Eisenbahn

1844 begann in Basel das Eisenbahnzeitalter in der Schweiz. Schienenstränge, Eisenbahnbrücken, Dämme, Tunnels, Bahnhöfe, Rangieranlagen und vieles mehr veränderten das Bild der Landschaft unwiederbringlich. Zuerst die Bahn und später das Tram waren wesentliche Faktoren für Industrialisierung und Siedlungsentwicklung.



Die ersten Bahnhöfe und Eisenbahnlinien veränderten die Stadt

Mit dem Bau der Bahnlinie St-Louis–Basel im Jahr 1844 durch die «Compagnie du chemin de fer de Strasbourg à Bâle» sowie dem Bau eines provisorischen Bahnhofs ausserhalb der Stadtmauern begann in der Schweiz das Eisenbahnzeitalter. Ab Dezember 1845 fuhren die Züge vom Bahnhof auf dem Schällemätteli, der innerhalb der Stadtmauer lag, nach Strassburg und bereits 1852 weiter nach Paris.

Schon bald wurden in Basel zwei weitere Bahnhöfe ausserhalb der Stadtmauer gebaut. 1854 nahm derjenige der Schweizerischen Centralbahn an der Ecke Lange Gasse/Engelgasse den Betrieb auf und 1855 entstand ein erster deutscher Bahnhof in Basel an der Riehenstrasse (heutiges Messegelände). Damit erfolgte ein Umbruch von der alten Stadt mit ihren Mauern und Gräben zu einer durch die Eisenbahn international vernetzten Stadt mit rasch zunehmender Industrialisierung.

Mit der Eisenbahn kommen Brücken und Dämme

Mit dem Bau der Bahnlinie Basel–Liestal von 1854 begannen die Eingriffe in die Landschaft. Die Eisenbahn musste möglichst flach, geradlinig und ohne engen Kurven gebaut werden. Dazu musste von Basel aus gesehen zuerst das Birstal überquert werden. Dafür wurde erstmals in der Region Basel eine Eisenbrücke gebaut. Auch musste zwischen Basel-Wolf und Muttenz-Freuler bei St. Jakob jeweils ein Damm aufgeschüttet werden.

Als weitere wichtige Brücken von damals gelten die Frenkenbrücke, sowie der imposante Stein-Viadukt der Hauenstein-Scheitellinie bei Rümlingen. In der Stadt Basel ist der Eisenbahn-Viadukt von 1860 über den Birsig der Verbindungsbahn Basel–St. Johann nicht zu vergessen.

Eine weitere wichtige Eisenbrücke wurde 1873 gebaut: die Eisenbrücke über den Rhein der Verbindungsbahn Badischer Bahnhof–Centralbahnhof. Dieser Rheinbrückenbau stellte den Beginn einer Bauperiode für weitere neue Rheinbrücken in Basel dar.

Wald roden und Eichen fällen

Wegen der geradlinigen Führung wurde die Eisenbahnlinie im Muttenzer und Pratteler Bann mitten durch den Hardwald geführt. Dieser musste dazu teilweise gerodet werden. Die Bahnlinie führte damals weit weg von den alten Siedlungskernen Muttenz und Pratteln vorbei.

Die Eisenbahnschwellen wurden aus Eichenholz hergestellt. Dies führte zu einem Abholzen von Eichen und zu einem Verschwinden von Eichenhainen in der Region.

Die Eisenbahn veränderte weiter die Landschaft

Ebenfalls einschneidend waren anfangs 20. Jh. die Landschaftsveränderungen beim Bau der Eisenbahnstrecke Sissach–Olten mit dem Hauenstein-Basistunnel. Diese Strecke wurde als Flachbahn gebaut. Deshalb mussten störende Landschaftselemente beseitigt werden. So fährt die Eisenbahn beim Bahnhof Gelterkinden auf einem Damm Richtung Tunnel, überquert das Ergolztal mit einer langen Brücke und verschwindet sofort wieder in einen tiefen Einschnitt bei Ischlag.

Ebenso gab es massive Eingriffe beim Bau der Rangierbahnhöfe Weil–Haltingen und Muttenz. Die Anlage des Rangierbahnhofes Muttenz I von 1933 benötigte eine grossflächige Rodung des Hardwaldes. Der Vergleich der beiden Siegfriedkarten von 1923 und 1931 zeigt die einschneidende Veränderung.

Eine indirekte Auswirkung auf die Landschaft entstand durch dank Bahnbau damals möglich gemachten Importe von Billigwein aus Südeuropa. Neben der aus Amerika eingeschleppten Reblaus und dem Mehltau führte der Import nach der Eröffnung des Gotthardtunnels auch in der Region Basel zu einem Rückgang der Rebflächen.

