Huningue

Die Siedlung Huningue entwickelte sich bis ins 20. Jh. nur innerhalb der Festungsmauern, die vom Festungsbaumeister Vauban erbaut wurden. Erst mit der Ausdehnung der Chemischen Industrie von Basel aus wuchs Huningue stark. Heute sind praktisch alle Freiflächen aufgebraucht und überbaut.




Die Vauban-Festung Huningue

Vauban erklärte 1679 seinem König Louis XIV, dass auf dem Areal des bereits bestehenden Dorfes Gross-Huningue der günstigste Platz zur Errichtung einer Festung zum Schutze des Elsasses sei, da weiter im Norden der Rhein sich in viele Arme teile, was Angriff und Verteidigung gleichermassen behindere. So wurde in grosser Eile das Dorf geräumt, seine Bewohner in ein neu errichtetes Village-Neuf de Huningue, zu Deutsch Neudorf, und auch in St-Louis angesiedelt. Die Festung wurde mit einem Brückenkopf auf der Schusterinsel errichtet, wo heute das deutsche Weil-Friedlingen liegt. 1815 wurde die Festung zur grossen Entlastung der Basler geschleift.
Lange Zeit entwickelte sich Huningue nur innerhalb der Festungsmauern. Noch um 1900 gab es kaum Häuser und Fabriken ausserhalb des alten Kerns. Zwischen 1950 und heute hat sich das Bild radikal verändert. In der «Zone industrielle Sud» zwischen Basel und Huningue liessen sich französische Tochterfirmen der Chemischen Industrie aus Basel nieder. In der «Zone industrielle Nord» entstand der «Port de Huningue», welcher sich bis auf das Gemeindegebiet von Village-Neuf ausdehnt. Heute befinden sich in der Zone Firmen aus den Bereichen Transport, Logistik und Chemie.Somit zieht sich entlang des Rheins von der Dreirosenbrücke in Basel bis etwas nördlich der Palmrainbrücke – unterbrochen nur vom eigentlichen Siedlungsbereich von Huningue – ein Industriegürtel. Der Gemeindebann ist mittlerweile fast gänzlich überbaut und mit der Stadt Basel zusammengewachsen..

Die Kanäle in und um Huningue

Der Ausbau eines Wasserverkehrsnetzes in Frankreich begann mit dem industriellen Aufschwung in der ersten Hälfte des 19. Jh. Der Rhein-Rhônekanal oder der Canal du Rhône au Rhin mit seinem Seitenzweig Canal de Huningue verbindet die Nordsee mit dem Mittelmeer. Er wurde in der Zeit von 1784–1833 gebaut. Zur Zeit Napoleons bezeichnete man den Kanal als «Canal Napoléon». Nach dem Sturz von Napoleon erhielt er den Namen «Canal Monsieur».
Der Hüninger Zweigkanal wurde 1834 von der Ile Napoléon, welche östlich von Mulhouse liegt, als Zubringer zum Rhein-Rhône-Kanal gebaut. In erster Linie diente er damals letzterem als Zubringer von Rheinwasser, da die Ill und die Largue nicht genügend Wasser führten. Auf einer Länge von rund 30 Kilometer zieht sich der Kanal beinahe schnurgerade durch die Rheinauen. Nur die vier Schleusen von Huningue, Neuweg, Rosenau und Neuweg-Loechle waren nötig, um die Höhendifferenz zwischen Niffer und Huningue zu überbrücken.
Getreidelt, das heisst gezogen, wurden die Schiffe von Pferden auf einem Lein- oder Treidelpfad am Ufer. Heute weisen die Kanalufer im Elsass oft einen Baum- und Strauchbewuchs auf.
Seit dem Bau des Grand Canal d"Alsace beziehungsweise des Rhein-Seiten-Kanals um 1930 nahm die Bedeutung des Canal de Huningue für den Schiffsverkehr deutlich ab.
Kanäle besassen in Frankreich seit je eine grosse wirtschaftliche Bedeutung, denn so konnten Städte wie Mulhouse an die Binnenschifffahrt angeschlossen werden. Aus diesem Grund wurden immer wieder Modernisierungen der Kanäle vorgenommen. So wurde 1960 bis 1963 die Schleuse von Niffer gebaut und der Kanal bis zur Ile Napoléon verbreitert. Ausserdem wurde der Rhein-Rhône-Kanal mit dem Grand Canal d’Alsace verbunden. Der Canal de Huningue wurde stillgelegt und seit dieser Zeit dient er wie früher nur noch als Wasserzubringer für das Kanalstück Niffer-Mulhouse. Die nächste Ausbauetappe folgte in den 1990er-Jahren: Der Rhein-Rhône-Kanal wurde zwischen Niffer und Mulhouse ausgebaggert und an zahlreichen Stellen soweit verbreitert, dass die modernen 4400 Tonnen schweren Schiffe mit 190 Meter Länge, 12 Meter Breite und 4 Meter Tiefgang bis zum Hafen von Mulhouse vordringen können. Damit ist diese Destination von Rotterdam durch grosse Schubverbände erreichbar. Es war geplant, zwischen 1998 und 2010 den Kanal weiter auszubauen. Doch Finanzierungsprobleme und Widerstand aus Kreisen der Umweltschützer verhinderten diesen Ausbau.
In Huningue wurde 1992/93 der brachliegende Hafen des Kanals zum künstlichen Wildwasserrevier «Parc des Eaux Vives» ausgebaut. Weiter wurde seit 2005 Wasser aus dem Kanal in die Petite Camargue Alsacienne abgeleitet. Damit konnten ehemalige Rheinarme wieder mit Wasser versorgt werden.

