Erholungsraum Wald

Die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz besucht regelmässig den Wald und sucht dort Entspannung, Aktivität oder das gesellige Miteinander. In Siedlungsnähe kommt es allerdings oft zu Konflikten zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen, aber auch zu Beeinträchtigungen der Tier- und Pflanzenwelt. Der Schutz der Flora und Fauna im Wald wird deshalb auch in die Nutzungsplanung einbezogen.



Wandel zum Freizeitraum

Der Wald wird als Freizeit- und Erlebnisraum vom Menschen immer stärker in Anspruch genommen. Die Bedeutung der Erholungsfunktion des Waldes nimmt vor allem in der Nähe von städtischen Zentren stetig zu, während die Nutz- und Schutzfunktion an Wichtigkeit verlieren. Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung sucht ein- bis mehrmals wöchentlich Entspannung und Erholung im Wald. Ein Besuch in einem naturnahen Wald wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Menschen aus. Im Durchschnitt dauert ein solcher Besuch 20 Minuten. Die Beschäftigungen, denen die Erholungssuchenden im Wald nachgehen, sind sehr vielseitig. Die meisten suchen Ruhe und Beschaulichkeit beim Spaziergang mit dem Hund oder beim Beobachten der Natur. Andere erfüllen ihr Bedürfnis nach Bewegung und Aktivität, und für wiederum andere ist der Wald ein Ort, um gemeinsam mit Familie oder Freunden einen Ausflug zu machen.

Freie Zugänglichkeit

Der Wald ist für alle frei zugänglich. Das Befahren mit Motorfahrzeugen ist hingegen verboten. Wer den Wald begeht, hat ihn nach dem Gesetz gebührend zu schonen. Besonders gerne besucht die Bevölkerung in ihrer Freizeit Wälder, welche nahe bei Siedlungen liegen und gut mit Spazier- und Wanderwegen erschlossen sind. Für die Attraktivität spielt auch die vorhandene Infrastruktur wie Feuerstellen, Sitzbänke und Vita-Parcours eine wichtige Rolle.

Nutzungskonflikte

Die intensivere Nutzung der Basler Wälder führt immer wieder zu Nutzungskonflikten zwischen verschiedenen Freizeitaktivitäten. So bestehen unterschiedliche Ansprüche an den Wald bei Joggern und Hundehaltern oder bei Bikern und Spaziergängern. Ursachen für die Entstehung von Konflikten sind meistens die Konkurrenz bei der Nutzung der vorhandenen Infrastrukturen, hier vor allem der Wege.

Bedrohte Lebensgemeinschaften

Konflikte gibt es auch zwischen den Erholungssuchenden, der Forstwirtschaft und den Lebensraumansprüchen von Pflanzen und Tieren. Eine intensive Freizeitnutzung kann zur Schädigung des Lebensraumes Wald führen. Die Auswirkungen der einzelnen Nutzungsarten sind dabei je nach Aktivität sehr unterschiedlich. Als besonders belastend für den Lebensraum haben sich Tätigkeiten wie Orientierungslauf oder Offroad-Aktivitäten von Mountainbikern erwiesen, bei welchen die Forststrassen und Wanderwege verlassen werden. Ein häufig begangener und befahrener Waldboden weist erhebliche Schädigungen der Bodenstruktur und der Bodenvegetation auf. Die empfindlichen Pflanzen können sich wegen dem hohen Nutzungsdruck nicht mehr vom Schaden erholen. Trittanfällige Arten können in der Folge lokal aussterben. In der Umgebung von Feuerstellen liegt nur noch wenig Totholz am Boden, weil dieses als Brennholz verwendet wird. Totholz ist jedoch ein bedeutender Lebensraum für holzbewohnende Insekten und Pilze, darunter auch viele seltene und bedrohte Arten.

Konfliktlösungen und Schadensbegrenzung

Konflikte, aber auch ökologische Beeinträchtigungen können durch eine gezielte Lenkung der Aktivitäten entschärft werden. Bei der Festlegung von Nutzungen für bestimmte Wege, können Interessenvertreter verschiedener Nutzergruppen beigezogen werden. Bei der Planung von Naherholungsaktivitäten im Wald werden Bereiche mit seltenen und empfindlichen Tier- und Pflanzenarten geschont. Waldgebiete mit besonders vielen gefährdeten Arten werden als Naturschutzgebiete ausgezeichnet. In Schutzgebieten werden vielfach Exkursionen zur Sensibilisierung der Besucherinnen und Besucher sowie zur Vermittlung von Kenntnissen über die Lebensgemeinschaften des Waldes durchgeführt.

DK / CE

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Weiterführende Links

Literatur

  • Baur Bruno et al.: Freizeitaktivitäten im Baselbieter Wald. Ökologische Auswirkungen und ökonomische Folgen, Liestal 2003.
  • Bernasconi Andreas und Schroff Urs: Freizeit und Erholung im Wald. Grundlagen, Instrumente, Beispiele. Umwelt-Wissen Nr. 0819. Bundesamt für Umwelt, Bern 2008.
  • BUWAL Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (Hrsg.): Freizeit im Wald Schlussbericht. Umwelt-Material Nr. 122 Wald, Bern 2000.
  • BUWAL Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (Hrsg.): Wald und Holz in der Schweiz, Bern 2003.
  • Eichrodt Reinhard et al.: Leitbild Wald, Forstamt beider Basel, Liestal 1999.