Bretzwil

Die Gemeinde Bretzwil oder «Brätzbel» reicht von den Höhen des Kettenjuras bis zum Tafeljura hinunter. Der Gemeindebann entwässert in die Birs. Landschaftsprägend sind die vielen Einzelhöfe. Wirtschaftlich spielte neben der Landwirtschaft lange Zeit die Posamenterei eine wichtige Rolle. Während der Zeit des Niedergangs der Posamenterei sank die Einwohnerzahl deutlich. Gleichzeitig pendelten immer mehr Einwohner zur Arbeit ins Birstal und nach Basel.



Wie Daniel Bruckner um 1756 Bretzwil sah

«Das Dorf ist wohl angebauet, doch ligt es einigermassen zerstreuet; es hat eine Mahlmühle, eine Holzsage und eine Ziegelhütte; nur noch 3. Häuser sind mit Schindeln bedeckt. In dem Dorfe befinden sich 6. schöne laufende Brunne, so alle aus gleich Quelle herfliessend.... Der Ackerbau und die Viehzucht erhalten dessen Einwohner; denn Weinwachs hat es keinen allhier. ...
Die Waldungen, so zu selbigem gehören, sind:
der Ballsperg und der Rieberg, worauf Tannen und Buche,
der Brand, worin Tannne, Fohren und Buche,
der Holla, worauf Tannen;
der Benzberg, worauf Fohren; und
der Schlossberg, worauf Tannen und Buchen wachsen.

Dise Gegend ist über alle massen bergicht, daher sehr viele sogenannte Waiden und Wiesen angelegt worden, worauf man im Sommer das Hornvieh laufen lässt;»
aus Daniel Bruckner, 1756, S. 1856 ff.

Ein Dorf am Rande des Kettenjuras

Bretzwil ist die westlichste und einzige Gemeinde des Baselbieter Bezirks Waldenburg, welche im Einzugsgebiet der Birs liegt. Sie grenzt im Norden und Westen an den Kanton Solothurn (Seewen, Nunningen), im Süden an Lauwil und im Osten an Reigoldswil. Bretzwil gehört geografisch gesehen eigentlich zum Schwarzbubenland, welches aus den beiden solothurnischen Bezirken Dorneck und Thierstein besteht. Die Gemeinde Bretzwil liegt sowohl im Tafeljura wie auch im Kettenjura. Sie erstreckt sich vom Kettenjura, von der Ämmenegg 1053 m ü. M. nördlich Ulmet, zu den Malmflächen des Tafeljuras von Eichen und Grund auf etwa 660 m ü. M. Die umliegenden Hügel Brand, Binzenberg und Balsberg gehören zur Überschiebungszone.

Der Seebach durchbricht den Malm des Tafeljuras (Säge). Die alte Dorfsiedlung, von der Mündung Rennbach in den Aubach (Weihermatt) bis zur Säge liegt im Tafeljura. Die westlichen Talweitungen bestehen aus Keuper. Das Taltrichterdorf Alt-Bretzwil ist ein langgestrecktes Strassen- und Bachzeilendorf. Das alte Dorf zerfällt in die zusammenstossenden Teile des Ausser- und des Mitteldorfes sowie in die vollständig getrennten Teile des Unterdorfes, Niderländlis, der Mühle und der Säge. Die wenigen in der ersten Hälfte des 20. Jh. erstellten Neubauten deuteten auf eine künftige Entwicklung Richtung Westen und Südwesten. Seit der einsetzenden Bauperiode um 1960 entstand im Südwesten ein neuer Dorfteil im Gebiet Büel sowie im Westen in der Gegend Fluegasse/Fluematt.

Einzelhöfe prägen das Landschaftsbild

Vieh- und Milchwirtschaft (Alphöfe) sowie Ackerbau waren bis 1700 die Haupterwerbszweige. Die Gründungen von Neben- oder Einzelhöfen hängen mit der Aufhebung der Dreifelderwirtschaft und des Flurzwanges zusammen. Das Bauverbot ausserhalb des Dorfetters wurde aufgehoben und das Umwandeln von Ackerland in Wiesland ermöglicht (Einschlagbewegung). Die Errichtung dieser Höfe fällt in die Zeit des zu Ende gehenden 18. Jh. und der ersten Hälfte des 19. Jh. Oft entstand ein Hof durch Anbau einer Wohnung an eine bereits bestehende Scheune mit Stallung. Die Bezeichnungen der Höfe entsprechen den Flurnamen. So prägen heute die Einzelhöfe rund um Bretzwil bis in die Höhen des Kettenjuras die Landschaft.

Besonders erwähnt sei, dass in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. Basler Familien ihre Sommerferien auf den Höfen Balsberg, Schäggligen und Sunnholden verbrachten. «Ferien auf dem Bauernhof» ist demnach eine rund 100 Jahre alte Erfindung, allerdings in einer etwas anderen Form.

Bedeutende Posamenterei

Seit dem frühen 18. Jh. existierte die heimindustriell betriebene Seidenbandweberei. Das Posamenten war häufig mit einem Kleinst- oder Kleinbetrieb in der Landwirtschaft verbunden. So arbeiteten die Männer in Bretzwil in der Landwirtschaft und die Frauen und Kinder am Webstuhl. 1903 wurde der elektrische Strom eingeführt und die Bandwebstühle elektrifiziert. 1904 waren schon 75 Bandwebstühle an den Strom angeschlossen.Mit dem Niedergang der Posamenterei anfangs des 20. Jh. fand eine starke Pendel- und Abwanderungsbewegung in die industriellen Zentren im Birstal und in Basel statt. Ungefähr 10 Personen, meistens Frauen, fanden in der Tuchfabrik Schild in Liestal Beschäftigung. Ab anfangs der 1920er-Jahre fuhren vorwiegend junge Männer mit dem Fahrrad in die Metallwerke Dornach. Heute stehen einige dieser Industriebauten leer. Es sind aber Bestrebungen im Gange, die entstandenen Industriebrachen mit neuem Leben zu erfüllen.

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Literatur

  • Bruckner Daniel: Versuch eine Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel, XVI. Stück von Ramstein, Bretzwil, Regotzweil und Lauwei., 1756.
  • Heimatkunde Bretzwil, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 1980.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung


Quelle: Heimatkunde Bretzwil