Homberg Himmelried

Von den Rütenen an der Nordflanke des Hombergs gewinnt man über die letzten Hügelzüge des Blauens Einblick in das untere Birstal, das Birseck. Es handelt sich dabei um einen stark urbanisierten Raum, einen Teil der Agglomeration Basel, in der über 70'000 Menschen leben. Trotz des starken Siedlungsdruckes wurden einige Flächen als Naturoasen erhalten und teilweise sogar renaturiert.




Der Homberg bei Himmelried

Nördlich von Himmelried befindet sich der 793 Meter hohe Homberg, ein weitgehend bewaldeter Hügelzug am Rand des Kettenjuras. Der Flurname «Homberg» ist eine Verkürzung und bedeutet «auf dem hohen Berg». Auf seiner Nordflanke etwas unterhalb auf rund 650 m ü. M. befindet sich die «Rütenen». Der Name bezeichnet eine alte Rodungsfläche, die heute noch waldfrei ist. Von dieser mit einzelnen Obstbäumen bestandenen Wiese aus hat man einen ausgezeichneten Ausblick nach Norden, hinweg über die östlichsten Ausläufer des Blauens ins untere Birstal, das sich langgezogen vor den Augen des Betrachters erstreckt.
Das Solothurner Dorf Himmelried breitet sich auf der besonnten Südflanke des Hombergs aus. Neben wenigen grösseren Bauernhöfen bestand Himmelried im 19. Jh. aus kleinen, verwinkelten Bauernhäusern. Von 1850 bis 1970 bewegte sich die Bevölkerungszahl stets zwischen 400 und 500 Einwohnern. Die Jahre des Baubooms und vor allem die Möglichkeit, mit dem eigenen Auto günstig zu pendeln, machte das Wohnen in der Gemeinde attraktiv. In der Folge stieg die Wohnbevölkerung bis ins Jahr 2000 auf über 900 an. Himmelried ist zwar mit einem Bus an die Bahn in Grellingen angebunden, doch am Abend sind die Bewohner auf den Privatverkehr angewiesen.

Ausblick nach Norden

Der bedeutendste Ausblick geht vom Homberg respektive von Rütenen nach Norden. Auffällig ist linkerhand die Eggflue, die optisch den östlichen Abschluss des Blauenzuges markiert. Unmittelbar gegenüber auf einer Felsrippe des Blauenausläufers ist die Ruine Pfeffingen zu sehen. Die imposante Burg stammt vermutlich aus dem 12. Jh., wurde von 1522 bis 1702 vom bischöflichen Vogt bewohnt, ehe sie ab 1761 als Steinbruch für den Hausbau in den umliegenden Dörfern diente. Rechts der Burgruine schliesst der Hügelzug des Muggenbergs an, der in die Klus von Angenstein mündet. In dieser Klus tritt die Birs durch die nördlichste Jurakette aus hartem Malmkalk in das breite untere Birstal (Birseck) ein. An jener engsten Stelle befindet sich an strategischer Lage das Schloss Angenstein. Die Stelle ist so eng, dass es erst im 16. Jh. gelang, einen Verkehrswege durch die Klus zu führen. Wegen der Engnis musste die Bahnlinie durch einen kurzen Tunnel geführt werden. Östlich steigen anschliessend die Malmkalkfelsen über die Ruine Bärenfels und Tüfleten hinauf und gehen ins Gempenplateau und somit in den Tafeljura über.
Jenseits dieser letzten Jurakette schliesst im Norden das Birseck an, das bereits zur Oberrheinischen Tiefebene gehört. Damit beginnt hier eine 300 Kilometer lange und 30 bis 40 Kilometer breite Flusslandschaft, die bis Frankfurt reicht. Der Blick vom Homberg schweift von der Agglomeration im unteren Birstal über die Stadt Basel bis zu den Vogesen, zum Isteiner Klotz am Rande des Markgräfler Hügellandes und zum Badischen Blauen im Schwarzwald.

Die Birsstadt ...

