Kornblume – Kornrade – Kamille

Kornblume, Kornrade und Kamille gehören zur Garnitur der Ackerbegleitflora, die noch vor Mitte des letzten Jahrhunderts sehr vielfältig war. Inzwischen ist die farbenprächtige Ackerflora selten geworden. Der Grund dafür ist vor allem die moderne Landwirtschaft. Eine verbesserte Saatgutreinigung, dichtere Getreidebestände und der verstärkte Einsatz von Herbiziden erschweren oder verhindern das Aufkommen vieler Ackerwildkräuter.



Ein Sinnbild schöner Ackerkräuter – die Kornblume

Schon seit der jüngeren Steinzeit ist die Kornblume (Centaurea cyanus) in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden. Sie war ursprünglich im Mittelmeergebiet heimisch und wanderte erst mit dem Getreideanbau in Mitteleuropa, wo sie sich rasch ausbreitete. Einst zusammen mit dem Klatschmohn Symbol der hochsommerlichen Getreideäcker, ist sie als wild wachsende Pflanze unter anderem durch Herbizideinsatz und durch eine verbesserte Saatgutreinigung verschwunden oder äusserst selten geworden.

Die Kornblume bevorzugt kalkarmen, stickstoffreichen Lehmboden in sommerwarmen Lagen. Ihre attraktiven, etwa fünf Zentimeter grossen Blütenköpfchen bestehen aus azurblauen Röhrenblüten mit vergrösserten Randblüten, die in der Regel steril sind und nur der Anlockung von Bestäubern dienen. Wegen ihres reinen Blaus, der Farbe der Treue, wurden die Kornblumen in der christlicher Kultur zum Symbol der Maria.

Die schöne grosse Kornrade

Vermutlich war die Kornrade (Agrostemma githago) im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet, ehe sie zu einem lästigen Getreideunkraut wurde: Gelangten ihre Samen zusammen mit dem Getreide ins Mehl, wurde das Brot giftig. Bei Ausgrabungen von Siedlungen aus der frühen Jungsteinzeit wurden Samen der Kornrade gefunden, die allerdings noch kleiner als die der heutigen Pflanze waren. Die Grössenzunahme der Samen muss als Anpassung an ihre Ausbreitung mit der Getreidesaat gesehen werden: Samen mit der gleichen Grösse wie die Getreidekörner werden bei der Saatgutreinigung nicht aussortiert.

Die einjährige, bis ein Meter hohe Kornrade liebt mässig basen- und stickstoffreichen trockenen Boden. Ihre lanzettförmigen grauhaarigen Blätter sitzen gegenständig am dicht behaarten Stängel. Die fünf purpur-violetten Blütenblätter werden von den Zipfeln der Kelchblätter überragt.

Die Kamille – aromatisch duftende Heilpflanze

Die Echte Kamille (Matricaria recutita) ist eines der ältesten und allgemein bekanntesten Heilmittel, das bei verschiedenen Arten von Entzündungen heilend, schweisstreibend, beruhigend und krampfstillend wirkt. Sie enthält vor allem in den Blüten ätherisches Öl. Blüten und Blätter werden auch als Tee gesammelt. Die Blüten der bis 45 Zentimeter hohen aromatisch duftenden Pflanze ähneln jenen der Margerite. Sie haben innen goldgelbe Röhrenblüten und am Rand weisse, im Verlauf der Blütezeit nach unten geschlagene Zungenblüten. Der Köpfchenboden ist kegelförmig und hohl. Die Kamille bevorzugt stickstoffreichen, eher kalkarmen sowie leicht sauren Lehmboden und besiedelt Getreidefelder, Brachen, Ödland und Wegränder.

Ursprünglich in Südeuropa und Vorderasien beheimatet, hat sie sich hier schon seit der jüngeren Steinzeit eingebürgert. Der Volksglaube besagt, dass die Kamille, die an Johanni gesammelt wurde, besonders heilkräftig sein soll. Sie wird von den Landleuten oft in Bündeln in der Stube aufgehängt.

Unerwünschte Gewächse

Es kostet den Bauer viel Zeit, auf seinen Feldern die Unkräuter zu bekämpfen. Pflanzen, die sich diesen Anstrengungen der Bauern widersetzen und sich trotzdem in Getreide- und Hackfruchtäckern halten, besitzen spezielle Eigenschaften. Häufig sind es einjährige Arten. Sie haben eine hohe Produktion von Samen, die jedoch zeitlich versetzt keimen. Teilweise überdauern Samen von Ackerwildkräutern Jahrzehnte im Boden und bilden eine Samenbank. Ihren Entwicklungsrhythmus haben sie an den Bearbeitungsrhythmus des Ackers angepasst; sie entwickeln sich rasch von der Keimung zur Fruchtreife. Mehrjährige Arten haben die Fähigkeit, sich nach einer mechanischen Beschädigung ihrer Rhizome durch Hacken zu regenerieren. Auch eine zeitweilige Beschattung müssen Ackerbegleitpflanzen ertragen können.

