Rumpel-Chlapfen

Mehr denn je spielen heute Naturschutzgebiete für die Sicherung der biologischen Vielfalt eine zentrale Rolle. In Oltingen bietet das Gebiet Rumpel-Chlapfen auf kleinster Fläche ein vielfältiges Lebensraummosaik aus Mager- und Waldwiesen, Felsköpfen, Feuchtstandorten und Föhrenwäldchen. Diese stellen gleichzeitig Überlebens- und Ausbreitungszentren seltener Arten dar. Unter Schutz gestellt, sollte ihr Erhalt weitestgehend gesichert sein.



Emil Weitnauers Erbe

Am östlichsten Rand des Oberbaselbiets, etwa hundert Höhenmeter oberhalb des Fünfhundert-Seelendörfchens Oltingen, liegt das Naturschutzgebiet «Rumpel-Chlapfen». Dass sich heute diese Landschaft so abwechslungsreich präsentiert, ist letztlich auch der Oltinger Bevölkerung zu verdanken. Schon vor Jahrhunderten begannen sie Teile des Waldes zu roden und schufen so, meistens unbeabsichtigt, zusätzliche ökologische Nischen. Das Gebiet «Röti-Rumpel» gehört zu den ältesten Naturschutzgebieten des Kantons.

Der engagierte Lehrer, Naturliebhaber und Ornithologe Emil Weitnauer war massgeblich daran beteiligt, als es in den 1960er-Jahren darum ging, für die etwa 60 Aren grosse Fläche «Röti-Rumpel», einem Teilgebiet des heutigen Naturschutzgebietes «Rumpel-Chlapfen», die rechtliche Unterschutzstellung zu beantragen. Es war ihm ein grosses Anliegen, sich in seiner Heimat für die Erhaltung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren sowie der Schönheit der Landschaft einzusetzen.

Im Oktober 1962 stellte der Regierungsrat das betreffende Gebiet unter kantonalen Schutz. Nach und nach konnte die Schutzgebietsfläche dank des Einverständnisses verschiedener Landeigentümer bis 2001 auf gut 10 Hektare erweitert werden. Im März 2007 schliesslich nahm der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft das nun 87 Hektare grosse Gebiet «Rumpel-Chlapfen» als Trockenwiese- und Weide von nationaler Bedeutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons auf.

Rumpel – kleine Fläche, grosse Vielfalt

Weshalb gewisse Örtlichkeiten «Rumpel» heissen, ist nach Markus Ramseier noch weitgehend ungeklärt. «Häufig liegen sie an Hängen oder auf Anhöhen. Ob es dort in der Nähe auffallend «rumpelte», zum Beispiel durch Geschiebe der Bäche, niedergehende Steinschläge oder polternde Wagen, bleibt unklar», meint der Flurnamenforscher. Jedenfalls besteht das Teilgebiet Rumpel bei Oltingen aus artenreichen, am Hang gelegenen trockenen Magerwiesen- und weiden, in deren Mitte einige markante Föhren von einem früheren Wäldchen zeugen.

Rund 140 Pflanzenarten, darunter 19 Orchideen- und zwei Enzianarten, Kugelblumen, Silberdisteln und Katzenpfötchen wachsen dort und werden durch verschiedene Aufwertungsmassnahmen wie das Ausholzen der Feldgehölze oder der Extensivierung der umgebenden Wiesen- und Weidenflächen geschützt.

Die Vielfalt der im «Rumpel» lebenden Tiere hat zwischen 1990 und 2005 leicht abgenommen. Durch die Unterschutzstellung des Gebietes hofft man, dieser Tendenz entgegen zu wirken. Trotz der kleinen Fläche beherbergen die Mager- und Waldwiesen sowie die lichten Waldstandorte zwischen den Föhren eine ausgesprochen reiche Schmetterlingsfauna. Wo sich in den letzten Jahren erfreulicherweise auch verschiedene Heuschrecken- und Schneckenarten etabliert haben, brütet gelegentlich der Neuntöter.

