Obstbau

Nach einer steten Zunahme des Obstbaues über Jahrhunderte hinweg, wurde der Bestand an traditionellen Hochstammbäumen ab 1950 dramatisch dezimiert. Damit wurde ein prägendes Landschaftselement der Region verändert, das auch ökologische Konsequenzen hat, insbesondere für die Vogelwelt.



Zunehmende Bedeutung des Obstbaues

Es ist den Römern zu verdanken, dass in Mitteleuropa vor 2000 Jahren bereits eine Vielfalt verschiedener Obstarten angebaut wurde. Zwar sind einige wie die Süsskirsche bei uns als Wildpflanzen heimisch, sie fanden aber bei den hier lebenden Kelten keine Beachtung. Ihre Sesshaftigkeit war noch nicht so weit fortgeschritten, als dass sich der Anbau von Bäumen lohnte, die erst nach einem Jahrzehnt Früchte trugen. Im Mittelalter waren die Siedlungen ortsfest genug, so dass es sich anbot, ausserhalb der Dreifelderwirtschaft Obstgärten anzulegen. Die Klöster trugen mit Wissen und Techniken zur Förderung des Obstbaues bei.

Grössere Bedeutung kam dem Obstbau aber erst mit der beginnenden Neuzeit zu. Als Folge stark zunehmender Gewerbeaktivitäten wurde die Trinkwasserqualität immer schlechter, weshalb Wein und Most eine willkommene Alternative waren. Die Vergärung machte die Getränke haltbar und die Wirkung des Alkohols förderte zudem den Konsum. Man ass das Obst aber auch roh, als Mus, als Brei oder als Schnitze gedörrt, was der Baselbieter Landbevölkerung den Schimpfnamen «Schnitzesser» eintrug.

Der Obstbau hatte im 19. Jh. die grösste Bedeutung gewonnen, insbesondere der Kirschenanbau im grossen Stil war eine Erscheinung dieser Zeit. Das Baselbiet und das Schwarzbubenland gehörten zu den bedeutendsten Anbaugebieten der Schweiz. Dörrfrüchte und Schnaps fanden guten Absatz in der Stadt Basel, aber auch im Elsass. «Am meisten wurden Apfel-, Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäume gepflanzt, und zwar in solcher Dichte, dass man von Obstbaumwäldern sprechen könne» schrieb Johannes Kettiger 1857. Dieses Bild hatte bis in die 1950er-Jahre als so genannter Streuobstbau Bestand und ist auf vielen Fotografien von Theodor Strübin zu sehen.

Der Niedergang des Hochstammes

Ab 1950 setzte eine Entwicklung ein, die in den darauffolgenden 50 Jahren die Hochstammobstbäume um rund 80% dezimiert hat. Durch den regen Schnapskonsum wurde der Alkoholismus zu einem ernsthaften Problem der Volksgesundheit. Deshalb wurde 1932 ein Gesetz über die gebrannten Wasser (Alkoholgesetz) und gestützt darauf 1955 ein Bundesratsbeschluss über Umstellungen im Obstbau erlassen. Von der Alkoholverwaltung wurde eine Prämie für jeden gefällten Hochstamm entrichtet. Zudem standen die zerstreut stehenden Obstbäume der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft im Weg und behinderten die Heuproduktion zwischen den Bäumen. Das Konsumverhalten der Bevölkerung änderte sich weg vom Apfel- und Birnenmost hin zu künstlichen Süssgetränken und Orangensaft. Der Preis für Mostobst ging zurück, was die Hochstämme noch unrentabler machte.

Im Trend lagen Niederstammanlagen, die auf wenig Raum einen hohen Ernteertrag garantierten und effizient und ohne Gefahr zu ernten sind. Seit 1999 wird eine Ökoprämie für die Pflege eines Hochstammobstbaums ausbezahlt. Trotzdem ist die Zahl der Hochstämme rückläufig. Seit 1989 wütet der Feuerbrand, eine eingeschleppte Bakterienkrankheit aus den USA, die für das Kernobst sehr gefährlich ist.

Der Obstgarten als Lebensraum

Obstgärten sind kleinere oder grössere Ansammlungen von hochstämmigen Obstbäumen auf Wiesen und Weiden. Sie bieten ganz besonders jenen Vogelarten einen Lebensraum, die offene Gartenlandschaften bevorzugen. Obstgärten dienen diesen Vögeln zur Nahrungssuche, als Nistmöglichkeit, Sitzegelegenheit oder sicheren Unterschlupf. Niederstammkulturen bieten diesbezüglich keinen Ersatz, was einige Vogelarten wie den Wiedehopf aus der Region verschwinden liess. Daneben sind Obstgärten für Fledermäuse und Insekten wertvoll. Obstgärten gestalten das Mikroklima wesentlich ausgeglichener in Bezug auf Wind, Temperatur und Feuchtigkeit. Neben all diesen ökologischen Faktoren tragen Hochstammbäume wesentlich zur Ästhetik des Landschaftsbildes bei.

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Weiterführende Links

Literatur

  • Epple Ruedi, Schnyder Albert: Wandel und Anpassung, die Landwirtschaft des Baselbiets im 19. Jahrhundert, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1996.
  • Ewald Klaus, Klaus Gregor: Die ausgewechselte Landschaft (S. 151), Haupt Verlag, Bern 2009, S. 151-157.
  • Imbeck Paul: Natur aktuell (Kapitel 2.1.10), Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1989.
  • Kettiger Johannes: Landwirtschaftliche Zustände in Basel-Land, Neuausgabe Birmann-Stiftung der Ausgabe Liestal (Lüdin 1857), Sissach 1984.

Tabellen und Diagramme



Quellen: Schweizer Obstverband und Eidgenössische Obstbaumzählung, 1951-1991, Bundesamt für Statistik