Exkursion Chilpen

Von alten Bewirtschaftungsformen zum modernen Naturschutz

Von Diegten über den Chilene nach Tenniken wird erkennbar, wie sich die Natur als Folge der Intensivierung der Landnutzung verändert hat. In Naturschutzgebieten, in der Waldbewirtschaftung und durch Öko-Verträge mit Landwirten werden Naturwerte, die mit der Intensivierung verschwunden sind, wieder zurückgeholt.

Route
Diegten – Chilpen – Brunnenhof/Bälweid – Grützen – Sangetenrain – Stockenrain – Tenniken

    Dauer
    Ein ganzer Tag, Gehdistanz: 5 km, Höhenunterschied ca. 160 m

    An- und Rückreise
    Hinreise: Bus 107 von Sissach nach Diegten, Weinburg.
    Rückreise: Bus 107 von Tenniken nach Sissach.

    Hansjörg Schmassmann, Chilpen, Farbfotografie, ohne Jahr, Staatsarchiv Basel-Landschaft

    Grundlagen

    Materialien (auch zum Mitnehmen)
    Karten, Fotos
    Siegfriedkarte 1875 |Föhrenbestand Rintel, Diegten (1933)| Theodor Strübin, Diegten Streuobstbestände 1950

    Verlauf

    1. Diegterbach: Der Ausgangspunkt der Exkursion liegt am Diegterbach. Wegen seiner Lage im Strassendorf Diegten war das Gewässer bereits im 19. Jh. über längere Strecken verbaut.
    2. Landwirtschaft: Alte Zeichnungen und Landkarten Georg Friedrich Meyer, Plan …, Dieckten,... (1680) zeigen, dass Diegten früher von Einzelhöfen und traditioneller Landwirtschaft geprägt war. Während früher kleine Parzellen und viele Hochstammobstbäume dominierten, ist das Gebiet heute von grossen Ackerflächen und Intensivobstanlagen geprägt.
    3. Stampachbächli: Das Stampachbächli hat sich aufgrund der Korrektion stellenweise stark eingetieft. Das Ufer ist von einem dichten Gehölz bestanden.
    4. Weiher: Zum Schutz von Amphibien und Kleintieren wurden zwischen Stampachbächli und dem Chilpen-Hügel Weiher angelegt. Die Bereiche in Bachnähe waren früher immer nass und wurden mit Drainagen trocken gelegt . Die Bachnähe ist ein idealer Standort für Weiher, weil die Amphibien Fliessgewässer als Sommerlebensräume und Wanderkorridor nutzen. Neben den Weihern wurden kleine Steinhaufen angelegt, die einen Ersatz für die früheren Kleinstrukturen wie Lesesteinhaufen darstellen.
    5. Naturschutzgebiet Chilpen: Das seit 1979 geschützte Gebiet Chilpen besteht hauptsächlich aus aufgelockertem Waldbestand und einer wechselfeuchten Krautschicht, den sogenannten «Spargelerbsen-Pfeifengras-Magerrasen» oder Glatthaferwiesen. Das Naturschutzgebiet wurde bis etwa 1900 beweidet. Seit knapp 50 Jahren werden die gehölzfreien Flächen je nach Standort einmal oder mehrmals im Jahr gemäht.
    6. Feuchte Magerrasen: Die Situation in Diegten ist einzigartig. Während sonst im Jura ausgesprochen trockene Magerrasen dominieren, bleibt der mergelige Boden auf dem Chilpen nach Niederschlägen lange feucht. Es entstehen wechselfeuchte Magerrasen, auf denen trockenheitsliebende Pflanzen unmittelbar neben Sumpfpflanzen gedeihen.
    7. Schmetterlingspfad: Zwischen dem Chilpen und dem Rintel verläuft ein Waldweg, welcher zur Förderung von Schmetterlingen von hohen Bäumen befreit wurde. Um die Krautvegetation zu erhalten, wird zusätzlich die bodennahe Flora (Gräser und kleinwüchsige Sträucher) gemäht. Die Situation entspricht damit den früheren Wäldern, welche wegen der periodischen Beweidung viel mehr Licht auf den Boden liessen.
    8. Bälweid: Die Bälweid beim Brunnenhof ist ein kantonales Öko-Objekt und wird als extensive Wiesen genutzt. Um den höheren Aufwand und den niedrigeren Ertrag auszugleichen, erhält der Landwirt dafür einen Flächenbeitrag. Die jährliche Mahd fördert die Ansiedlung und Ausbreitung von Orchideen-Arten.
    9. Sangeten: Lungenkraut-Buchenwälder sind hier der verbreitetste Waldtyp. Im Vergleich zum offenen Föhrenwald des Chilpen kommt hier viel weniger Licht auf den Boden. Die geschlossenen Wälder werden erst seit Ende des 19. Jh. gefördert.
    10. Sangetenrain: Eine Schlagflur mit blühenden Sträuchern und Hochstauden lockt viele Schmetterlinge an. Die meist zur Verjüngung der Wälder geschlagenen Flächen haben eine wichtige Funktion für die Lebensraumvielfalt im Wald.
    11. Blick ins Gebiet Metzeln, Rebacher, Seematt in Tenniken: Über drei Viertel des Dorfgebietes besteht aus landwirtschaftlicher Nutzfläche oder Waldgebiet. Das frühere Landwirtschaftsgebiet anschliessend an die Siedlung wurde als Wohngebiet erschlossen und mit Einfamilienhäusern überbaut.
    12. DK

      Interaktive Routenkarte

      Swisstopo, Route Exkursion «Natur im Wandel der Zeit, Diegten–Tenniken», Landeskarte 1:25'000, 2012.