Ackerbau

Ackerflächen werden jährlich mit dem Pflug bearbeitet, zur Saat vorbereitet und mit Feldfrüchten bestellt. Äcker liefern der Bevölkerung seit Jahrhunderten das tägliche Brot, seit rund 50 Jahren in vermehrtem Umfang via Tierfütterung auch das tägliche Fleisch.



Von der Dreizelgenwirtschaft zur industrialisierten Landwirtschaft

Im ausgehenden Mittelalter wurde Ackerbau als zelgengebundene Dreifelderwirtschaft betrieben, bei der die gesamte Ackerfläche einer Dorfgemeinschaft in drei Grossfelder (Zelgen) unterteilt war. Auf den einzelnen Zelgen wurde zwischen Sommergetreide, Wintergetreide und einer Brachfläche im jährlichen Rhythmus gewechselt, dazwischen war auch Weidegang möglich. Diese strenge Ordnung wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. allmählich durchbrochen, indem vor allem auf der Brachzelge andere Kulturpflanzen als Getreide angebaut wurden. Um 1800 wurde die Dreifelderwirtschaft weitgehend aufgegeben. An ihre Stelle trat ein Ackerbau, bei dem jeder Landwirt ohne Flurzwang selbst bestimmen konnte, was er anbauen wollte.

Die Viehwirtschaft gewann an Bedeutung. Das Vieh wurde teils ganzjährig im Stall gehalten, wodurch vermehrt Hofdünger ausgebracht werden konnte. Dank der verbesserten Düngung, wurden zeitweise sogar Matten (bewässerte Wiesen) unter den Pflug genommen, in Ackerland umgewandelt und später wieder in Matten zurückgeführt. Die Fruchtfolge zwischen Getreide, Hackfrüchten und Futterbau wurde stets berücksichtigt.

Zu Beginn des 20. Jh. konnten die Erträge im Ackerbau durch verbesserte Fruchtfolge und den Einsatz der ersten Mineraldünger enorm gesteigert werden. Güterzusammenlegungen vergrösserten die Ackerflächen, die zuvor durch Erbteilungen immer kleiner geworden waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine beispiellose Ertragssteigerung auf den Ackerböden ein, die durch Mechanisierung, Düngung und den Einsatz von chemischen Hilfsstoffen (Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden) ermöglicht wurde. Elemente der traditionellen Kulturlandschaft wie Hecken oder Lesesteinhaufen wurden im Zuge der industriellen Landwirtschaft beseitigt. Ein Richtungswechsel setzte erst in den 1980er- und 1990er-Jahren ein, als mit ökologischen Ausgleichsmassnahmen versucht wurde, Gegensteuer zu geben.

Feldfrüchte und Ackerflächen im Wandel der Zeit

In der Dreifelderwirtschaft waren Dinkel, auch einfach Korn genannt, als Wintergetreide und Hafer als Sommergetreide die beiden wichtigsten Feldfrüchte der Region. Diese sind anspruchslos in Bezug auf die Standortbedingungen. Sie bildeten die Grundlage der Ernährung; Hafer konnte auch zur Pferdefütterung verwendet werden. Auch die Getreidearten Einkorn, Emmer, Roggen und Gerste wurden angebaut. Das Baselbiet war in der frühen Neuzeit nie Getreideselbstversorger, so dass auf den Kornmärkten – insbesondere aus dem Fricktal und dem Elsass – Getreide zugekauft werden musste.

Erst zu Beginn des 18. Jh. tauchte der Weizen auf, die heute wichtigste Getreideart. Im selben Jahrhundert wurde die Brachzelge oft mit Futterpflanzen wie Klee oder Luzerne, mit Rüben und gegen Ende des 18. Jh. dann zunehmend mit Kartoffeln als Hackfrucht bebaut. Im 19. Jh. gewann die Kartoffel für die Ernährung der Bevölkerung stark an Bedeutung. Daneben wurden Ackerflächen mit Runkelrüben (Durlips), Weissen Rüben und im unteren Baselbiet mit Raps (Lewat) bebaut. Vielerorts konnten die Faserpflanzen Hanf und Flachs angetroffen werden. Eisenbahn und Industrie führten in der zweiten Hälfte des 19. Jh. dazu, dass unrentable Produktionszweige wie der Anbau von Getreide zurückgingen und vermehrt auf Milch- und Viehwirtschaft gesetzt wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges erlebte der Ackerbau eine gewaltige Flächenausdehnung. Der so genannte Plan Wahlen bewirkte, dass die Ackerfläche massiv zunahm und auch kleinste Flächen bis ins Siedlungsgebiet beispielsweise mit Kartoffeln bebaut wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte die Ausdehnung der Siedlungsflächen den Ackerflächen mehr und mehr Konkurrenz. Gleichzeitig stiegen aber bei allen Kulturen die Hektarerträge durch den Einsatz von Kunstdüngern. Ab 1960 wurde Mais dank Anpassungen der Maishybriden an das regionale Klima zur wichtigsten Ackerpflanze. Sie wird praktisch vollständig zu Tierfutter verarbeitet. Von der gesamten Ackerfläche der Region ist heute ein grosser Teil mit Mais bebaut.

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Literatur

  • Borcherdt Christoph et al.: Die Landwirtschaft in Baden und Württemberg, Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 1985.
  • Epple Ruedi, Schnyder Albert: Wandel und Anpassung, die Landwirtschaft des Baselbiets im 19. Jahrhundert, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1996.
  • Fridrich A.C., Epple R., Schnyder A.: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Band 3 und 5, Liestal 2001.
  • Schröder Ernst-Jürgen: Landwirtschaft in der RegioTriRhena, Regio Basiliensis 48/3, 2007.