Unkraut vergeht nicht

Unkräuter respektive Ackerwildkräuter sind Pflanzen, die unerwünschterweise auf Kulturland wachsen und dort mehr Schaden als Nutzen verursachen. Noch zu Beginn des 18. Jh. zeigten sich die Kornfelder im Juni auf dem fruchtbaren Lösslehmplateau des Bruderholzes in einem schmucken Blütenkleid. In das oft dominierende Weiss der Kamillen setzten der Klatschmohn, verschiedene Wicken und Platterbsen markante Farbtupfer.

In der zweiten Hälfte des 18. Jh. fand die Abkehr von der Dreifelderwirtschaft statt; eine Massnahme zur Ertrags- und Wohlstandssteigerung. Um 1840 war im ganzen Kanton Baselland die traditionelle Dreifelderwirtschaft durch die Wechselwirtschaft mit Runkelrüben und Grasbau für die Stallfütterung und durch den Kartoffelbau für die menschliche Ernährung ersetzt. Nicht nur Kornblume, Acker-Rittersporn und Kornrade verschwanden allmählich aus dem Flurbild des Baselbietes, auch Sommer-Adonisröschen, Platterbsen und Acker-Wachtelweizen wurden immer seltener. Als die Nutzungsintensität nach Ende des 2. Weltkrieges nochmals gesteigert wurde, konnten sich die Ackerwildkräuter nur noch schwer entfalten. Eine verbesserte Saatgutreinigung, wirkungsvolle Pflanzenschutzmittel (Herbizide), eine hohe Halmdichte und verstärkte Düngung verdrängten die Ackerwildkraut-Gesellschaften an die Ackerränder.

Ökologische Ausgleichsmassnahmen – neuer Lebensraum

Die Ackerbegleitflora gehört mit 42% gefährdeter Arten zu den bedrohtesten Pflanzengruppen der Schweiz. Mit speziellen Naturschutzmassnahmen kann heute ihr Erhalt möglich gemacht werden. Zudem werden mit vielen Landwirten Vereinbarungen zum herbizidfreien Getreideanbau getroffen und diese mit Ausgleichszahlungen abgegolten.

In den 1990er-Jahren wurden durch den Bund im Rahmen der Direktzahlungsverordnung Förderungsmassnahmen beschlossen. Ökologische Ausgleichsflächen wurden eingeführt, zuerst Buntbrachen, dann Ackerschonstreifen und Rotationsbrachen. Dabei werden drei bis zwölf Meter breite Streifen in der Ackerkultur mit einer artenreichen Wildpflanzenmischung angesät. Im Gegensatz zu den Bunt- und Rotationsbrachen findet in den Ackerschonsteifen eine jährliche Bodenbearbeitung statt.

In der Region Basel hat man vor allem Buntbrachen als Aufwertung von Ackerland gewählt. Die Reinacher Heide mit ihrem mageren und trockenen Schotterboden eignet sich zur Förderung besonders gut, war dieser Ort doch schon früher reich an Begleitpflanzen. Buntbrachen beleben auch auf der Hochebene von der Tenniker Flue bis nach Känerkinden und in Wildenstein das Flurbild. Zwischen Aesch und Ettingen sowie in der Birsebene hat sich die Zahl der Feldlerchenreviere in den Buntbrachen zwischen 1997 und 2000 mehr als verdoppelt. Manchmal kann man Turmfalken über Buntbrachen schweben sehen, weil sich in diesen gerne Mäuse aufhalten. Auch Feldhasen finden dort Deckung. Goldammer oder Distelfinken sieht man auf Karden sitzen. Buntbrachen bieten auch zahlreichen Insekten wie Bienen, Hummeln, Schwebefliegen und Laufkäfern einen Lebensraum.

EB

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Weiterführende Links

Literatur

  • Brodbeck Thomas et al.: Flora von Basel und Umgebung 1980 – 1996, Mitt. Naturf. Ges. beider Basel, Basel 1997.
  • Ellenberg Heinz: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Ulmer Verlag, Stuttgart 1996.
  • Holzer Wolfgang und Glauninger Johann: Ackerunkräuter, Leopold Stocker Verlag, Graz 2005.
  • Huovinen-Hufschmid Christine und Schläpfer Martin: Die Pflanzenwelt der Region Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 1998.
  • Lüthi Roland: Natur im Baselbiet Hefte 3, 5, 7 und 9, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2010.
  • Meier-Küpfer Hans: Pflanzenkleid im Wandel – Entwicklung in und um Basel seit 1600, Birkhäuser-Verlag, Basel 1992.
  • Moor Max: Einführung in die Vegetationskunde der Umgebung Basels, Lehrmittelverlag des Kantons BS, Basel 1962.