Schmetterlinge

Die Schmetterlinge sind wohl die bekannteste und beliebteste Insektengruppe. Die «Summerveegel» begeistern durch ihre Farbenpracht, sind aber als Folge des Lebensraumverlusts im Bestand bedroht. Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Schmetterlinge sind vor allem Aufwertungen der Lebensräume. Ein Schmetterling hat auch als Nutztier Karriere gemacht: der Seidenspinner.



Faszinosum Falter

Die Schmetterlinge (Lepidoptera, Schuppenflügler) werden entsprechend ihrer Flugaktivität in Tag- und Nachtfalter eingeteilt. Im Volksmund werden die in der Schweiz 201 Arten zählenden Tagfalter wegen ihrer Flugzeit auch «Summerveegel» genannt. Sie faszinieren jedoch nicht nur wegen ihrer bunten Farben und ihres flatterhaften Flugverhaltens.

Einige sind auch wahre Rekordhalter. Distelfalter können Distanzen von über 2000 Kilometer zurücklegen und fliegen mit einer Reisegeschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde von Afrika nach Mitteleuropa. Das zu den Nachtfaltern gehörende Taubenschwänzchen sucht im Schwirrflug und mit langem Saugrüssel Blüte für Blüte ab und kann auch mitten in der Siedlung beobachtet werden. Eine besondere Ausbildung sind Duftschuppen, die chemische Lockstoffe absondern. Weibchen können mit solchen Pheromonen über kilometerweite Distanzen Männchen anlocken.

Zusammengesetzter Lebensraum

Zahlreiche Schmetterlingsarten absolvieren ihren Lebenszyklus in einem Komplex unterschiedlicher Biotope. Sie können Trockenrasen, Wiesen, Feuchtgebiete, Parks, Ruderalflächen, Gärten oder auch Gebirgslebensräume besiedeln. Wichtig ist das Vorkommen spezifischer Futterpflanzen für die Raupen, denn etliche Arten sind Nahrungsspezialisten. Zahlreiche Frassgäste leben aber auch im Wald und ernähren sich von Gehölzen wie Eiche, Salweide, Pappeln, Birken, Schlehe oder Rosen. Oft finden die erwachsenen Falter ihre Nektarnahrung in anderen Lebensräumen. Damit der Lebenszyklus erfolgreich abgeschlossen werden kann müssen Raupen- und Falterlebensräume in erreichbarer Distanz zueinander liegen.

Falterreiche Lebensräume

Das trockenwarme Klima der Region Basel ermöglicht die Entwicklung einer vielfältigen Grossschmetterlingsfauna. Zu den wichtigsten Tagfalter-Lebensräumen mit einigen sehr seltenen Schmetterlingsarten gehören die im Laufental und im Kettenjura noch zahlreich vorhandenen Magerrasen. Aufgrund der trockenen Verhältnisse und der Nährstoffarmut im Boden kommt hier eine grosse Vielfalt an Krautpflanzen vor. Diese wiederum sind die Nahrungsgrundlage für die Entwicklung zahlreicher Schmetterlingsarten. Auch in Feuchtgebieten oder Wäldern bildet ein vielfältiges Mosaik von Kleinlebensräumen die Basis für die artenreiche Falterfauna.

Rückgang der Sommervögel

Der Verlust geeigneter Lebensräume und ein Rückgang der Futterpflanzenvorkommen sind die wichtigsten Gefährdungsursachen für die Schmetterlinge. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Ausräumung der Landschaft ist die Zahl der Arten seit Mitte des 20. Jh. stark zurückgegangen, aber auch durch die Zerstückelung der Lebensräume. Auswertungen des Naturinventars im Kanton Basel-Stadt zeigten, dass in grossflächigen Lebensräumen deutlich mehr Tagfalterarten leben als auf kleinen Flächen.

