Wildenstein

Das Schloss Wildenstein bei Bubendorf ist von einem Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung umgeben. Dessen wichtigster Bestandteil ist der Eichenwytwald, der nur aufgrund konstanter Besitzverhältnisse in seiner spätmittelalterlichen Form erhalten geblieben ist und damit die Möglichkeit bietet, ein Stück mittelalterlicher Kulturlandschaft zu erleben. Neben diesem historischen Interesse beherbergen die teilweise über 500 Jahre alten Eichenbäume eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten.



Wytwald und Dreizelgenwirtschaft

Das Naturschutzgebiet Wildenstein ist rund um die gleichnamige Burg angelegt, deren erste urkundliche Erwähnung auf das 13. Jh. zurückgeht. Doch die heutige Ausgestaltung geht zum grössten Teil auf umfangreiche Umbauarbeiten zurück, die im 17. Jh. vorgenommen wurden und die Burg zu einem Landsitz machten. Aus naturräumlicher Sicht ist hierbei besonders die früher angewandte Form der Dreizelgenwirtschaft interessant. Die Bepflanzung der Zelgen rotierte im Jahresrhythmus zwischen Sommer-, Winterkorn und Brache. Da noch keine Futterproduktion stattfand, wurde relativ viel Fläche für das Weiden der Tiere gebraucht. Der Eichenwytwald ist eine Verbindung von Weide- und Waldfläche. Eichen waren deshalb beliebt, weil die Eichelfrüchte im Herbst zur Mast der Schweine dienten. Im weiteren konnten sie zum Gewinn von Gerberlohe aus der Baumrinde sowie zur Produktion von Bauholz verwendet werden.

Wandel von Landwirtschaft und Waldnutzung

Der Anbau der Kartoffel im 19. Jh., machte die Nahrungsmittelproduktion einfacher und der Einsatz von Rotklee als Bodenverbesserer ermöglichte das Bebauen der Brachzelge. Die Stallfütterung der Tiere wurde beliebter und als Folge wurden die ausgedehnten Weideflächen für einen wirtschaftlich produktiveren Anbau genutzt. Durch das Ausbringen des Stalldungs konnte der Ertrag weiter gesteigert werden.Die meisten Eichenwytwälder wurden rasch gefällt, weil ihr Holz für den Eisenbahnbau begehrt war. In Wildenstein blieb diese Entwicklung jedoch aus, da sich das Schloss mitsamt Areal in Privatbesitz befand und es so dem staatlichen Zugriff – selbst während der «Anbauschlacht» des Zweiten Weltkriegs, entzogen war. Ungleich wichtiger war allerdings, dass die Besitzer bestrebt waren, den Eichenwytwald zu erhalten.

Mit Eigentümerwechsel zum Naturschutzgebiet

Das Gut wurde schliesslich 1990, nachdem es zuvor 200 Jahre im Besitz der Basler Familie Vischer war, zunächst von der Kantonalbank Basel-Landschaft erworben. Im Jahr 1995 ging es an den Kanton Baselland über. Heute wird es als Kongresszentrum genutzt und beherbergt neben dem Naturschutzgebiet einen Bio-Bauernhof. Das Aushängeschild des Naturschutzgebietes Wildenstein ist jedoch der Eichenwytwald. Seine Erhaltung kann als Glücksfall bezeichnet werden, ist uns doch damit eine Bewirtschaftungsform erhalten geblieben, die im Mittelalter verbreitet war, bis heute aber gänzlich verdrängt wurde. Der natürliche Anschein, den die heutige Baselbieter Landschaft macht, ist mehr Resultat menschlicher Einflüsse als sie zunächst preisgibt.

Gärten, Hofgut und Weiher

Neben dem Eichenwytwald wartet das Gebiet Wildenstein mit einem Englischen Garten auf, der im 19. Jh. anstelle eines Rebbergs errichtet wurde. Ein französischer Garten, ein Rundweg um das Schloss herum, ein Landwirtschaftsbetrieb sowie ein Schlossweiher runden das Bild ab.

Lebensraum Eichenwytwald

Kennzeichen des Wytwaldes sind die weit auseinander stehenden Bäume und ihr daraus resultierender, Wald-untypischer Wuchs: Die teilweise über 500 Jahre alten Eichen besitzen kurze Stämme, tief liegende Kronen und weit ausladende Äste. Dies deutet darauf hin, dass sie schon immer relativ frei standen.Mit den alten Eichen ist eine artenreiche Lebensgemeinschaft verbunden. Besonders bedeutsam bei den alten Eichen Wildensteins sind die verschiedenen Holzformen: lebendes Holz, Totholz, Mulm. Dies bietet einer Vielfalt an Insekten, wie zum Beispiel holzbewohnenden Käfern, Lebensraum. Zudem ist die Flechtenflora der Eichen mit über 100 verschiedenen Arten äusserst bemerkenswert. Ebenfalls von Interesse ist die Vogelgemeinschaft, insbesondere der in den Eichenbeständen vorkommende seltene Mittelspecht.

Nährstoffarme Weiden

Die zwischen den Eichen liegenden Magerwiesen wurden früher durch Weidetiere frei von Gebüsch gehalten. Heute muss dies von Menschenhand erledigt werden. Dem Erhalt der Magerwiesen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spätes Mähen und den Verzicht auf den Weidebetrieb werden ideale Bedingungen für eine Magerrasenflora geschaffen. Aus der vielfältigen Vegetation kann das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) herausgehoben werden, das innerhalb des Tafeljuras in Wildenstein einzigartig ist.

DK / MS

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Lüthi Roland: Wildenstein. Exkursionsführer durch Naturschutzgebiete des Kantons Basel-Landschaft, Heft 3, Liestal 2002.
  • Naturforschende Gesellschaft in Basel / Naturforschende Gesellschaft Baselland (Hrsg.): Naturschutzgebiet Wildenstein, Kanton Basel-Landschaft. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Band 7, Liestal 2003.