Amsel

Der melodiöse und klare Amselgesang gehört in Stadt und Wald zu den ersten Frühlingsboten. In den Städten ist der Vogel heute so häufig, dass wir ihn uns nicht mehr wegdenken können. Es ist deshalb erstaunlich, dass erst in den 1870er-Jahren die ersten Amseln in Basel brüteten.



Amsel gegen Regenwurm

Das pechschwarze Amselmännchen mit dem gelben Schnabel und Liedring um die Augen ist wohl allen bekannt. Das Weibchen ist dunkelbraun gefärbt und besitzt einen braunen Schnabel. Die Amsel (Turdus merula) ernährt sich von Würmern, Insekten und Früchten, frisst aber auch verschiedenste Küchenabfälle. Bei der Nahrungssuche hüpft der Vogel beidbeinig über den Boden, bleibt kurz stehen, hält den Kopf schief und sucht die Umgebung nach Beutetieren ab. Plötzlich stösst er blitzschnell vor, der Kampf beginnt: Amsel gegen Wurm.

Von den gefressenen Früchten verdauen Amseln meist nur die saftigen Teile; Samen und Fruchthäute werden wieder ausgeschieden. Damit leistet die Amsel wichtige Dienste bei der Verbreitung ihrer Nahrungspflanzen.

Melodienreichtum

Zum Singen setzt sich die Amsel gerne an eine exponierte Stelle, so dass ihre Melodien weit hin zu hören sind. An Vielfalt und melodischem Reichtum wird ihr Gesang wohl höchstens von der Singdrossel oder der Nachtigall übertroffen, doch diese dringen nicht so weit in die Siedlungen vor. Wie bei allen Vögeln dient der Gesang als Markierung des Brutreviers durch die Männchen.

Scheuer Waldvogel zieht in die Stadt

Die Amsel war ursprünglich ein scheuer Waldvogel. Erst vor rund 150 Jahren siedelte sie sich auch in Städten an. Es wird angenommen, dass sich die ersten Amseln zwischen 1870 und 1880 in der Stadt Basel niederliessen. Die Basler zeigten sich damals wenig erfreut über die Einwanderung der Amseln, frassen sie doch Obst und Beeren aus den Gärten weg.

Bei dieser Entwicklung dürfte der Mensch aber unbewusst eine wichtige Rolle gespielt haben. In den Städten wurden mehr Gartenanlagen und Parks errichtet, und viele Leute begannen in den strengen Wintern damit, die Vögel zu füttern. So hatten die ganzjährig in der Stadt lebenden Vögel eine gute Überlebenschance und verloren allmählich ihre Scheu gegenüber den Menschen. Heute ist die Amsel ein charakteristischer Stadtvogel; die scheuen Waldamseln existieren aber weiterhin.

Genügsame Amsel

In der Region Basel ist die Amsel heute lückenlos verbreitet und gehört zu den häufigsten Vogelarten. Sie besiedelt fast alle Lebensräume, von Wäldern und Gebüschen über Feuchtgebiete und Hecken bis zu Gärten und Parks. Einzig von baum- und strauchlosen Feldern hält sie sich fern.

Bezüglich der Nistplätze ist die Amsel sehr anpassungsfähig: Sie brütet in Bäumen, Büschen, Kletterpflanzen und Mauerspalten, aber auch auf Fenstersimsen und Balkons. Die Brutzeit beträgt knapp zwei Wochen; nochmals so lange dauert es, bis die Jungen flügge sind. Die Amsel bleibt ganzjährig in Europa, teilweise zieht sie aber über kurze Strecken südwärts. Die Amsel ist in der Region nicht gefährdet; es sind keine Schutzmassnahmen erforderlich.

DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Blattner Martin und Kestenholz Matthias: Die Brutvögel beider Basel, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Liestal 1999.
  • Glutz von Blotzheim Urs (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Aula-Verlag, Wiesbaden 1988.
  • Ineichen Stefan und Ruckstuhl Max (Hrsg.): Stadtfauna – 600 Tierarten der Stadt Zürich, Haupt Verlag, Bern 2010.
  • Jäggi Monika: Basel aus der Vogelperspektive. Abwandern - wiederkommen - bleiben: von Stadtneulingen und Felsbrütern, Basler Stadtbuch 2011, Christoph Merian Verlag, Basel 2012.
  • Klausnitzer Bernhard: Ökologie der Grossstadtfauna, Gustav Fischer Verlag, Jena 1993.
  • Küry Daniel, Ritter Markus, Imhof Paul: Tierwelt der Region Basel, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2011.