Im «Rumpelflüeli» hat sich eine zwar kleinflächige aber nicht minder charakteristische Felskopf-Vegetation mit verschiedenen Gamanderarten, Sonnenröschen, Glockenblumen und Wacholder ausgebildet. Der daran anschliessende feuchte Wiesenbereich wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends unter grossen Anstrengungen vor der Verwaldung bewahrt, indem der bereits mannshohe Eschenaufwuchs gerodet wurde. Das Gebiet hat einen weiteren Lebensraumtyp, die Hochstaudenflur, dazugewonnen. Heute bieten Kohldisteln, Moor-Spierstauden und Sumpfdotterblumen verschiedenen Schmetterlingen wie dem Grossen Perlmuttfalter oder dem Märzveilchenfalter eine Lebensgrundlage.

Chlapfen – das Ergebnis eines «Chlapfs»

Das grosse Waldgebiet am Abhang des Faltenjuras östlich von Oltingen ist durchsetzt von Erd- und Felsrissen – das Resultat von früheren «Chlapfen» (Knall, Krach) eben. Die flachgründigen, trockenen Stellen sind vom Weissseggen-Buchenwald bewachsen, die tiefgründigeren, wüchsigen Standorte hingegen vom Lungenkraut-Buchenwald. Im Frühling kann man den typischen Gesang des sehr selten gewordenen Waldlaubsängers vernehmen. Später im Jahr, in den Sommermonaten, fliegen entlang der Waldwege die Wald-Schmetterlinge Kaisermantel und Kleiner Eisvogel ihre Runden.

Die Wald- und Magerwiesen «Ober Ried» und «Ried» sind eng mit dem Buchenwald verzahnt. Ihre Besonderheit ist, wie der Name «Ried» schon sagt, ein Quellaufstoss. In der an ein Hangried erinnernden Sumpf-Vegetation mit Seggen, Binsen und Sumpfkratzdisteln wächst sogar ein kleiner Bestand des Breitblättrigen Wollgrases. Die verschiedenen Orchideenarten, Berg-Aster, Trauben-Pippau oder Strand-Pfeifengras sind dagegen eher typische Vertreter der Magerwiesen. Eine grosse Vielfalt an Schmetterlingen belebt dieses Ried, wobei viele Arten nur in Einzelexemplaren vorkommen. Über 30 Tagfalter-Arten wurden bisher bestimmt.

Schützenswertes Juwel

Das Naturschutzgebiet «Rumpel-Chlapen» bietet auf einer kleinen Fläche einen eindrücklichen Reichtum an Lebensraumtypen, die in sich eine beachtliche Biodiversität bergen. Wenn auch die vielen Orchideen- und Schmetterlingsarten auf- und gefallen, vervollständigen erst die kleinen, unscheinbaren Lebewesen das Bild dieser grossen Vielfalt. So sollen nicht nur Magerwiesen und -weiden, Hochstauden- und Quellfluren, Waldgesellschaften und Felsstandorte erhalten und geschützt werden.

Mit Hilfe der kantonalen Naturschutzfachstelle hat man sich in Oltingen auch verpflichtet, Kleinststrukturen wie Alt- und Totholz, Hecken, Einzelbäume, Büsche und Steinhaufen zu erhalten und zu fördern. Das Wegwerfen von Abfällen, das Pflücken oder Ausgraben von Pflanzen und das Fangen oder Aussetzen von Tieren sind nur einige der Eingriffe und Störungen, die im Gebiet «Rumpel-Chlapfen» tabu sind und den Schutzzielen widersprechen.

EB

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Heimatkunde Oltingen, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008.
  • Lüthi Roland: Natur im Baselbiet Hefte 10, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008.
  • Ramseier Markus et al.: Ortsgeschichte und Ortsname - Flurnamen der Gemeinde, Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung Basel-Landschaft, Pratteln 2006.