Eichen-Hagebuchenwald

Der mehrstufige und artenreiche Eichen-Hagebuchenwald zeichnet sich als besonders hoch organisierte Lebensgemeinschaft aus. Dickstämmige Eichen bilden darin das obere Baumstockwerk, die schlankeren schattenverträglichen Hagebuchen das untere.



Die Rolle des Menschen

Im Eichen-Hagebuchenwald wachsen die dünnen, unregelmässig geformten Stämmchen der Hagebuchen einträchtig neben den mächtigen Pfeilern alter Eichen. In diesem Laubmischwald stehen die Hagebuchen buchstäblich im Schatten der höhergewachsenen Eichen. Der zweistufige Aufbau eines Mittelwaldes wird hier deutlich sichtbar. Diese im 19. Jh. und früher betriebene Waldbewirtschaftung förderte aktiv die Eiche mit ihrer vielseitigen Verwendbarkeit als Bau- und Möbelholz sowie zur Schweinemast. Dank ihres Stockausschlags bildete die Hagebuche die Hauptmasse der Bäume im Mittelwald. Sie wurde vorwiegend als Brennholz verwendet. Dabei wurden «störende» Hagebuchen ausgeforstet. Heute steht die Brennholzgewinnung im Eichen-Hagenbuchenwald im Vordergrund. Das dabei anfallende Hagebuchenholz wird zu Hackschnitzel verarbeitet und für die lokalen Holzheizanlagen verwendet.

Ausserordentlich hohe Biodiversität

Neben den beiden Baumarten, die diesem Wald den Namen geben, finden sich weitere Bäume eingestreut. Während die Linden nur die Wuchshöhe der Hagebuchen erreichen, stossen Kirschbäume und Eschen bis zu den Eichenkronen vor. Auch Elsbeerbäume und Feldahorne gehören ins Bild eines Eichen-Hagebuchenwaldes. Das rasch abbaubare Laub der Hagebuche begünstigt eine artenreiche, dichte Krautschicht. Im Vorfrühling beginnen die Buschwindröschen zu blühen, es folgt unter anderem Erdbeerfingerkraut, Waldveilchen, Waldmeister und Goldhahnenfuss. Weil die Eichen nach ihrem Laubaustrieb relativ lichtdurchlässige Kronen aufweisen, kann sich die Krautschicht während der ganzen Vegetationszeit weiter entfalten. Das rosaweiss blühende Immenblatt wird vom Waldlabkraut und verschiedenen Grasartigen wie dem Hainrispengras oder dem Verschiedenblättrigen Schwingel abgelöst.

Für viele Tierarten sind bezüglich der Besiedlung von Lebensräumen weniger das floristische Gefüge als vielmehr bestimmte räumliche Strukturen entscheidend. Das Nebeneinander von hohem zu niedrigem Baumbestand kann für die Besiedlung im Eichen-Hagebuchenwald genau so eine Rolle spielen wie das dichte Unterholz. Man findet in diesem Wäldern zum Beispiel viele holzbewohnende Käfer, deren Larven unter der Rinde leben, Schnellkäfer oder den Grossen Eichenbock. Die Raupen von Tag- und Nachtfaltern sind Untermieter des Eichenlaubes, wo sich auch Zikaden, Wespen, Wanzen, Hornissen und spezielle Spinnen aufhalten. Besonders zu erwähnen bleibt der seltene Mittelspecht, der seine Insektennahrung hauptsächlich in der groben Borke alter Eichenbäume findet.

Eichen-Hagebuchenwälder der Region

Natürliche Eichen-Hagebuchenwälder finden sich in der Region um Basel auf der Birsterrasse zwischen Reinach und Münchenstein und den Langen Erlen zwischen Basel und Riehen. Auch im Sundgau und in der Rheinebene kommen solche Wälder vor. Die Eichen werden oft für Bauzwecke eingesetzt. Davon zeugen die vielen Riegelhäuser dieser Gegend. Strukturreich und füllig aber dennoch locker, weil Eichen viel Licht durchlassen, sind auch die weiter südlich in Allschwil, Muttenz und auf dem Bruderholz gelegenen Eichen-Hagebuchenwälder. Sie alle dürften auf die im 19. Jh. betriebene Mittelwaldbewirtschaftung zurückgehen.

EB

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Weiterführende Links

Literatur

  • Burnand Jacques, Hasspacher Beate: Waldstandorte beider Basel, Verlag des Kantons BL, Liestal 1999.
  • Ellenberg Heinz: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Ulmer Verlag, Stuttgart 1996.
  • Lüthi Roland: Basler Naturführer, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2010.
  • Lüthi Roland: Unterbaselbiet und Laufental – Natur im Baselbiet Heft 9, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2003.

  • Steiger Peter: Wälder der Schweiz, hep verlag ag, Bern 2010.