Dreispitz

Der Dreispitz, eingeklemmt zwischen der Stadt Basel und Münchenstein, ist das grösste zusammenhängende Gewerbegebiet der Region. Vormals Material- und Zollfreilager wird das Gebiet heute zu einem neuen Stadtquartier umgestaltet. An den Dreispitz grenzen auch die zwei Stadtentwicklungsgebiete Am Walkeweg und Wolf Basel.




Besitzverhältnisse

Aussergewöhnlich sind die Lage und die Besitzverhältnisse des Dreispitz-Areals: Der Boden gehört der Christoph Merian Stiftung (CMS), die das Land nur im Baurecht abgibt. Ausserdem liegt der Dreispitz je zur Hälfte in den Kantonen Baselland und Basel-Stadt. Der nördliche Teil des Dreispitz wird dem Quartier St. Alban zugeordnet. An den Dreispitz grenzen auch der Güterbahnhof Wolf, der Friedhof Wolfgottesacker, Freizeitgärten und eine Wohngenossenschafts-Siedlung. Diese Areale liegen auf der Niederterrasse oberhalb der Birsebene und können deshalb aus naturräumlicher Perspektive zusammen betrachtet werden. Auch diese Gebiete gehören zum Stadtteil St. Alban.

Unterschiedliche Nutzungen

Das Gelände wurde zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich genutzt. 1840 kaufte Christoph Merian-Burckhardt (1800–1858) das damalige Landwirtschaftsgebiet zur Erweiterung seines Landbesitzes um den Brüglinger Hof auf. Nach dem Tod seiner Frau Margaretha Merian 1886 ging das Land ins Vermögen der eigens gegründeten CMS über. Zum Stiftungsgut gehörte auch das nach seiner Parzellenform benannte Dreispitz-Gebiet.
Die moderne Geschichte des Dreispitz beginnt 1901. Die landwirtschaftliche Nutzung rückte dafür in den Hintergrund. Unter der Regie der Stadt entwickelte sich das Areal zum Materiallagerplatz. Bald genügte dieses nicht mehr. Deshalb wurde 1923 auf dem südlichen Teil des Areals, auf Münchensteiner Boden, das sogenannte Zollfreilager errichtet. Als jedoch wegen Platznot die Erweiterung des Areals bis zur Gartenstadt in Münchenstein angedacht wurde, wehrte sich die Bevölkerung erfolgreich dagegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kündigte sich der nächste Wandel an: Immer mehr Gewerbetreibende liessen sich auf dem Areal nieder.

Neues Stadtquartier

Die Betriebsansiedlung verlief ab 1901 weitgehend ohne übergeordnete Zielsetzung und entzog den Dreispitz der Basler Stadtentwicklung. Lange Zeit galt der Dreispitz, obwohl stadtnah gelegen, als abgeschlossenes Areal ohne direkten Bezug zur Stadt. Das soll sich nun ändern. Seit anfangs 2000 plant die Eigentümerin, die CMS, aus dem Dreispitz ein Wohn-, Kunst- und Dienstleistungsquartier zu machen.
Der Umstrukturierungsprozess von einem Industrie- und Gewerbeareal in ein Stadtquartier ist in vollem Gange. Bereits haben sich Kultur- und Bildungsinstitutionen wie die Hochschule für Gestaltung und Kunst oder das Haus der Elektronischen Künste auf dem Dreispitz niedergelassen. Heute zeugen rund 15 Kilometer mehrheitlich stillgelegter Geleise auf dem Gelände von seiner gewerblichen Vergangenheit.

Wo bleibt die Natur?

Grünraum ist rar im Dreispitz. Die grossen Gebäude, aber auch die Geleise, schliessen das Areal nach aussen ab und trennen das zukünftige Stadtquartier von den Naherholungsgebieten auf dem Bruderholz oder in den Merian Gärten in der Ebene von Brüglingen. Früher bestimmten Pflanzgärten das Landschaftsbild, für die Entwicklung zum Industrie- und Gewerbegebiet war der Erhalt von Grünraum oder der Natur- und Landschaftsschutz jedoch bedeutungslos. Mit der Umstrukturierung steigt aber die Nachfrage nach Grün- und Erholungsraum. Heute ist das Gebiet derart überbaut, dass für die neuen Stadtquartiere Grün- und Naturräume mitgeplant werden müssen.
Damit sich die neuen Quartierbewohner nicht mit dem Blick ins Grüne begnügen müssen, spielt der Grün- und Freiraumaspekt im Rahmen der «Entwicklungsplanung Dreispitz» eine wichtige Rolle. So entwickelt das «Freiraumkonzept Dreispitz» (2005) für drei Teilgebiete verschiedene Freiraumtypen: Ein grosser städtischer Platz (8000 bis 10’000 m2) ist im nördlichen, ein dichtes Netz von Pocket Parks (400 bis 1000 m2) im mittleren und Kleinparks und Kleinplätze (1000 bis 8000 m2) im südlichen Teil des Dreispitz geplant. Geplant ist auch ein Fussgängersteg, der über die Geleise in die nahen Merian Gärten führen soll.

Ausblick Stadtentwicklung Basel Süd

Die Öffnung des Dreispitz-Areals wird Quartiere wie das Gundeldingen mit Wohnquartieren in Münchenstein verbinden. Der neue Stadtteil ist das fehlende und gleichzeitig das verbindende Element zwischen Basel-Stadt und Baselland. Mit der Umnutzung des Dreispitz zum neuen Stadtquartier wird das erste von drei geplanten neuen Wohn- oder Gewerbequartieren im und beim Dreispitz umgestaltet. Im Süden von Basel, zwischen Münchenstein und dem Bahnhof Basel SBB, wird ein neuer urbaner Raum entstehen.
MJ

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

 

Literatur

  • Bau- und Verkehrsdepartement Baselstadt, u.a.: Entwicklungsplanung Dreispitz, Teilprojekt 4/Grün- Freiraum, Freiraumkonzept Dreispitz, 2005.
  • Christoph Merian Stiftung: Die Entwicklungsperspektiven für den Dreispitz Basel Münchenstein, September 2015.
  • Mensch Christian: Der Dreispitz im Wandel, Schweiz am Sonntag, 6. Juni 2015.
  • Opferkuch Dieter: Dreispitz im Wandel – Vom Lagerareal zu einer urbanen Wohn-, Kultur-, Verkaufs- und Arbeitszone, In: Regio Basiliensis 57/1&2, 2016, S. 15-31.