Barockgarten

Im 15. Jh. entstand mit der Renaissance und dem Humanismus neues Gedankengut: Die Renaissance war die Wiedergeburt der griechischen und römischen Kultur, die sie zum Vorbild nahm. Der Humanismus hingegen stellte den Menschen als etwas Edles und Gutes in den Mittelpunkt. In der Gartenkunst fanden diese Ideen in den Barockgärten ihren Niederschlag, die auch als Renaissancegärten oder Französische Gärten bekannt sind.



Wie der Barockgarten nach Basel kam

In den italienischen Renaissancegärten äusserten sich die neuartigen Ideen in klassischen Mustern der Gartenanlagen, die Harmonie und Schönheit darstellten. Im 16. Jh. kamen in Italien schwülstige Elemente hinzu, die sich in ihrer Neigung zu starker Farbigkeit und phantastischen Formen und Effekten zeigten. In Frankreich war dann der Einfluss der gotischen Architektur prägend, bei der die strenge Symmetrie eine wichtige Rolle spielte. Der Renaissancegarten entwickelte sich zum Französischen Garten oder Barockgarten weiter. Damit wurde die Gartenanlage zur Erweiterung der Architektur des Gebäudes, das im Aussenbereich fortgeführt wurde. Natürlich waren solche Anlagen kostspielig im Aufbau und arbeitsintensiv in der Pflege, so dass sich nur Adlige, Fürsten und hohe Geistliche solche Barockgärten leisten konnten. Die Französischen Gärten wurden zum Symbol für das Beherrschen der Natur und passten ausgezeichnet zum damaligen Bewusstsein und Lebensgefühl das Adels und des Grossbürgertums.

Die engen Platzverhältnisse in Basel liessen keine solch grosszügigen Gartenanlagen zu. Zudem wollten die Basler Kaufleute ihr Geld nicht in unnütze Gärten stecken, die auch nicht zur protestantischen Bescheidenheit passten. Hingegen war in der alten Universitätsstadt Basel durchaus ein wissenschaftliches Interesse vorhanden, das den vielen unbekannten Nutz- und Zierpflanzen galt, die in barocken Gärten gehalten wurden. Caspar Bauhin (1560–1624) sammelte als einer der ersten Basler Botaniker nicht nur Pflanzen, sondern versuchte sie auch in systematische Gruppen zu gliedern. Mit der Einwanderung der Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und Italien um 1550 nach Basel kamen die Gestaltungsideen des Barockgartens in die Region. Es dauerte allerdings noch über 100 Jahre, bis die ersten geometrischen Gärten vor den herrschaftlichen Gebäuden angelegt wurden. In Basel geschah dies im Bereich der Vorstädte, wo noch genügend Raum dafür vorhanden war. 1678 ist ein bescheidener Garten im französischen Stil hinter dem Haus des damaligen Meisters der Gartnernzunft an der Hebelstrasse überliefert.

Das Wesen des Barockgartens

Das wichtigste Element ist eine Zentralachse, die von der Mitte des Gebäudes eine Sichtlinie schafft und am gegenüberliegenden Ende einen natürlichen oder künstlichen Blickfang bietet. Diese Achse wird von rechtwinkligen Querachsen geschnitten. Vor der Gartenfassade von herrschaftlichen Gebäuden befindet sich meist eine terrassenartige Fläche, von der die Sicht auf ornamentale Rasenstücke, Blumenrabatten, Buchsbäumchen und Wasserspiele freigegeben wird. In diesem als Parterre benannten Gartenteil sind mit Buchs eingefasste Beete zu finden sowie Statuen, Vasen und Obelisken nach antikem Vorbild. Seitlich des Parterres befindet sich das symmetrisch aufgebaute Boskett, ein Lustwäldchen aus stark beschnittenen Hecken, Bäumchen und Lauben. Es kann mit Pavillons und Sitzbänken angereichert sein, wo Lesungen, Theateraufführungen und Konzerte stattfinden können. Seitlich anschliessend und im hinteren Teil geht der Garten in einen Waldbereich über, der den Garten abschliesst und als Vergnügungsstätte dient.

Gegen Ende des 18. Jh. wurde der Barockgarten vom Englischen Landschaftsgarten abgelöst. Die Ablösung war ein Widerstand gegen den Absolutismus und gegen die Strenge des Barocks gerichtet. Der Landschaftsgarten suchte die Nähe zur Natürlichkeit. Er stand im starken Kontrast zum Barockgarten, der die Natur in geometrisch starre Formen zwang.

Die Bewohner des Barockgartens

Für die Gestaltung des Gartens spielten immergrüne Pflanzen wie Buchs, Efeu und Eiben eine wichtige Rolle. Buchs brauchte man für die Einfassung der Beete; er wurde stark und regelmässig beschnitten. Buchs und Eiben wurden in geometrischen Formen zu Bäumchen und Kugeln geschnitten. Hagebuchen und Linden wurden zu gewölbten Laubengängen geformt. Bei den Zierblumen herrschten satte und knallige Farben vor. So wurden unter anderem Lilien, Kapuzinerkresse, Narzissen, Goldlack und Hyazinthen bevorzugt. Es war die Zeit der Aurikelzüchterei und der Tulpenleidenschaft, die die Preise für rare Neuzüchtungen in die Höhe schnellen liess. Bei den Rosen, Nelken und Ranunkeln bestand eine grosse Vorliebe für gefüllte, kugelige Blüten und Füllungen wurden entsprechend gerne herangezüchtet. Exotische Pflanzen, die aus dem Mittelmeerraum und aus Übersee nach Mitteleuropa kamen, wurden in Kübeln gehalten und im Winter in Orangerien überwintert. Sie wurden im Sommerhalbjahr im Barockgarten aufgestellt. Es waren dies zum Beispiel Zitrusfrüchte, Lorbeer, Granatapfel, Myrte, Feige und Passionsblumen. Barockgärten mit ihren Überwinterungsmöglichkeiten legten den Grundstein für die Haltung und Weiterzucht von exotischen Nutz- und Zierpflanzen aus wärmeren Gegenden in Mitteleuropa und so auch in der Region Basel.

Die neue Gartenkultur wertete auch den Beruf des Gärtners auf, der fortan nicht nur Gemüse und Obst anzog und verkaufte, sondern Zierpflanzen anbaute, neue Formen züchtete und exotische Gehölze veredelte. Er musste auch Gartenanlagen planen und anlegen können. Das Berufsbild des Gärtners hatte sich dadurch zu einem Experten für Pflanzenkultur und zum vollwertigen Handwerker gewandelt.

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Weiterführende Links

Literatur

  • Heyer Hans-Rudolf: Baselbieter Bauern- und Herrschaftsgärten, Baselbieter Heimatschutz (Hrsg.), Liestal 1979.
  • Polivka Heinz: Gärten im alten Basel, Jahrbuch 2006 E.E. Zunft zu Gartnern Basel. Hrsg.: E.E. Zunft zu Gartnern, Basel 2006, S. 4-27.
  • Rieder M. und H.P., Suter R.: Basilea botanica, Birkhäuser Verlag, Basel 1979, S. 159-166.
  • Stoffler Johannes: Lebendiges Gartenerbe – Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks, Kantonale Denkmalpflege Basel-Landschaft (Hrsg.), Liestal 2009.