Fettwiesen

Fettwiesen sind ertragreiche Grünlandflächen, die stark gedüngt werden. Sie werden meist mehrmals im Jahr gemäht und dienen der Viehfutterproduktion. Intensive genutzte Fettwiesen sind als Lebensraum nicht gefährdet. Die nur mässig gedüngten extensiven Blumenwiesen sind jedoch zusehends der Intensivierung der Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Mit der Einführung von Silage-Futter hat die Artenvielfalt der Wiesen in den letzten Jahrzehnten weiter abgenommen.



Kulturlandschaftselement Fettwiese

Fettwiesen entstehen durch menschliche Bodenverbesserungsmassnahmen und sind Elemente der traditionellen Kulturlandschaft. Standorte von Fettwiesen sind meist fruchtbare Böden, deren Produktivität durch Düngung erhöht wird. Für die Erhaltung der Fettwiesen ist regelmässige Mahd erforderlich, da sonst Verbuschung und Waldbildung einsetzen würde. Der Aspekt der Fettwiesen ist charakterisiert durch dichten Graswuchs, wobei schnell wachsende Arten dominieren.

In den extensiven Wiesentypen kommen viele Kräuter vor und schaffen so blumenreiche Landschaftselemente. Da diese Blumenwiesen auch viele Tierarten beherbergen, sind sie aus Sicht des Naturschutzes sehr wertvoll.

Optimal angepasste Pflanzenarten

Typische Fettwiesenarten investieren hauptsächlich in die Entwicklung von Blättern und Sprossen. Dies erhöht die photosynthetische Aktivität und ermöglicht ein rasches Wachstum. Arten, die einen grösseren Teil ihrer Energie auf die Entwicklung von Wurzeln und die Abwehr von Pflanzenfressern verwenden, werden hingegen zurückgedrängt. Die Konkurrenzvorteile der rasch wachsenden Pflanzen gehen allerdings auf Kosten der Abwehrmechanismen gegen Tierfrass und der Anpassung an trockene Verhältnisse; typische Fettwiesenarten können sich daher nur auf Böden mit ausreichendem Wasser- und Nährstoffangebot durchsetzen.

Fettwiesen und Fettweiden

In der Region Basel werden zwei Typen unterschieden: Die Talfettwiese (Fromentalwiese) und die Talfettweide (Kammgrasweide). Die Fromentalwiese (pflanzensoziologisch: Arrhenatherion) hat ihren Namen von der dominierenden Pflanze, dem Glatthafer (= Fromental, Arrhenatherum elatior) und gilt als häufigste Wiesengesellschaft Mitteleuropas. Sie gedeiht auf nährstoffreichen, feuchten, neutralen bis leicht sauren Böden – meist Braunerden – und in Höhen bis 1000 m ü. M. Die Talfettweide (Kammgrasweide, pflanzensoziologisch: Cynosurion) gedeiht auf nährstoffreichen und gut drainierten Böden. Sie kommen bis auf eine Höhe von etwa 1500 m ü. M. vor, werden gedüngt und sind damit ertragreich. Die Vegetation ist an die regelmässige Trittbelastung durch das Weidevieh angepasst. Von der Fromentalwiese wird die Kammgrasweide vor allem floristisch unterschieden. Das Kammgras (Cynosurus cristatus) dominiert, während Glatthafer und Goldhafer (Trisetum flavescens) zurücktreten.

Besonderheiten der Beweidung

Die dominierenden Arten bilden unterirdische Ausläufer. Infolge der Beweidung besitzt der Bestand einen ungleichmässigen Aspekt; an gewissen Stellen wuchern Grasbüschel, an anderen ist der Graswuchs kaum ausgeprägt oder durch Tritt und Frass eingeschränkt worden. Dieser Eindruck wird durch das Relief meist noch verstärkt. Grundsätzlich hängt die Gestalt sehr von der Intensität der Beweidung ab. Obwohl die Fettweiden tendenziell artenarme Lebensräume sind, kommen vor allem in Beständen der höheren Lagen des Juras bis zu 40 oder 50 Pflanzenarten vor.

Wechselvoller Aspektwandel

Da Fettwiesen mehrmals jährlich gemäht werden, ergeben sich im Jahresverlauf verschiedene Vegetationsphasen. Im Frühling dominieren vor allem gelb blühende und im Sommer vor allem weiss blühende Arten. Da auf der Fromentalwiese starke Lichtkonkurrenz herrscht, haben kleinwüchsige Arten nur geringe Entwicklungschancen. Eine übliche Nutzungsstruktur sieht eine zweimalige Mahd und daneben eine Weidenutzung vor; häufigere Mahd führt zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt. Die häufige Mahd und das Abführen des Schnittgutes entziehen dem Boden Nährstoffe, die durch Düngung wieder zugeführt werden müssen, da sonst die Produktivität sinkt.

Rückgang von Margerite und Wittwenblume

Gesamtschweizerisch lässt sich ein deutlicher Rückgang blumenreicher Fromentalwiesen feststellen; dies ist vor allem auf die Umnutzung der Flächen zur Produktion von Silofutter zurückzuführen. Mit der Intensivierung werden Arten wie die Margerite (Leucanthemum vulgare), die Wittwenbume (Knautia arvensis) oder der Wiesensalbei (Salvia pratensis) zurückgedrängt. Auch Arten leicht feuchter Böden wie der Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) sind selten geworden. Für die Talfettweide stellt die Umwandlung in Kunstwiesen, die sich zur Herstellung von Silofutter eignen, eine grosse Bedrohung dar. Generell sind Fettwiesen und -weiden widerstands- und regenerationsfähig und lassen sich mit einer Reduktion der Düngung gut fördern.

Artenarme Tierwelt

Die Tierwelt der Fettwiesen ist im Vergleich zu Magerasen weniger artenreich. Dies ist auf eine geringere Anzahl Pflanzenarten und den aufgrund der hohen Mäh- und Weidebelastung reduzierten Strukturreichtum zurückzuführen. Die tierische Biomasse in Fettwiesen ist jedoch höher als in Magerrasen, weil das Futterangebot aufgrund der produktiveren Verhältnisse generell höher ist. Für Räuber wie zum Beispiel insektenfressende Vögel sind Fettwiesen als Futterquellen indes sehr interessant.

DK / MS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Delarze Raymond und Yves Gonseth: Lebensräume der Schweiz. Ökologie – Gefährdung – Kennarten, Bern 2008.
  • Marschall Franz: Die Goldhaferwiese (Trisetetum flavescentis) der Schweiz. Eine soziologisch-ökologische Studie, Bern 1947.
  • Nowak Bernd und Bettina Schulz: Wiesen. Nutzung, Vegetation, Biologie und Naturschutz am Beispiel der Wiesen des Südschwarzwaldes und Hochrheingebietes, Heidelberg – Ubstadt-Weiher – Basel 2002.