Exkursion Birs

Von der Wildfluss- zur Agglomerationslandschaft

Die Exkursion führt in der ehemaligen Aue der Birs von Dornach durch die Reinacher Heide zur Brüglinger Ebene und vermittelt Informationen zum Wandel der Flusslandschaft und der Landwirtschaft sowie der Entwicklung der Siedlung.

Route
Bahnhof Dornach/Arlesheim – Dornachbrugg – Reinacher Heide – Obere Widen – Münchenstein – Neuewelt – Brüglingen – St. Jakob/Basel

    Dauer
    Ein halber Tag oder ganzer Tag, Gehdistanz: 6,2 km, Höhenunterschied ca. 35 m

    An- und Rückreise
    Hinreise: Bahn S3 oder Tram 10 Station Dornach-Arlesheim.
    Rückreise: Tram 14 oder Bus 36 St. Jakob. Rückreise ins Birstal: Tram 10 und 11, Bahn S3 Station Dreispitz.

    Beat Ernst, Ufergehölz eines Auenwaldes an der Birs, Reinacher Heide, Digitalfotografie, 17.05.2012, Bildarchiv Beat Ernst Basel

    Grundlagen

    Materialien (auch zum Mitnehmen)
    Karten, Bilder, Fotos
    Jacob Meyer, Geographisches Verzeichniss der Situation des Bürssflusses (Angenstein bis Münchenstein)| Dornach mit Birs (Nepomückbrücke) |Jacob Meyer, Die Bürss (Dorf Münchenstein und Birs) |J. J. Schaefer, Geometrischer Grundriss eines Theils des Birss-Flusses... | Daniel Bruckner Birs mit Wasserhuus