Auch die Folgen des Klimawandels werden als Ursachen diskutiert. Der Kohlendioxidanstieg und der Temperaturanstieg haben zu einer grösseren Produktion von Stärke und einem Rückgang des Stickstoffgehalts in den Pflanzen geführt. Dies hat die Qualität der Raupen- und Falternahrung verändert. Zudem hat sich die Flugperiode der Tagfalter innerhalb der letzten 130 Jahre um rund 8 Tage vorverschoben.

Schutz und Förderung

Um einen weiteren Artenschwund zu vermeiden, müssen grosse zusammenhängende Schmetterlingslebensräume wie Magerrasen, Feuchtgebiete und Heckenlandschaften erhalten bleiben. Lebensräume mit einem hohen Anteil an Ruderalflächen wie Kiesplätze oder Wegränder im Umkreis von 200 m werden von mehr Arten der Roten Liste besiedelt als isolierte Gebiete. Zum Schutz und zur Förderung der Tagfalter müssen deshalb der Biotopverbund verbessert und die Strukturvielfalt von naturnahen Landschaftselementen erhöht werden. Aktionen wie die Förderung von Böschungen durch Pro Natura Baselland fördern ebenfalls die Schmetterlingsbestände.

Schmetterlinge als Nutztiere

Zusammen mit der Honigbiene ist der Seidenspinner (Bombyx mori) das wichtigste Insekt, das vom Menschen zum Nutztier gemacht wurde. Weder der erwachsene Falter noch seine Raupe würden einen Schönheitswettbewerb gewinnen. Das Produkt des Seidenspinners hingegen hat wohl schon mancher Schönheitskönigin zu ihrem Titel verholfen. Die Larven des ursprünglich aus China stammenden Nachtfalters ernähren sich ausschliesslich von Blättern des Maulbeerbaums (Morus alba) und verpuppen sich, indem sie aus einem Spinnsekret einen Kokon bauen. Dieser besteht aus einem einzigen Seidenfaden, der nach dem «Ernten» der Kokons sorgfältig abgewickelt wird.

Schmetterling als Geburtshelfer der Pharmaindustrie

Der Produzent der wertvollen Seide wurde auch in der Region Basel gezüchtet, um den wertvollen Faden gewinnen und gleich vor Ort zu wertvollen Stoffen verarbeiten zu können. Davon zeugen wenige Restbestände der früher für die Posamenterei genutzten Maulbeerbäume aber auch alte Bezeichnungen wie die Maulbeerstrasse in Basel. Zur Seidenbandindustrie gehörten auch die in Basel zahlreich gegründeten chemischen Fabriken, aus denen die heutigen Pharmakonzerne entstanden sind. Kürzlich wurde die Zucht der Seidenraupen im Baselbiet wieder aufgenommen.

Martin Schweizer/DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Altermatt Florian, Fritsch Dieter, Huber Werner, Whitebread Steven: Die Gross-Schmetterlingsfauna der Region Basel, Entomologische Gesellschaft Basel, 2005.
  • Bellmann Heiko, Kosmos Schmetterlingsführer. Schmetterlingsführer mit Raupen und Futterpflanzen. 3. Auflage 2016.
  • Bühler-Cortesi, Thomas: Schmetterlinge –Tagfalter der Schweiz. Bern 2009.
  • Bundesamt für Umwelt (BAFU): Rote Liste der Tagfalter und Widderchen, Bern 2014. (download)
  • Ebert Günter: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1&2. Stuttgart 1991.
  • Pro Natura, Schmetterlinge und ihre Lebensräume. Arte, Gefährdung, Schutz. 3 Bände, Basel Pro Natura, 1987–2000.
  • Stresemann Erwin Exkursionsfauna (Wirbellose). Berlin. 1986.
  • Weidemann Hans-Josef: Tagfalter Band 1: Entwicklung-Lebensweise. Neumann-Neudamm JNN-Naturführer. 1986.
  • Weidemann Hans-Josef: Tagfalter Band 2: Biologie-Oekologie-Biotopschutz. Neumann-Neudamm JNN-Naturführer. 1988.