Mais

Der Mais ist ein ausgesprochenes Sonnenkind und stammt aus den Tropen Mittel- und Südamerikas. Das Klima nördlich der Alpen hatte für die Pflanze zu kühle Frühjahre, zu kurze Sommer und einen zu nassen und kühlen Herbst. Erst Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutzmittel, Düngung und Mechanisierung verhalfen dem Mais in der Mitte des 20. Jh. zum Durchbruch. Heute ist Mais die mit Abstand wichtigste Futterpflanze für die landwirtschaftliche Tierhaltung in der Region.



Vom indianischen Kulturgut zum Maishybrid

Der Mais ist eine Grasart aus dem tropischen Amerika. Für die Indianer von Mittel- und Südamerika war Mais schon während Jahrtausenden eine wichtige Nahrungspflanze, lange bevor Columbus bei seiner ersten Landung 1492 in San Salvador Felder mit Maispflanzen entdeckte. Bereits um 1525 wurde Mais in Andalusien auf Feldern gepflanzt und vor allem in der Türkei gegen Ende des 16. Jh. in grossem Stil angebaut, was ihm den Namen «Türkisch Korn» einbrachte. 1543 bildete Leonhard Fuchs in seinem Kräuterbuch, das in Basel gedruckt wurde, eine Maispflanze ab. Nördlich der Alpen wurde im 16. und 17. Jh. vor allem in den Rheingegenden von Südwestdeutschland Mais in Gärten als imposante Zierpflanze gezogen. Im 17. Jh. war er dann auch auf den Feldern zur Grünfuttergewinnung zu finden. Erst die Hungerjahre 1846 und 1847, verursacht durch die Kartoffelmissernten, brachte aber die Züchtung kälteresistenterer Sorten in Gang. In den Quellen zur Landwirtschaftsgeschichte des Baselbietes im 19. Jh. sind hingegen noch keine Hinweise auf den Maisanbau zu finden.

Das Jahr 1908 war entscheidend in der Maiszüchtung, da damals in den USA erstmals die Hybridisierung bei Mais entwickelt wurde. Dabei wurden gezielt zwei Inzuchtlinien (durch Selbstbefruchtung entstandene Elternpflanzen) gekreuzt, woraus eine kräftige, ertragsreiche Hybride entstand. Als diese Hybridsorten 1935 auf den amerikanischen Markt gelangten, war ihr Ertrag so überzeugend, dass innert fünf Jahren 60% der Maisflächen in den USA mit Hybridmais bepflanzt wurden. In Europa dauerte es bis nach dem Zweiten Weltkrieg, bis kälteresistente Hybridmaissorten gezüchtet werden konnten. 1956 wurde in Deutschland erstmals eine Maishybride zugelassen, heute wird nur noch Hybridmais angebaut.

Siegeszug in der Landwirtschaft

Seit den 1960er-Jahren erfuhr der Maisanbau einen kometenhaften Aufstieg. Die Maisanbaufläche vervielfachte sich; seit den 1980er-Jahren wird rund 20% der Ackerflächen in der Schweiz mit Mais gepflanzt. Dies ist nicht alleine der Maiszüchtung zu verdanken, sondern auch der Landbautechnik. Da die junge Maispflanze langsam wächst, ist sie bei starkem Unkrautbewuchs besonders gefährdet. Mit der Entwicklung wirkungsvoller Herbizide konnte dem begegnet werden. Hohe Stickstoffgaben und eine beispiellose Mechanisierung machten den Mais zur zweitwichtigsten Kulturpflanze hinter dem Weizen. Noch am 15. Februar 1961 schrieb die Basellandschaftliche Zeitung in ihrem Artikel «Maisanbau auf neuen Wegen: Auf Betrieben mit kleineren Anbauflächen ist wohl die Ernte von Hand mit Maiskrallen noch angängig. Geübte Pflücker bewältigen in der Stunde eine Are. – Bei grösseren Betrieben wird die maschinelle Ernte angewendet werden müssen.» Heute braucht der Bauer seinen Mais von Anfang bis Ende nicht mehr anzufassen. Einzelkornsägeräte, Hackrahmen, Maishäcksler, Silo und Futterlader erledigen die Arbeit bis zur Verfütterung des Erntegutes. Dabei ist zu bedenken, dass die Maisernte in der Region praktisch zu 100% in die Tierernährung fliesst.

Mais und Umwelt

Allein schon die Wuchshöhe der Maispflanze ergibt Feldstrukturen in der Landschaft, die sich deutlich von konventionellen Ackerflächen mit Getreide oder Kartoffeln unterscheiden. Besonders in den ausgeprägten Maisbauregionen wie dem Sundgau oder dem Rheintal sind die hohen Felder von Frühsommer bis Herbst landschaftsprägend. Im Frühjahr wächst der Mais sehr langsam und lässt den Boden lange Zeit unbedeckt, was die Erosionsgefahr stark erhöht. Da in dieser Zeit die Unkrautbekämpfung intensiv sein muss, lässt die Maiskultur kaum eine Ackerbegleitflora zu. Diese beschränkt sich auf wenige herbizidresistente Arten, die durch den intensiven Landbau begünstigt werden. Bis 2011 konnte das schlecht abbaubare Herbizid Atrazin im Maisbau verwendet werden, welches das Grund- und Trinkwasser belastete.

Untersuchungen haben gezeigt, dass das Feldinnere der Maiskulturen wenig von Tieren genutzt wird. Hingegen sind die Ränder von Maisfeldern ökologisch wertvoller und werden von Feldhase und Rebhuhn genutzt. Die letztere Art ist in der Region allerdings ausgestorben. Profiteure von Maisfeldern sind einzig die Wildschweine, deren Nahrungsangebot sich mit dem Anbau von Mais verbessert hat. Die grossflächige Ausdehnung dieser Monokultur ist jedoch problematisch, da sie die Bioversität und den Boden negativ beeinflusst und zu einem riesigen Land- und Wasserverbrauch führt.

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Weiterführende Links

Literatur

  • Hanus H., Heyland K.-U., Keller E.: Handbuch des Pflanzenbaues – Getreide und Futtergräser, Eugen Ulmer KG, 2008, S. 462-582
  • Miedaner Thomas: Von der Hacke bis zur Gen-Technik, DLG-Verlag, Frankfurt am Main 2005
  • Reich Michael, Rüter Stefan (Hrsg.): Auswirkungen des grossflächigen Anbaus von Energiepflanzen auf die Tierwelt der Agrarlandschaft, Cuvillier Verlag Göttingen 2011.