Der Blick fixiert unweigerlich das Siedlungsgebiet im Birseck, das sich jenseits der Ruine Pfeffingen ausbreitet. Es umfasst den im Süden der Stadt Basel anschliessenden Teil der Agglomeration: die Baselbieter Gemeinden Aesch, Reinach, Münchenstein, Arlesheim sowie die Solothurner Gemeinde Dornach. Noch auf der Landeskarte von 1955 sind die einzelnen Dörfer gut sichtbar und voneinander abgegrenzt. Dazwischen lagen Felder, Landwirtschafts- und Freiflächen waren noch vorhanden. Diese Gemeinden sind heute zusammen mit Pfeffingen und Birsfelden längst zu einem dichten Siedlungsband zusammengewachsen.
Der Landschaftsraum wird als typische Agglomeration genutzt: Einfamilienhäuser und Wohnkomplexe, Industrie- und Gewerbezonen, Sportanlagen und Verkehrsinfrastrukturbauten. Die Erschliessungsachsen bilden die Bahnlinie Basel – Delémont, zwei Stassenbahnlinien und eine Kantonshauptstrasse auf jeder Seite der Birs sowie seit 1982 die Hochleistungsstrasse H18. Die Siedlungen wuchsen nahtlos zusammen, so dass 2007 für dieses Gebiet der Begriff «Birsstadt» geprägt wurde. Mit verstärkter Zusammenarbeit sollen vor allem raumplanerische Aspekte besser koordiniert werden, ähnlich wie in einer Stadtplanung. Bisher haben die Gemeinden Bau- und Industriezonen eigenmächtig geplant und umgesetzt, was der Zersiedelung Vorschub leistete. Die Birsstadt wäre allerdings eine Stadt ohne Kernstadt, weil die gelebte Zentrumsfunktion im unteren Birstal von der Stadt Basel übernommen wird, in die sie auch ohne Unterbruch übergeht.

... und der Birspark

Eine andere Bezeichnung wählte die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und kürte die «Birspark-Landschaft» 2012 zur Landschaft des Jahres. Gelobt werden die weitgehend revitalisierte Birs in diesem Bereich, die naturnahen Uferlandschaften und die linksufrigen Grünflächen, die freigehalten werden konnten. Die eine Fläche ist die stadtnahe Brüglinger Ebene, die den «Park im Grünen» sowie die «Merian Gärten Brüglingen» mit dem Botanischen Garten umfasst. Sie verdanken ihre Existenz unter anderem der Gartenbauausstellung «Grün 80». Es handelt sich bei den Gärten um gestaltete Kunstlandschaften. Da sie stadtnah liegen, werden sie stark frequentiert und sind einem starken Naherholungsdruck ausgesetzt. Der weitaus grössere und bedeutendere Grüngürtel befindet sich weiter südlich mit dem Münchensteiner Auwald und der anschliessenden Reinacher Heide. Der Auwald wurde 1980 mit dem Baubeginn der H18 der Länge nach durchschnitten, nachdem per Bundesgerichtsentscheid die Beschwerde gegen die Rodungsbewilligung abgewiesen worden war. Das ökologisch wertvollste Gebiet ist die Reinacher Heide, die 1974 unter Naturschutz gestellt wurde. Eine Beeinträchtigung durch die H18 konnte durch den Bau eines Tunnels abgewendet werden, dessen Mehrkosten allerdings von der Gemeinde Reinach getragen werden mussten.
Die städtebauliche und naturräumliche Zukunft der stark und schnell wachsenden Agglomeration im Birstals ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass zur Birsstadt auch ein Birspark gehört, was mit der Verleihung des Preises durch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zusätzlich unterstrichen wurde. Es wird nicht einfach sein, hier eine Balance zu finden. Je dichter die Agglomeration «Birsstadt» besiedelt ist, desto wichtiger wird es, Natur und Landschaft des Birsparks zu erhalten oder gar zu erweitern.
BE

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Bienz George, Seiffert René: Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 05/06, Wepf & Co. AG Verlag, Basel 1990.
  • Gallusser Werner, Kläger Paul: Laufener Jura, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 10, Wepf & Co. AG Verlag, Basel 1987.
  • Hochparterre: Die Birsstadt: Sieben Gemeinden – eine Behauptung, Beilage zu Hochparterre Nr. 8, 2007.
  • Lüthi Roland: Reinacher Heide, Exkursionsführer durch Naturschutzgebiete des Kantons Basel-Landschaft, Heft 5, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2003.
  • Rapp Matthias: Birspark-Landschaft – die «Landschaft des Jahres 2012». In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 115-122.

Tabellen und Diagramme

Quellen: Unser Kanton, Kant. Schul- und Büromaterialverwaltung, Liestal 1982; Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Heft 05/06, Basel, 1990; Statistisches Amt BL; Amt für Finanzen SO.