Wasserpflanzen

Unter Wasser ist für Pflanzen alles etwas anders. Zwar herrscht keine Austrocknungsgefahr, doch muss das für das Pflanzenwachstum unabdingbare Kohlenstoffdioxid in gelöster Form aufgenommen werden. Die Unterwasservegetation findet im Uferbereich von Stehgewässern und trägen Fliessgewässern ideale Bedingungen vor. Rund zwei Drittel der schweizerischen Wasserpflanzenarten sind jedoch ausgestorben oder bedroht.



Bewohner nasser Welten

Wasserpflanzen oder Hydrophyten sind Gewächse, die teilweise oder vollständig untergetaucht leben oder auf der Wasseroberfläche schwimmen. Viele Arten entwickeln ihre Blüten und Früchte über der Wasseroberfläche, darunter die Laichkrautarten (Potamogeton spp.), die Weisse Seerose (Nymphaea alba) und der Fieberklee (Menyanthes trifoliata). Aber auch gewisse Moose und Farne sowie die Vertreter verschiedener Algengruppen wie Grünalgen, Kieselalgen und Armleuchteralgen sind Wasserpflanzen. Sie alle leben mehrheitlich in stehenden Gewässern: Seen, Weihern, Teichen, Moorgewässern oder Tümpeln. Nur wenige Arten haben sich an die teilweise starke Strömung von Fliessgewässern angepasst.

Vegetationstypen stehender Gewässer

In stehenden Gewässern gedeihen die höheren Wasserpflanzen bis in eine Tiefe von maximal zehn Metern. Die Freiwasserzone der Gewässer ist das Reich der Schwebeorganismen, des Planktons. Zum pflanzlichen Plankton gehören mikroskopisch kleine Algen wie Kieselalgen, Grünalgen oder Goldalgen. Die Vegetation der höheren Wasserpflanzen am Ufer gliedert sich in verschiedene Zonen. Typischerweise entwickeln sich in den tiefsten Bereichen die Armleuchteralgen. Gegen das Ufer zu schliessen die Laichkrautzone, die Schwimmblattzone und der Röhrichtbereich an. Je nach Uferausprägung können die genannten Vegetationstypen grossflächig ausgebildet sein oder auch ganz fehlen.

Armleuchteralgen sind makroskopische Algen mit bis zu zwei Meter langen Sprossen. Sie sind immer vollständig untergetaucht und entwickeln gefärbte Makro- und Mikrosporangien. Die Pflanzen der Laichkrautzone sind grösstenteils untergetaucht. Nur ihre Blütenstände ragen aus dem Wasser hinaus. Seerosen, Teichrosen und weitere Schwimmblattpflanzen wurzeln in einer Tiefe von 1–1,5 Metern. Lange Stiele verbinden die Wurzelstöcke mit den auf der Wasseroberfläche schwimmenden Blättern und Blüten. Beim Röhricht befindet sich der grösste Teil der Pflanze über der Wasseroberfläche.

Anpassung an den Lebensraum

Die untergetauchten Wasserpflanzen und Algen nehmen Kohlendioxid (CO2) und Sauerstoff (O2), die sie für die Photosynthese und die Atmung benötigen, sowie Nährsalze aus dem Wasser unmittelbar in ihre Stängel und Laubblätter auf. Sie besitzen deshalb nur schwach entwickelte oder keine Leitgefässe. Die untergetauchten Pflanzenteile benötigen keinen Verdunstungsschutz und sind dadurch meist zart und dünnhäutig gebaut. Aufgrund des Wasserauftriebs benötigen sie weniger Festigungsgewebe als Landpflanzen. Die Spaltöffnungen der Schwimmblätter befinden sich nicht, wie bei Blütenpflanzen üblich, auf der Blattunterseite, sondern auf der Blattoberseite. Der Sauerstoff für die Atmung wird bei den Schwimmblattpflanzen in einem Luftgewebe in die untergetauchten Sprossteile und den Wurzelstock geleitet.

Vielfältige Unterwassergemeinschaft

Verbreitete Wasserpflanzen in stehenden Gewässern sind unter den Armleuchteralgen die feine Chara contraria. Zu den häufigsten Arten der Laichkrautzone in Weihern der Region Basel gehören das Krause Laichkraut (Potamogeton crispus), das Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und das Hornblatt (Ceratophyllum demersum). In der Schwimmblattzone dominieren meist die Weisse Seerose (Nymphaea alba), die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und das Schwimmende Laichkraut (Potamogeton natans). Das Röhricht setzt sich meist aus dem Schilf (Phragmites australis), der Seebinse (Schoenoplectus lacustris) und dem Breitblättrigen Rohrkolben (Typha latifolia) zusammen.

Die untergetauchten Pflanzenteile bilden ein wichtiges Substrat für die Aufwuchsalgen, bei denen es sich meist um Kieselalgen oder um fädige Grünalgen handelt. Als Unterwasserwald ist der Vegetationsgürtel der stehenden Gewässer ein wichtiger Lebensraum für Schnecken, Libellenlarven, Wasserkäfer und Köcherfliegenlarven. In Fliessgewässern der Region Basel sind untergetauchte Wasserpflanzen fast nur in den grösseren Flüssen zu finden. Im Rhein kommen hauptsächlich das Kammförmige Laichkraut (Potamogeton pectinatus), das Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und der Wasserschwaden (Zannichellia palustris) vor. In der Wiese entwickeln sich im Sommer grössere Bestände des Flutenden und des Pinsel-Hahnenfusses (Ranunculus fluitans und R. penicillatus).

Bedrohte Zeigerpflanzen und Neophyten

In der Schweiz stehen 64 % der Wasserpflanzen auf der Roten Liste. Der Rückgang der Arten ist auf die Korrektionen der Schweizer Fliessgewässer und die grossflächige Drainierung der Landschaft seit dem 19. Jh. zurückzuführen. Die von Auge sichtbaren Wasserpflanzen (Makrophyten) sind gute Zeiger des Gewässerzustands und werden zur Bewertung von Fliessgewässern herangezogen. Makrophytenbestände geben vor allem in Tieflandflüssen die Gesamtheit der einwirkenden Störungen und Beeinträchtigungen wieder.

Die Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) wurde als Aquariumpflanze aus Nordamerika eingeführt und ist heute ein invasiver Neophyt, der die einheimische Wasserflora verdrängen kann. Da sie weder von Fischen noch von Vögeln gefressen wird, kann sie rasch dichte Bestände ausbilden.

DK / CE

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Weiterführende Links

Literatur

  • Jungwirth Mathias et al.: Angewandte Fischökologie an Fiessgewässern, Facultas, Wien 2003.
  • Känel Barbara et al.: Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Fliessgewässer. Wasserpflanzen – Anleitung zur Probenahme. Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern 2009.
  • Krausch Heinz-Dieter: Farbatlas Wasser- und Uferpflanzen. Stuttgart 1996.
  • Küry Daniel: Wasserpflanzen – Besuch in einer versunkenen Welt, Sonderheft 3/14, Pro Natura Basel 2014.