Zoologische Gärten

Zoologische Gärten entwickelten sich von Tierschauen zu Landschaftspärken und befassen sich heute auch mit Natur- und Artenschutz. Sie sind als grüne Lebensräume wichtig für die städtische Naherholung. Der Zoologische Garten Basel ist auf Zucht und auf Wissensvermittlung spezialisiert und ist einer der bedeutendsten in Europa, der Tierpark Lange Erlen legt den Schwerpunkt auf einheimische Tierarten.



Vom Tiergehege und Forscherdrang zur gitterlosen Haltung

Schon im Mittelalter hielten sich Klöster Zwinger mit Wild und Geflügel. In Städten wurden Tiere zu Jagdzwecken in Stadtgräben oder zur Zurschaustellung in Gehegen (sogenannte Menagerien) gehalten. Besonders im 16. Jh. war es Mode, dass adlige Familien exotische Tiere hielten. Im 18. Jh. entwickelten Forscher jedoch den Anspruch, lebende Tiere zu erforschen. Menagerien waren für die Forschung aber ungeeignet, da die Haltungsbedingungen den Lebensgewohnheiten der wild gefangenen Tieren widersprachen.

Um 1800 wurden die Privatmenagerien aufgelöst. Es folgten Tierschauen, die von Stadt zu Stadt zogen. Bis in die erste Hälfte des 20. Jh. war es üblich, parallel zu den Tierschauen exotische Menschen in Völkerschauen zu zeigen. Ab den 1860er-Jahren wurden in zahlreichen europäischen Städten Zoos gegründet und die gitterlose Tierhaltung eingeführt. Diese neue Gestaltung etablierte sich im Verlaufe des 20. Jh. als Paradigma der Zoogestaltung.

Der Zoo Basel

Als heute ältester Zoo der Schweiz wurde der «Zolli» 1874 in der Auenlandschaft des Birsigtals im heutigen Bachlettenquartier angelegt. Die Gründung des Zoologischen Gartens fiel mit dem Beginn der Bautätigkeit in diesem Stadtgebiet - nach der Schleifung der Stadtmauern - zusammen.

Das 4,5 Hektaren grosse Stück Land lag damals nahe der Stadt, aber doch noch deutlich ausserhalb. Die Zoogründerin – die Ornithologische Gesellschaft Basel – wählte dieses Gelände aus naturkundlichen Überlegungen aus. Sie wollte der Stadtbevölkerung, die teilweise unter miserablen hygienischen Bedingungen lebte und seit 1869 nur noch 12 Stunden arbeiten musste, die Möglichkeit geben, in Stadtnähe und an der frischen Luft Tiere als Repräsentanten der Natur beobachten zu können.

Wissensvermittlung und Artenschutz im Landschaftspark

Mit der Erweiterung des Zoos wurde das Gelände mit grosszügig angelegten Baumgruppen und Freiflächen, mit Wasserläufen und Teichen in eine Parklandschaft umgewandelt. Mit dem Bau des Murmeltierfelsens 1919 und mit der Seelöwen-Anlage 1922 wurde erstmals das in Europa verbreitete Konzept der gitterlosen Freianlagen realisiert.

Mit der Erweiterung des Zoos um 1930 und mit dem Erwerb des Sautergartens 1934 stieg der Wert der Anlage als grüne Insel, da der Zoo zunehmend von Wohnhäusern und Verkehrsinfrastruktur umschlossen wurde. Noch waren Natur- und Landschaftsschutz in der Stadt jedoch keine Themen. Erst in den 1950er-Jahren wurde die heutige Gestaltungsphilosophie des Zoos von Kurt Brägger begründet: zwischen 1977 und 1987 begann die Umgestaltung des Zoos in einen eigentlichen Landschaftspark.

Heute sind beim Zoo Basel die Wissensvermittlung sowie der Arten- und Naturschutz wichtige Aspekte. Wegen seiner Zuchterfolge und trotz seiner kleinen Fläche von heute 13 Hektaren ist der Zoo einer der bedeutendsten in Europa. Rund 7000 Tiere und 600 Arten, darunter zahlreiche nicht-einheimische Tierarten, leben in der Anlage, in deren Parklandschaft die Tierhäuser und Aussenanlagen diskret eingebaut wurden und die alten Käfiggehege mit naturnah gestalteten Lebensräumen ergänzt wurden. Im Naturschutzkonzept von Basel-Stadt von 1996 wird das Gelände als Vorranggebiet ausgewiesen.

Tierpark Lange Erlen

Der Tierpark Lange Erlen wurde 1871 auf dem Gebiet des heutigen Wohnquartiers Erlenmatte gegründet. Damals war das Gelände an den Ufern der Wiese bewaldet und ein beliebtes Naherholungsgebiet für Städter. Dieser ursprüngliche Standort des Tierparks musste zu Beginn des 20. Jh. dem Bau von Gleisanlagen für die Badische Bahn weichen.

Heute liegt der gleichnamige Tierpark in den Langen Erlen auf der südlichen Seite der Wiese und erstreckt sich auf einer Fläche von 20 Hektaren im Wald. Der Park hat einen Baumbestand von rund 450 Bäumen. Er beherbergte früher Hirscharten aus aller Welt, ist aber heute auf einheimische Tierarten spezialisiert und wird als Ergänzung zum Zoo Basel gesehen. 2007 wurde der Park um einen Erlebnishof mit seltenen einheimischen Nutztierarten erweitert. Mit diesem stellt die Stiftung ProSpecieRara auf lebendige Weise ihre Arbeit zur Erhaltung des kulturellen Erbes der Schweiz vor. Die Langen Erlen mit ihrem Tierpark sind ein wichtiges Naherholungsgebiet für Kleinbasel.

MJ

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Baur B., Billen W. & Burckhardt D.: Vielfalt zwischen den Gehegen: wildlebende Tiere und Pflanzen im Zoo Basel. In: Monographien der Entomologischen Gesellschaft Basel. Basel 2008.
  • Dittrich Lothar.: Lebensraum Zoo - Tierparadies oder Gefängnis? 
Herder Verlag, Freiburg, Basel, Wien 1977.
  • Hediger Heini: Bedeutung und Aufgaben der Zoologischen Gärten. In: Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, Bd. 118, Zürich 1973, S.319-328.
  • Künzel August: Neue Akzente im Zoo Basel, Anthos, Zeitschrift für Landschaftsarchitektur. Bd. 36, 1997, S.46-49