Fuchs

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist der häufigste Wildhund Mitteleuropas. Seine Beziehung zum Menschen ist alt und vielseitig. Sie reicht vom geschmähten Hühnerdieb bis zum nützlichen Schermausjäger sowie vom Tollwutüberträger bis zum nächtlichen Besucher der Gärten am Stadtrand. In der Region ist er eines der häufigsten grossen Wildtiere. Dank seiner ausgesprochenen Anpassungsfähigkeit sind die Bestände im Siedlungsraum in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen.



Anspruchsloser Opportunist

Der Rotfuchs ist ein Allesfresser. Feldmäuse stellen vielerorts die wichtigsten Beutetiere dar. Je nach Lokalität können Kaninchen, Feldhasen oder verschiedene Vogelarten von Bedeutung sein. Füchse sammeln aber auch Regenwürmer, eine sehr energiereiche Nahrungsquelle, und fressen gerne Obst. Aas, zum Beispiel überfahrene Tiere, wird ebenfalls nicht verschmäht. Im Siedlungsgebiet machen Abfälle einen Grossteil der Fuchsnahrung aus. Auch an den Lebensraum stellt der Fuchs keine besonderen Ansprüche; man trifft ihn sowohl im Wald- und Grasland als auch im Siedlungsgebiet an.

Höhlenbewohner mit Familiensinn

Füchse legen typischerweise einen Bau im Erdreich an, der aus einer Hauptröhre und mehreren Fluchtröhren besteht. Allerdings werden teils auch einfache Unterstände wie Felsspalten angenommen. Füchse galten lange Zeit als Einzelgänger; heute weiss man jedoch, dass sie oft in Familiengruppen leben und ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen. Die Fähe – so nennen die Jäger den weiblichen Fuchs – gebärt nach etwa 50 Tagen Tragzeit vier bis sechs Jungtiere. Diese verlassen nach fünf Wochen erstmals den Bau. Der Rüde, der männliche Fuchs, beteiligt sich an der Jungenaufzucht und bringt Beute zum Bau. Die jungen Rüden verlassen im Herbst das elterliche Revier. Die jungen Fähen verbleiben teilweise bei den Elterntieren und helfen bei der Aufzucht der Jungtiere des nächsten Jahres. Der Aufbau der Sozialstruktur kann allerdings stark variieren und hängt auch vom lokalen Nahrungsangebot ab. Viele Jungfüchse sterben; nur wenige adulte Tiere werden älter als drei oder vier Jahre, während sie in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre leben können.

Zahmer Kulturfolger

Der Fuchs gehört wie der Wolf (und seine Zuchtform, der Hund) zur Überfamilie der Hundeartigen. Zum braven Hündchen konnte man den Fuchs freilich nie formen – im Gegenteil: Seit eh und je ist der Fuchs auf Distanz geblieben und hat sich als Kulturfolger etabliert. Obwohl in der Schweiz jährlich um die 30 000 Füchse geschossen und viele auf den Strassen überfahren werden, steigen die Bestände vor allem in Siedlungsnähe. Mittlerweile kommen Füchse wohl in den meisten europäischen Städten vor, wo sie neben dem reichen Nahrungsangebot die geringe Bejagung besonders schätzen. Stadtfüchse ernähren sich vor allem von Abfällen, und erst in zweiter Linie von der Jagd. Es kann also keine Rede mehr vom Fuchs als Gänsefresser sein, und als Hühnerdieb dürfte er die Landwirtschaft kaum an den Rand des Ruins treiben. Der Fuchs ist in der ganzen Region verbreitet. In Stadtrandgebieten hat er sich bestens eingerichtet. Das erfahren stets von neuem jene Anwohner, die ihren Müll am Vorabend der Kehrichtabfuhr vor das Haus stellen und am nächsten Morgen die Abfälle weit herum verstreut vorfinden.

Tollwut und Fuchsbandwurm

Fällt der Name Fuchs, so denken noch immer viele Menschen an die Tollwut. Dank langjähriger und breit gestreuter oraler Impfungen mit präparierten Futterportionen gilt die Schweiz heute aber als tollwutfrei. Der Fuchsbandwurm ist dagegen ein gefürchteter, weit verbreiteter Parasit, der beim Menschen zu einer lebensgefährlichen Erkrankung führt. Parasitierte Füchse scheiden Bandwurmeier über den Kot aus, die auf Gemüse- und Obstprodukte gelangen können. Allerdings ist das Risiko einer Infektion für den Menschen doch ziemlich gering. Die Infektionsrate ist mit etwa 10 Neuerkrankung pro Jahr in der Schweiz sehr niedrig.

Verhasst und geschätzt

Seit jeher ist der Fuchs bis in die Lebensbereiche der Menschen vorgestossen. Die populäre Wahrnehmung des Fuchses durch die Jahrhunderte als lästiger Schlaumeier resultiert in einer Fülle von Geschichten und Vorurteilen. Schon Conrad Gesner beschreibt den Fuchs als «listiges, bosshafftiges, fürwitziges und stinckendes Thier», «fast allen anderen Thieren aufsätzig.» Trotz Hass und Nachstellungen wurde er in der Fürstlichen Bayerischen Jagd- und Forstordnung von 1582 seiner Nützlichkeit wegen in Schutz genommen: Weil sie Feldmäuse und anderes Ungeziefer fressen, «… sol fuerderhin keinen die Fuechss anderer gestalt / als mit ordentlichen Jagen / Hetzen / Gruben / Selbstgeschossen und Schiessen / auch zu keiner andern Zeit im Jahr / weder allein von Sanct Michaelis Tag / biss auf Lichtmessen / weder zu jagen noch zu fahen zugelassen oder gestattet werden /…».

Sagenhafte Strafe

In der Sagenwelt ist der Fuchs freilich weniger vertreten, als man auf Grund seiner Reputation annehmen könnte. In den Baselbieter Sagen geistert ein Fuchs durch den Gemeindebann von Känerkinden: «Droben auf dem Hasenflüeli jagte vor Zeiten ein schmächtiges, dürres Jägerlein. Seine Lust und seine Freude bestanden darin, dass er Füchse fing, ihnen lebendig den Pelz vom Leibe zog und sie wieder laufen liess. Zur Strafe für sein frevelhaftes Tun fand er nach dem Tode keine Ruhe. Sobald sich das Wetter ändert, zeigt er sich beim Hasenflüeli, wo er den Füchsen nachjagt. Im Dörflein hört man dann die hohe kreischende Stimme des Jägers und das Geheul der gequälten Füchse, das einem durch Mark und Bein geht.»

DK / JS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Küry Daniel, Ritter Markus, Imhof Paul: Die Tierwelt der Region Basel. Friedrich Reinhardt Verlag, 2011.