Nase

Als Kurzdistanz-Wanderfisch schwimmt die Nase jeden Frühling aus dem Rhein zum Ablaichen in die Seitengewässer. In flachen und raschströmenden Bereichen versammeln sich hunderte von Fischen zum gemeinsamen Laichakt.



Weissfisch mit Charakternase

Mit einer Köperlänge von bis zu 55 Zentimetern und einem Gewicht von über einem Kilogramm war die Nase (Chondrostoma nasus) früher bei den Fischern begehrt. Seinen eigenartigen Namen hat der Fisch aufgrund seines stark unterständigen Mauls erhalten. Die Oberlippe ist vorgezogen zu einer langen «Charakternase».

Veganer unter den Fischen

Das Maul ist im Gegensatz zu anderen Fischen als breite Mundspalte ausgebildet und besitzt an Ober- und Unterlippe einen schaberartigen Hornüberzug. Damit kratzen die strengen Vegetarier Kiesel- und Fadenalgen von der Oberseite grosser Steine oder von Ufermauern ab. Aufgrund ihrer Körpergrösse müssen die Nasen grosse Mengen an Algen aufnehmen. Die Nahrungssuche ist deshalb eine ihrer Hauptbeschäftigungen. In geeigneten Weidegründen können teilweise grosse Schwärme beobachtet werden. Ein möglicher Beobachtungsort für fressende Nasen ist die Mauer am rechten Ufer unterhalb des Kraftwerks Birsfelden im Mai.

Übermütig wie Seejungfrauen

Zur Fortpflanzungszeit bildet sich bei beiden Geschlechtern am Kopf ein Laichausschlag in Form weisser «Pickel». Die Massenwanderung zu den Laichplätzen in den Seitengewässern des Rheins wurde früher als «Nasenstrich» bezeichnet und schon im 18. Jh. beschrieben. Die typischen Laichgebiete weisen eine Wassertiefe von 20 bis 30 Zentimetern auf und liegen auf rasch überströmten Kiesbänken, sogenannten «riffles». Diese Phase dauert je nach Wassertemperatur nur einen bis wenige Tage. Alle Tiere eines Bestandes laichen in der Regel zur gleichen Zeit, doch kann manchmal ein zweiter Laichzug vorkommen. Die Weibchen geben ihre bis zu 50 000 Eier portionenweise ab und dringen mehrmals in Schwärme von männlichen Fischen ein, die dabei die Eier befruchten. Von aussen betrachtet erinnert eine solche Laichgemeinschaft an eine übermütige Gruppe badender Seejungfrauen, wie wir sie von den Bildern Arnold Böcklins kennen.

Rückgang und neue Ausbreitung

Die Nase war im 16. Jh. einer der günstigsten Fische auf dem Markt. Sie muss deshalb sehr häufig gewesen sein. Es wird berichtet, dass die Fischer während des Nasenstrichs mit dem Anlanden und Ausnehmen der Fische bis in die Nacht beschäftigt waren. Ob jedoch die Nasen – wie der Volksmund sagt – früher als Dünger verwendet wurden, indem auf dem Kartoffelacker jeweils abwechslungsweise eine Nase und eine Kartoffel in die Ackererde gesetzt wurden, ist nicht belegt. Dies dürfte höchstens auf verdorbene Fische zutreffen, die nicht mehr verkauft werden durften.

Im 20. Jh. sind die Nasenfänge im Gegensatz zum Lachs stark zurückgegangen. Die Art war zwischenzeitlich fast ausgestorben und ist auf der Roten Liste der Schweiz als vom Aussterben bedroht eingestuft. Auch in Europa gilt die Art aufgrund des starken Rückgangs als streng geschützt. An der Wiese in Kleinhüningen hat sich über viele Jahrzehnte der grösste Laichplatz der Nasen in der Schweiz erhalten, an dem sich jährlich mehrere hundert Tiere einfinden. Seit etwa 2005 ist auch im Unterlauf der Birs wieder ein Nasenstrich zu beobachten.

Revitalisierung hilft dem Nachwuchs

Die Nase hat ähnliche Ansprüche an die Fortpflanzungsgebiete wie der Lachs und kann deshalb als Indikator für den Erfolg der im Rahmen des Programms Lachs 2020 geschaffenen Lebensraumverbesserungen verwendet werden. Während in vielen Laichplätzen der übrigen Schweiz die Bestände weiterhin zurückgehen, nimmt die Art in der Region Basel wieder zu.

Neuere Beobachtungen von überwinternden Nasen im Altrhein sowie von wandernden und ablaichenden Tieren im neu revitalisierten Unterlauf der Birs und in der Wiese zeigen, dass die Zeiten des «Nasenstriches» noch nicht vorbei sind. Ein wichtiger Beitrag zur Wiederausbreitung dieses bedrohten Kieslaichers sind Massnahmen, welche die Flüsse in Längsrichtung durchgängig machen und die Entstehung von geeigneten Kiesbänken für die Fortpflanzung ermöglichen.

DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Zbinden Stéphane et al.: Monitoring der Nase (Chondrostoma nasus) in der Schweiz. 1995-2004. Populationen von nationaler Bedeutung. Mitteilungen zur Fischerei Nr. 82. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 2005.