Flaumeichenwald

In den tieferen Lagen der Region ist die Buche die natürlicherweise vorherrschende Waldbaumart. An trockenen und warmen Felsstandorten kann sich allerdings eine gänzlich andere Waldgemeinschaft entwickeln, in der die Buche fehlt. Die trockenen Waldtypen machen nur wenige Prozente der gesamten Waldfläche aus, sind aber ökologisch sehr vielseitig und beherbergen eine grosse Anzahl seltener Tier- und Pflanzenarten.



Sonnige Lage

In tieferen Lagen des Juras kommen Felsformationen vor, die terrassenartige Köpfe und Flanken bilden. Sind diese südlich exponiert, steigen die Temperaturen durch die intensive Sonneneinstrahlung deutlich über die Werte der umliegenden Flächen. Die Böden über dem Kalkgestein sind flachgründig und weisen wenig humosen Oberboden auf (Bodentyp: Rendzina). Regenwasser versickert rasch im felsigen Untergrund, und im Sommer trocknet der Boden stark aus. Durch den Kalk ist der Boden basisch. Diese ökologischen Standortfaktoren bieten einem speziellen Waldtyp die optimale Lebensgrundlage: dem Flaumeichenwald.

Flaumeichenwälder sind im Übergangsbereich zum Mittelmeerraum verbreitet und in der Schweiz vor allem im Rhonetal und am Jurasüdhang anzutreffen. In der Region bilden sie an Wärmelagen ihr nördliches Vorkommen. Der Flaumeichenwald ist niederwüchsig und besitzt ein südliches Flair. Er ist wärmeliebend und erträgt unter den heimischen Laubwäldern am meisten Trockenheit. Werden die Bedingungen noch trockener und die Böden noch felsiger, gedeiht im Jura nur noch die Waldföhre als lückiger Föhrenwald der Kuppenlagen. Der Flaumeichenwald weist einen offenen Charakter auf und wird an den Felskanten durch einen Gebüschmantel mit wärmeliebenden Sträuchern abgelöst. Werden die Felshangpartien noch steiler, sind sie mit einem Felsrasen aus Blaugras (Sesleria caerulea) und der Niedrigen Segge (Carex humilis) bewachsen.

Die namengebende Charakter-Baumart ist die Flaumeiche (Quercus pubescens), ein niederwüchsiger, knorriger Baum mit rissiger Borke, dessen Stammdurchmesser lediglich 10 bis 20 Zentimeter und dessen Baumhöhe auf felsigem Untergrund meist nicht mehr als vier bis acht Meter beträgt. Meist wächst im Flaumeichenwald noch eine zweite Eichenart, die Traubeneiche (Quercus petraea), die mächtiger ist und mit der Flaumeiche auch Bastarde (Kreuzungen) bildet.

Nutzung und Gefährdung

Flaumeichenwälder sind waldbaulich wenig produktiv. Sie existieren an der Trockenheitsgrenze der Laubwälder und sollten auch nicht mit Einpflanzungen anderer Baumarten verändert werden – im Gegenteil: Im naturnahen Waldbau ist man heute bemüht, lichte Wälder durch gezielte Massnahmen offen zu halten. Sie haben den Charakter von Niederwäldern. Ob und in welchem Umfang Flaumeichenwälder zur Brennholznutzung genutzt wurden, ist nicht bekannt. Auf alten Zeichnungen von Emanuel Büchel sind Felsköpfe stets kahler dargestellt als heute, was auf eine Nutzung von Flaumeichenwäldern hinweist. Die Rinde der Flaumeiche wurde zur Gewinnung von Gerbstoffen genutzt.

Das frühere Verbreitungsgebiet der Flaumeichenwälder dürfte grösser gewesen sein als heute und auch Südhänge der Tieflagen umfasst haben. Weil diese Flächen auch für den Rebbau geeignet sind, mussten die Flaumeichenwälder weichen. Heute stehen auf diesen Hängen oftmals Einfamilienhäuser, die in der zweiten Hälfte des 20. Jh. ihrerseits die Reben verdrängt haben.

Reiche und seltene Artengarnitur

Flaumeichenwälder sind für wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten äusserst wichtig. Ihre mosaikartige Ausprägung zwischen geschlossenem Wald und offenen, besonnten Felsrasen und Felspartien ergeben einen abwechslungsreichen und biologisch wertvollen Lebensraum. Der Flaumeichenwald beherbergt viele regional seltene Pflanzenarten. Wärmebedürftige Bäume und Sträucher wie der Schneeballblättrige Ahorn, der Elsbeerbaum oder die Felsenkirsche finden hier einen Lebensraum. Der warme Flaumeichenwald mit seiner vielfältigen Struktur bietet daneben vielen Tagschmetterlingen wie dem Blauen Eichenzipfelfalter und dem Grossen Waldportier sowie einigen Bockkäferarten und anderen Insekten ein Auskommen. Die besonnten Felspartien dazwischen werden von der Juraviper und der Mauereidechse für ein Sonnenbad genutzt.

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Weiterführende Links

Literatur

  • Burnand Jacques, Hasspacher Beate: Waldstandorte beider Basel, Verlag des Kantons BL, Liestal 1999
  • Feigenwinter-Thommen Beat: Arten- und Lebensraumschutz in den Waldungen beider Basel – die Strategie des Forstamtes beider Basel, Regio Basiliensis 44/1, 2003, S. 23-34
  • Houvinen-Hufschmid Christine, Schläpfer Martin: Die Pflanzenwelt der Region Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 2005.
  • Lüthi Roland: Ermitage – Natur im Baselbiet Heft 8, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2006, S. 33-35.
  • Moor Max: Einführung in die Vegetationskunde der Umgebung Basels, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel 1962.

Tabellen und Diagramme

Ausgeprägte Flaumeichenwälder der Region