Dornach

Wie andere Dörfer im Birstal entwickelte sich Dornach im letzten Jahrhundert vom Bauern- und Rebdorf zu einer Gewerbe- und Industriesiedlung. Heute ist Dornach vor allem ein Dienstleistungsstandort und eine Wohngemeinde im Schwarzbubenland, aber auch eine Agglomerationsgemeinde der Stadt Basel. Mit dem traditionellen Arbeiterquartier Öpfelsee, dem Goetheanum und der Birs weist Dornach charakteristische landschaftsprägende Elemente auf.




Zwei Ortskerne

Eine geografisch und historisch eigene Entwicklungsgeschichte prägt Dornachbrugg und Oberdornach, die beiden voneinander getrennten Dorfkerne Dornachs. Oberdornach liegt auf einer Hochterrasse an besonnter Lage, Dornachbrugg im Tal an der Birs.
Waren die Ortskerne früher nur durch die Hauptstrasse miteinander verbunden, sind sie heute durch die Überbauung der verbleibenden landwirtschaftlichen Nutzflächen räumlich zusammengewachsen. Allerdings sprechen Dornacher auch weiterhin von Oberdornach und vom Brüggli.

Ein bäuerliches Oberdorf

Während Jahrtausenden wurde die Talaue der Birs von vielen Flussarmen durchzogen. Überschwemmungen verunmöglichten dort eine permanente Siedlung. Deshalb entwickelte sich zwischen dem 5. und 8. Jh. an geschützter Lage zuerst das Reb- und Bauerndorf Oberdornach. Die Bauernhäuser gruppierten sich um die St. Mauritiuskirche, die auch heute noch den baulichen und kulturellen Kern von Oberdornach bildet.
Bis Ende des 19. Jh. bildete die Landwirtschaft in Dornach die wirtschaftliche Grundlage. Besonders der Reb- und Obstbau waren bedeutend. Um die Jahrhundertwende verlor der Rebbau jedoch an Bedeutung und das Dorf eine wichtige Einnahmequelle. 1954 wurden rund um Dornach 7000 Obstbäume gezählt, 1973 noch 3000 Bäume. Heute zeugt das am Südrand der Gemeinde gelegene Asp mit seinen Hochstamm-Obstbaumkulturen von diesen Zeiten. Um diesen Bestand zu sichern, ist die Gemeinde seit 2013, zusammen mit sieben weiteren Gemeinden, Teil des Vernetzungsprojektes Dorneckberg. Ziel des Projektes ist es, Wiesen, Weiden, Buntbrachen und Hecken wie sie im Asp vorkommen, zu schützen und die Hochstamm-Bäume zu erhalten.

Ein Marktzentrum an der Birs

Im Mittelalter entstand mit dem Bau der Birsbrücke der kleine Marktflecken Dornachbrugg an der Birs. Bald siedelten sich dort Gasthöfe, Ladengeschäfte, handwerkliche Betriebe sowie das Kapuzinerkloster (1672) an, und es entstanden ein kleines Marktzentrum und ein Verwaltungsort. Dornach wurde jedoch auch Verkehrsknotenpunkt – der zunehmende Verkehr machte es nötig, dass die alte Birsbrücke 1957 durch eine parallel verlaufende, moderne Betonbrücke ersetzt wurde.
Der Einfluss moderner Architektur ist auch im alten Dorfkern ersichtlich. Die kürzlich gebauten Wohn- und Geschäftshäuser nehmen wenig Rücksicht auf die historische Bausubstanz. Allerdings wurde der Nepomukplatz schonend umgestaltet. Mit einem wöchentlichen Markt soll dem Platz etwas von seiner ursprünglichen Funktion zurückgegeben werden. Mit Dornach als Bezirkshauptort ist «das Brüggli» bis heute ein Verwaltungsort geblieben.