Eisenbahn und Industrie

Schon nach wenigen Jahren begann der Ausbau der Gleisanlagen für die Industrie. So wurde 1872 ein erster Anschluss in Pratteln, die Salinenbahn Pratteln–Schweizerhalle, gebaut. Dafür wurde extra ein künstlich angelegter Einschnitt durch den Hardwald erstellt.

Um die Jahrhundertwende wurden die Gasfabrik in Basel und die dortige Industrie (Kohlebahn), etwas später der Hafen St. Johann und der Schlachthof angeschlossen. Im gleichen Zeitraum erfolgte der Anschluss des Areals der Chemischen Fabrik im Klybeck.

Mobilität und Siedlungsausbau

Die Linien der Bahn bildeten Ende des 19. Jh. ein zu grobmaschiges Netz, um die Feinerschliessung zu ermöglichen. Vielfach lagen auch die Bahnhöfe weit weg von den Siedlungszentren. Ausgehend vom Verkehrszentrum Basel entstand deshalb Ende 19. Jh. ein strahlenförmiges Netz von Schmalspurbahnen, welches Basel mit den Vororten verband. In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jh. verdichtete sich das Netz mit weiteren Tramverbindungen.

Einerseits der Bahnbau, aber vor allem der Bau der Tramlinien ermöglichten eine immer grösser werdende Mobilität. Dies führte entlang der Tramlinien relativ schnell zu einem, damals oft noch regellosen, Wachstum der alten Siedlungen.

Mit der Verbreitung des Autos und später mit der Einführung der S-Bahn verstärkte sich dieser Effekt bis heute weiter in Erscheinung. Vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. und in den ersten des 21. Jh. erfolgte, verstärkt durch den Wunsch eines bezahlbaren Eigenheimes im Grünen, die Siedlungsausdehnung über die Tramlinien hinaus bis ins obere Baselbiet. Es bildete sich die Agglomeration Basel.

Entwicklung in den letzten Jahrzehnten

Im Rahmen von Bahn 2000 wurde die Neubaustrecke Muttenz–Liestal mit dem Adlertunnel erstellt. Die NEAT mit Lötschberg- und Gotthard-Basistunnel soll eine Verbesserung des Eisenbahn-Transitverkehrs Nord–Süd und eine Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene bewirken. Auf badischer Seite gehört die Neubaustrecke der Rheintalbahn mit dem Katzenbergtunnel zu diesem Konzept. Am Schluss soll die ganze Rheinschiene vierspurig ausgebaut sein und so die Fortsetzung der NEAT nach Norden gewährleisten.

Die Einführung des U-Abonnements 1987 durch den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) führte zu einer starken Verlagerung des Personenverkehrs vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Visionen

Ein Strukturwandel der Eisenbahn führte dazu, dass gewisse Teile der Rangieranlagen stillgelegt wurden und werden. Diese Areale, wie Erlenmatt oder Wolf, ermöglichen städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Bahnanlagen sind wichtig für Tiere und Pflanzen

Auf Geleiseschotter haben Spezialisten eine neue Heimat gefunden. Diese Ruderalflächen gehören zu den wertvollsten Standorten von Pflanzen und Tieren in der Region. Vor allem die ausgedehnten Bahnanlagen der Rangierbahnhöfe und die stillgelegten Geleise sind für viele gesamtschweizerisch bedrohte Arten von höchstem Wert. Sie bilden wichtige Refugien und Ausbreitungsgebiete für die charakteristische, die oberrheinische Trockenheit und Wärme liebende Flora und Fauna. Ausserdem bieten die Verbindungsgeleise mit ihren wiesenreichen Böschungen wichtige Vernetzungsachsen.

HPM

Karten

Luftbilder

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Appenzeller Stephan: Basel und sein Tram, Basel 1995.
  • Degen Lorenz: Veränderungen der Landschaft am Beispiel der Eisenbahn. In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 67-80.
  • Jeanmaire Claude: Die Entwicklung der Basler Strassen- und Überlandbahnen 1840-1969, Basel 1969.
  • Opferkuch Dieter: Zur Entwicklung des Verkehrswesen in der Regio TriRhena seit den 1980er-Jahren, Regio Basiliensis, 48/1, Basel 2007, S. 3-19.
  • Schwabe Hansrudolf, Amstein Alex: 3x50 Jahre – Schweizer Eisenbahnen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Basel 1997.

Tabellen und Diagramme

Eröffnung der Eisenbahnlinien

Eröffnung der Tramlinien

Geplante Schmalspurstrecken 1908

Quelle: www.statistik-bs.ch
Tabellen als pdf

Eisenbahnanlagen: Wichtige Tiere und Pflanzen

Quelle(n): Naturinventar Basel-Stadt,2011 und Landschaftrsentwicklungskonzept Muttenz
Tabelle als pdf