    Verlauf

    1. Birsübergang: Die Nepomukbrücke war lange Zeit der einzige befestigte Flussübergang im unteren Birstal. Aufgrund des regen Verkehrs und Handels ist am rechtsufrigen Brückenkopf die Siedlung Dornachbrugg entstanden, welche heute zu Dornach gehört. Hier hat eine Felsrippe einen natürlichen Wasserfall geschaffen. Die Birs wurde noch weiter aufgestaut und ihr Wasser wurde zum Antrieb von Maschinen in die Spinnerei Schappe geleitet. Heute wird das Gefälle zur Erzeugung von Elektrizität genutzt.
    2. Reste der Auenlandschaft: Das Gehölz auf den beiden Ufern der Birs besteht aus Resten der früher ausgedehnten Hart- und Weichholzauen. Zu den häufigsten Bäumen und Sträuchern gehören Erlen, Pappeln, Ulmen und Weiden.
    3. Traditionelles Ackerland: In den 1930er-Jahren diente ein Grossteil des Gebietes in und um die Reinacher Heide noch als Ackerland. Heute wird ein kleines Gebiet beim Bruggrain wieder zum Anbau von Getreide genutzt. Das Ziel ist die Erhaltung der stark bedrohten Ackerbegleitflora.
    4. Wasserversorgung: In der Reinacher Heide wird Trinkwasser für Biel-Benken, Bottmingen, Ettingen, Oberwil, Reinach und Therwil gewonnen. Das Wasserwerk wird von den sechs Gemeinden finanziert.
    5. Reinacher Heide: Charakteristisch für die Reinacher Heide sind Pflanzenbestände des Trocken- oder Halbtrockenrasens, Pionierflächen und magere, farbenprächtige Blumenwiesen. Die Gehölzränder werden regelmässig zurückgeschnitten, sodass ein gestuftes Mantelgebüsch und ein Krautsaum entstehen. Seit kurzem ist auch der Biber wieder heimisch. Seine Frassspuren sind an einzelnen Stellen des Ufers deutlich erkennbar.
    6. Blockrampe der Birs: Anstelle eines früheren Wehrs, mit dem ein Industriekanal gespeist wurde, ist hier eine Blockrampe angelegt. Das frühere Wehr bedeutete das Ende der Wanderung von «schlecht schwimmenden» Fischarten (z.B. Groppe). Die Spalten zwischen den locker ineinander verkeilten Steinblöcken erlauben insbesondere den Klein- und Jungfische wieder eine ungehindert Wanderung.
    7. Seltene Begleitflora: Als Folge der intensivierten Landwirtschaft ist die noch bis in die 1950er-Jahre übliche Begleitflora aus den Getreideäckern verschwunden. Im Gebiet Widenacker werden Arten wie Klatschmohn, Venusspiegel oder Adonisröschen gefördert. Ein Teil des Ackerlands wird, ähnlich wie in der früheren Dreifelderwirtschaft, als Brache sich selbst überlassen
    8. Revitalisierte Birs: Am Standort der früheren Abwasserreinigungsanlage in Reinach konnte das Gerinne der Birs auf mehr als die doppelte Breite aufgeweitet werden. Es hatte auch genügend Platz um Kiesinseln zu fördern. Auf einer Strecke von rund 250 Metern erinnert die Birs so wieder an den natürlichen Lauf vor der Begradigung. Die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse haben eine Vielfalt an Lebensräumen geschaffen für Auenpflanzen, Fische und Kleintiere. Aber auch der Mensch fühlt sich in diesem Relikt einer Aue wohl.
    9. Teufelsgrabenbach: Der Teufelsgraben besass nach der Begradigung der Birs einen anderen Lauf (Karte). Nach Erreichen der Talsohle versickerte er nach und nach im durchlässigen Birsschotter. Ende des 19. Jh. wurde der Bach in gerader Linie zur Birs geleitet. Um die Aufwanderung von Kleinfischen und Bachforellen zu ermöglichen, wurde im Jahr 2012 die Mündung des Bachs durchgängig gestaltet.
    10. Naturschutzgebiet Rütihard: Dieses Naturschutzgebiet liegt in der Gemeinde Muttenz und wird betreut von Pro Natura Basel. Es umfasst unter anderem Halbtrockenrasen, die teilweise als Pferde- oder Schafweide genutzt werden, Waldgesellschaften sowie einen Weiher.
    11. Kleinkraftwerk Neuewelt: Im Jahr 1626 wurde zur Ableitung des St. Alban-Teiches ein Wehr errichtet. Seit 1998 wird das Gefälle in der Birs auch zum Betrieb des Kleinkraftwerks Neuewelt genutzt. Die Industriellen Werke Basel (IWB) produzieren hier Elektrizität, die den Jahresbedarf von rund 1000 Haushalten deckt. Auf der linken Uferseite befindet sich eine Fischtreppe, welche die Aufwanderung von Fischen in der Birs ermöglicht.
    12. «Grün 80»: 1980 wurde der südliche Teil der Brüglinger Ebene zur Durchführung der Schweizerischen Gartenbauausstellung «Grün 80» umgestaltet. Seither dient ein Teil dieses ehemaligen Landwirtschaftsgebiets als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung der Stadt und Agglomeration Basel. Die Rasenflächen und der zentral gelegene See mit Wasserfontäne sind ein beliebtes Ziel für Picknick und Entspannung von Familien. Zu einem Wahrzeichen wurde der Dino, die Nachbildung eines Dinosauriers der Gattung Seismosaurus, welcher ab 2005 den in die Jahre gekommenen alten Dino ersetzte.
    13. Sportanlagen St. Jakob: Nach der Ausstellung Grün 80 wurde ein anderes Gebiet wieder als Sportanlage genutzt. Im Jahr 2013 entstand hier der Nachwuchs-Campus des FC Basel. Apfelbäume säumen den Weg entlang der Sportanlagen und erinnern an die frühere Nutzung als Landwirtschaftsgebiet.
    14. Englischer Garten: Rund um die Villa Merian hat Christoph Merian einen Englischen Landschaftsgarten anlegen lassen. Mit Anlagen wie dieser wird versucht, die Idealvorstellungen von Natur nachzubilden. Die Natur entwickelt sich hier nicht spontan, sondern sie wird kunstvoll inszeniert.
    15. Pro Specie Rara: Mit der Intensivierung der Landwirtschaft sind auch die alten Nutzpflanzen und Nutztiere verschwunden. Die Stiftung Pro Specie Rara setzt sich für den Erhalt dieser seltenen Pflanzensorten und Tierrassen ein. Dazu gehören beispielsweise Appenzeller Barthühner, Schweizerhühner oder Kaninchen, die von den Besuchern beobachtet werden können.
    16. DK

      Interaktive Routenkarte

      Swisstopo, Route Exkursion «Natur im Wandel der Zeit, Birs», Landeskarte 1:25'000, 2012.