Erdkröte – Kreuzkröte

Obwohl sich viele Leute vor Kröten aufgrund ihrer warzigen Haut ekeln, besitzen sie eine faszinierende Lebensweise: Junge Kreuzkröten entwickeln sich innert weniger Wochen vom Ei über die Kaulquappe zum vier bis elf Millimeter grossen Krötchen. Als Folge des Rückgangs geeigneter Feuchtlebensräume in der vom Menschen geprägten Landschaft haben die Bestände der Kreuzkröte und selbst der früher sehr verbreiteten Erdkröte abgenommen. Mit verschiedenen Massnahmen werden die Kröten heute spezifisch gefördert.



Hautdrüsen und waagrechte Pupille

Die Kreuzkröte (Bufo calamita) ist mit ihrer Körperlänge von vier bis acht Zentimetern deutlich kleiner als die verwandte Erdkröte. Sie hat sehr kurze Hinterbeine, so dass sie sich fast mäuseartig krabbelnd fortbewegt. Die Haut der Kreuzkröte ist braun-oliv marmoriert und oft mit rötlichen Warzen übersäht. Meist hat sie einen gelblichen Streifen auf der Rückenmitte, welcher ihr vermutlich zum Namen verholfen hat. Die Augen der Kreuz- und der Erdkröte haben eine waagrechte Pupille, die bei der Kreuzkröte von einer gelben, bei der Erdkröte von einer rötlich-orangen Iris umgeben ist.

Die Erdkröte (Bufo bufo) besitzt viele Hautdrüsen, wobei vor allem die wulstige Ohrdrüse hinter dem Auge auffällt. Bei unangenehmer Berührung sondert die Erdkröte aus dieser Drüse ein weissliches Sekret ab, welches die Schleimhäute ihrer Feinde reizt.

Gesellige Rufer

Ab April versammeln sich Gruppen rufender Kreuzkrötenmännchen an seichten Pfützen und locken bei Dämmerungsbeginn Weibchen an. Dank ihrer grossen Schallblase sind sie bis zu zwei Kilometer weit zu hören. Zum Rufen stützen sich die Kreuzkröten auf die Arme und Fingerspitzen und stehen so fast aufrecht am Gewässerrand. Erdkröten hingegen besitzen keine Schallblase und geben nur leise, metallische Laute von sich. Kreuzkrötenweibchen legen ihre zweireihigen Laichschnüre in flache Kleingewässer ab, die sich stark erwärmen. Da diese Tümpel immer wieder trocken fallen, fehlen darin die Fressfeinde der Kröten. Die Gelege mit einigen tausend Eiern werden vom Männchen sofort besamt.

Entwicklungsrekord

Bleibt das Wasser in den Tümpeln drei Wochen oder länger stehen, entwickeln sich aus den Kaulquappen vier bis elf Millimeter grosse junge Kreuzkrötchen. Trocknet der Tümpel vorher aus, endet der Fortpflanzungsversuch mit einem Totalverlust. Die Fortpflanzungsperiode der Kreuzkröten dauert bis in den August hinein, wobei immer andere Individuen anwesend sind. Die Männchen wechseln sich in mehreren Wellen ab, die Weibchen kommen meist nur für eine Nacht ans Gewässer. Tagsüber und ausserhalb der Fortpflanzungsperiode halten sich die Kreuzkröten in der Umgebung der Gewässer in Erdlöchern, zwischen Steinen und unter Brettern versteckt auf.

Im Huckepack zum Massenlaichplatz

Ende März / Anfang April ziehen die Erdkröten massenhaft zum Laichplatz an den Weiher oder See, an dem sie aufgewachsen sind. Auf dem Weg dorthin warten die deutlich kleineren Männchen auf die Weibchen. Sind diese in Reichweite, springen sie die Partnerin an und umklammern sie. Im Huckepack lassen sie sich den letzten Abschnitt zum Gewässer tragen. Dort ist während zwei bis drei Wochen ein Massenaufkommen von Erdkröten zu beobachten. Die Weibchen streifen eine zweisträngige Laichschnur ab, die Männchen besamen diese, worauf das Gelege schwimmend zwischen Wasserpflanzen und Ästen gesponnen wird. Schon kurz darauf brechen die erwachsenen Erdkröten auf eine bis drei Kilometer lange Wanderung zu ihrem Sommerlebensraum auf. Im Wald, in Hecken oder Gärten fressen sie Gliederfüsser und Regenwürmer. Zur selben Zeit schlüpfen die Kaulquappen. Sie bilden oft Schwärme und stossen bei Verletzungen einen Schreckstoff aus, der die Artgenossen zur Flucht vor dem Feind veranlasst. Im Winter vergraben sich die Erdkröten im Waldboden und warten auf wärmere Zeiten.

Erdkrötenpopulationen, die in kleinen, zeitweise austrocknenden Gewässern laichen, verhalten sich dagegen ähnlich wie Kreuzkröten: Die Laichzeit ist deutlich verlängert, und die kleinen Grüppchen von Männchen locken mit ihren leisen Rufen zu den geeigneten Tümpeln. Erdkröten werden erst mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif, die Weibchen suchen ihr Laichgebiet meist nur einmal im Leben auf. Wie verschiedene andere Amphibienarten können sie über 20 Jahre alt werden.

Kiesgrube als Ersatz für Auenlandschaft

In der Region Basel waren Kreuzkröten ursprünglich Bewohner der Auen tieferer Lagen mit ihren Kies- und Sandbänken. Heute leben sie fast ausschliesslich in vom Menschen gemachten Sekundärlebensräumen wie Kies-, Sand- und Lehmgruben, Steinbrüchen, Baustellen und Deponien. Diese Lebensräume sind gefährdet, weil sie entweder schnell verlanden und zuwachsen oder vom Menschen zugeschüttet und zerstört werden.

Die Kreuzkröte kommt deshalb heute in der Region Basel selten vor und ist stark gefährdet. Um die Art zu schützen, müssen bestehende Laichgebiete gesichert und offen gehalten werden. Zudem müssen neue feuchte Pionierflächen geschaffen werden. Grundsätzlich müssten wieder ursprüngliche Kreuzkrötenhabitate mit angestrebt werden. Dazu gehören Fliessgewässer mit genügend Raum und schwankendem Pegel, in denen auch für eine Reihe anderer Lebewesen ein Überleben gesichert wäre.

Die Erdkröte ist noch deutlich weiter verbreitet und auch in der Region Basel vielerorts anzutreffen. Dennoch sind auch ihre Bestände verletzlich. Da Erdkröten extrem standorttreu sind und die Besiedlung eines neuen Gebietes viel Zeit benötigt, gilt es, alle bestehenden Laichplätze zu schützen. Auf der Wanderung zum Laichplatz und von dort in die Landlebensräume sind Strassen eine grosse Gefahr für die langsamen Erdkröten und ihre Jungen. Um ihnen den Tod durch Überfahren zu ersparen, werden Amphibienzäune oder Amphibientunnel installiert.

DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Imbeck-Löffler, Paul (Leitung): Natur Aktuell. Lagebericht zur Situation der Natur im Kanton Basel-Landschaft im Jahr 1988. Verlag des Kantons Basel-Landschaft Liestal, 1989.
  • Ineichen Stefan und Ruckstuhl Max (Hrsg.): Stadtfauna – 600 Tierarten der Stadt Zürich, Haupt Verlag, Bern, 2010.
  • Küry Daniel, Ritter Markus, Imhof Paul: Tierwelt der Region Basel, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 2011.