Basel St. Johann

Das St. Johann liegt im Norden Grossbasels zwischen der ehemaligen Stadtmauer und derGrenze zu Frankreich. Vor 1870 war das Gebiet kaum besiedelt. Heute ist das St. Johann eindicht bebautes Stadtquartier mit einer eindrücklichen sozialen und industriellenVergangenheit. Ausschlaggebend für die industrielle Entwicklung war der Rhein. Dieser bildet heute zusammen mit drei Stadtparks den öffentlichen Grün- und Freiraum für das Quartier.




Entwicklung zum Industrie- und Arbeiterquartier

Vor 1870 wurde das Gebiet des heutigen St. Johann als Wiese, Weide- und Rebland genutzt. 1862 war die Voltamatte noch eine Obstbaumwiese. Über das Gebiet verteilt waren vereinzelt Bauten, vor allem Rebhäuschen, zu finden. Als einziger repräsentativer Bau stand auf der Höhe der Elsässerstrasse von 1788 – 1844 das Rebersche Landgut. Das Land vor dem St. Johanns-Tor wurde jahrhundertelang als Abfallplatz und als Entsorgungsstelle für Tierkadaver genutzt.
Die unverbauten Schotter-Rheinterrassen und die Nähe zum Rhein waren ausschlaggebend für den Beginn der industriellen Entwicklung, denn der Rhein konnte für die Entsorgung der festen und flüssigen Industrieabfälle genutzt werden. Auch die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Basler Chemie ansiedelte. Der erste Basler Bahnhof – zugleich auch der erste Bahnhof auf Schweizer Boden – verband ab 1844 die Stadt mit dem Elsass. Mit dem Bau der Gasfabrik 1860 an der Fabrikstrasse begann die Phase der Industrialisierung und des Wohnungsbaus.

Fluss-Hafen St. Johann

1865 wurden die Stadtmauern abgebrochen, die Stadt expandierte. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Wohnungs- und Industriebauten im unteren Teil des Viertels dicht und planlos gebaut. Auf Frei- und Grünflächen wurde zugunsten des Profits und der wirtschaftlichen Entwicklung verzichtet. Anfang des 20. Jh. wurde der Hafen St. Johann gebaut, der zuerst Kohle für das Gaskraftwerk lieferte.
In der Folge entwickelte sich der Standort zu einem Flusshafen mit steigender Umschlagstätigkeit. Die Anwesenheit der Färbereien, ein gut ausgebauter internationaler Handel, lokales Kapital und ein ausreichendes Angebot an Arbeitskräften waren weitere wichtige Standortfaktoren für die Entwicklung der Basler Farbstoffindustrie. Aus der Färbereitechnik entwickelte sich die heutige chemisch-pharmazeutische Industrie mit Agrarprodukten, Medikamenten und Chemikalien).

Ehemals Friedhof und Schlachthof – heute Stadtparks

In der Mitte des 19. Jh. platzte die Stadt Basel aus allen Nähten. Auch für die Totenwurde es eng. Die Friedhöfe wurden nach und nach von neuen Häusern und Strassenbedrängt. Sie mussten weichen und wurden vor die Stadtmauern verlegt. 1868 wurde aufWeideland weit vor der Stadt der Kannenfeld-Gottesacker eingeweiht. 30 Jahre späterverlangten die im St. Johann wohnenden Arbeiter mehr Grünflächen. Aber erst 1964 wurdeder Kannenfeldpark als Grünpark eingeweiht. Heute ist der einstige Friedhof bekannt fürseine Gehölzsammlung.
Auch das Bürgerspital musste einen Ort ausserhalb der Stadt finden, um seine Verstorbenen begraben zu können. Das Spital fand vor dem St. Johanns-Tor ein Stück Land für seinen Gottesacker. Auf dem angrenzenden Grundstück wurde 1870 die Schlachtanstalt gebaut und während 100 Jahren betrieben. Mit der Zeit änderte sich jedoch die Landnutzung vor dem St. Johanns-Tor. 1888 wurde auf dem Friedhof das erste Treibhaus der Stadtgärtnerei errichtet. Mitte der 1980er Jahre wurden die Anlagen nach Brüglingen verlegt und bald darauf wurde der heutige St. Johanns-Park der Öffentlichkeit übergeben.

Stadtentwicklung Basel Nord

Die expandierende Stadt lagerte nach dem Fall der Stadtmauer alles, was sie nicht in der Altstadt ansiedeln wollte oder aus Platzgründen nicht konnte, in das neu entstehende Quartier aus: die Schlachtanstalt, das Gaswerk, die chemische Industrie und den Hafen, das Gefängnis Schällenmättli, die Psychiatrische Klinik Friedmatt sowie später auch die Kehrichtverbrennungsanlage. Obwohl dem St. Johann deshalb bis heute kein besonders guter Ruf anhaftet, ist das Quartier dicht bewohnt. Rund 18 000 Menschen leben in dem zusätzlich von modernen Lärm-, Geruchs- und Verkehrsemissionen geplagten Quartier. Vor allem Immigranten, Arbeiter und Studenten profitieren von günstigen Altbauwohnungen.
Zu Beginn des 21. Jh. begannen sich mit dem Bau der Nordtangente städtebauliche Veränderungen abzuzeichnen. Unter dem Programm «Stadtentwicklung Nord» investierten der Kanton Baselstadt, die Novartis und die Christoph Merian Stiftung in grössere Bauprojekte zur Quartieraufwertung. Dazu gehörten die Inbetriebnahme des Bahnhofs St. Johann und der Bau moderner Wohnblöcke um den Voltaplatz, der Abriss des St. Johann Hafens 2010 für die Umnutzung des Hafenareals, und Investitionen durch Novartis für den Bau des Campus Novartis auf dem ehemaligen Hafenareal. Das Quartier steht am Anfang eines sozialen und räumlichen Umstrukturierungsprozesses.
MJ

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Baur Bruno: Erholung und Natur im St. Johanns-Park, Baudepartement des Kantons Basel-Stadt, Basel 2000.
  • Billerbeck Ewald: Basel St. Johann - der Reiseführer, Christoph Merian Verlag, Basel 2010.
  • Jäggi Monika: Wo schon die Kelten lebten – neuer Park für das St. Johannsquartier, der gartenbau, (12-14), 39/2012.
  • Jäggi Monika: Ein neuer Pavillon im St. Johanns-Park wird zum Begegnungsort, der gartenbau, (12-14), 26/2012.