Ohne Fluss keine Wasserkraft

Die Birs, aber auch die alte Birsbrücke und der flussabwärts liegende Wasserfall spielten eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung von Dornachbrugg. Der Wasserfall ermöglichte die Ausnützung der Wasserkraft, die ab 1548 die Räder einer Mühle betrieb. Bis zur grossen Birskorrektur nach 1860 blieb die Birs ein mäandrierender Fluss. Die Korrektur schuf die Voraussetzungen zum Bau der Jurabahnlinie, zur Besiedlung der Talaue und zur Begradigung des Flusses.
Heute ist die Birs kein gerade gelegter Dammfluss mehr. Bemühungen der Anliegergemeinden, diese zu renaturieren, haben dazu geführt, dass die Birs von Basel bis Aesch praktisch vollständig aus ihrem Kanal befreit wurde. Wegen eines Kleinwasserkraftwerkes wird die Birs oberhalb des Wasserfalls allerdings noch immer gestaut.

Neue Industrie auf ehemaligem Auengelände

Anfangs des 20. Jh. und nach dem Niedergang des Rebbaus entwickelte sich neben den beiden alten Dorfteilen in der Talsohle ein weiterer, markanter Siedlungskern. Auf dem ehemaligen Auengelände – im Öpfelsee – wurden 1895 die Dornacher Metallwerke AG gebaut. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, die einen grossen Bevölkerungszuzug aus der ganzen Schweiz zur Folge hatten. Die Bevölkerung nahm zwischen 1888 und 1910 um 67% zu, ihr musste Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.
Die Metallwerke AG baute deshalb betriebseigene Wohnsiedlungen im Öpfelsee und legte damit den Grundstein für ein weiteres Quartier. 2011 wurde die zu Swissmetal Industries AG umbenannte Firma geschlossen. Jetzt soll die 270’00 Quadratmeter grosse Industriebrache zwischen Eisenbahn und Birs in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu einem Wohn- und Gewerbequartier umgenutzt werden. Besonderes Augenmerk kommt dabei dem öffentlichen Grünraum zu – die Lage entlang der Birs ist dafür ideal.

Rudolf Steiner: Naturelemente und Architektur

Mit dem 1913 von Rudolf Steiner erbauten Goetheanum gewann Dornach wirtschaftlich und kulturell sowie international an Bedeutung. Besonders der zweite, 1927 errichtete Betonbau ist auf Grund seiner Grösse und der an die hügelige Juralandschaft angepassten Architektur wegen landschaftsprägend und gleichzeitig auch Zeugnis der frühen Betonbaukunst im 20. Jh. Der Bau steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Das Goetheanum ist heute ein internationales Kultur-, Tagungs- und Theaterzentrum und Sitz der Hochschule für die anthroposophische Bewegung.
Charakteristisch ist auch das Wohnquartier nahe beim Goetheanum. Die Wohnhäuser sind in der Formensprache der anthroposophischen Bewegung gebaut. In ihren Gestaltungsmitteln sind Elemente aus Jugendstil und Expressionismus zu erkennen.
MJ

Karten

  • Dornach Landeskarte 2012
  • Dornach Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Annaheim H. und Barsch D.: Geographischer Exkursionsführer der Schweiz : Exkursionsraum Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographica Helvetica, 18, 241-267, 1963 (pdf).
  • Eisenhut Hanspeter: Dornach Dorfchronik, Einwohnergemeinde Dornach, Band 1, 1988.
  • Jäggi Monika: Birsstadt zwischen Urbanisierung und Landschaftsschutz. In: Der Gartenbau, 19/2016, S. 2-4.
  • Knecht Daniel: Vegetations- und Landschaftsveränderung seit 1880 in Dornach und Arlesheim. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Vol. 5, 2001, S. 75-136, (pdf).
  • Walter Hans: Dornach Dorfchronik, Einwohnergemeinde Dornach, Band 2, Dornach 2005.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Solothurn ab 2001 Fortschreibung