mit über 100 Kleintierarten ist die Wiese ein wertvoller Lebensraum. Seit dem Jahr 2000 treten immer wieder seltene Arten auf, wie die Eintagsfliegenarten Baetis liebenauae und Ecdyonurus insignis oder die Steinfliegenart Perla abdominalis. Zum Teil wurden diese seit mehreren Jahrzehnten in der Schweiz nicht mehr beobachtet. Auch die Köcherfliegenart Anomalopterygella chauviniana wurde bisher nur an wenigen anderen Orten in der Schweiz nachgewiesen. Eingegraben in der Sohle der Wiese entwickeln sich zudem die Larven der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus). Wie in den anderen Flusstälern leben an der Wiese Wasseramseln (Cinclus cinclus) und Gebirgsstelzen (Motacilla cinerea). Die Wiese ist ein Hotspot seltener und bemerkenswerter Arten. Nach Jahren des Ringens zeichnet sich erfreulicherweise ab, dass das hohe Potenzial dieses Lebensraums durch Revitalisierung weiter gefördert werden kann.

DK / CM

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Burckhardt Gottlieb: Basler Heimatkunde – Eine Einführung in die Geographie der Stadt Basel und ihre Umgebung. III. Band. Benno Schwabe & Co., Basel 1933.
  • Golder Eduard: Die Wiese – Ein Fluss und seine Geschichte. Baudepartement Basel-Stadt, Tiefbauamt. Basel 1991.
  • Raith Michael: Gemeindekunde Riehen. Gemeinderat Riehen, Riehen 1980.