Brücken verbinden Landschaften und Völker

Der Rhein bei Huningue war schon immer als Übergangspunkt beliebt. Hier waren und sind auch heute noch die einzigen direkten Übergänge zwischen Frankreich und Deutschland unmittelbar nördlich von Basel. Die nächste Brücke befindet sich erst wieder bei Neuenburg/Mulhouse.
Schiffbrücke: Seit 1474 gab es zwischen den Gemeinden Huningue und Weil/Friedingen verschiedene Verbindungen über den Rhein. Meist dienten sie kriegerischen Zwecken oder zur nördlichen Umgehung von Basel. Bis zum Jahre 1872 wechselten sich feste Brücken, Schiffbrücken und eine «fliegende Brücke» (Gierseilfähre) ab. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wurde die Schiffbrücke abgebaut. Von 1947 bis 1956 übernahm ein Dampfboot mit einem seitlich angebundenen Querponton den Verkehr über den Rhein. Das Dampfboot wurde Mitte 1956 durch ein Motorschiff abgelöst.
Eisenbahnbrücke: Um das von 1871 bis 1919 zu Deutschland gehörige Elsass mit Süd-Baden zu verbinden – ohne über Schweizer Gebiet fahren zu müssen – wurde eine knapp 6 Kilometer lange Bahnlinie von St-Louis über Huningue nach Leopoldshöhe/Weil gebaut. Hierzu errichtete man eine Eisenbahnbrücke über den Rhein. Die Linie nahm ihren Betrieb im Jahr 1878 auf. Im Juli 1931 erfolgte die Einstellung des Personenverkehrs und 1936 wurde zwischen den französischen und deutschen Bahngesellschaften die Stilllegung der Verbindung beschlossen. 1937 baute Frankreich die Eisenkonstruktion der Brücke aus Sicherheitsgründen wieder ab und lagerte sie ein. Nur die Pfeiler im Rhein blieben noch bestehen. Heute dienen die Geleise auf Elsässer Boden als Zufahrt zum Hafen von Huningue.
Palmrainbrücke: Auf dem Trassee beziehungsweise den Fundamenten der ehemaligen Bahnlinie baute man 1979 die Palmrainbrücke für den Strassenverkehr. Gleichzeitig wurde der oben erwähnte Fährbetrieb eingestellt. Die neue Brücke brachte für den Strassenverkehr grosse Vorteile – für Fussgänger und Radfahrer war die Einstellung des Fährverkehrs allerdings von grossem Nachteil, denn die Benutzung der Brücke erforderte für sie einen grossen Umweg.
Dreiländerbrücke: Nach langen Verhandlungen konnte im Jahre 2007 endlich eine neue, 248 Meter lange und architektonisch mehrfach preisgekrönte Fussgänger- und Radfahrerbrücke zwischen Huningue und Weil am Rhein errichtet werden. Die Dreiländerbrücke steht fast genau an der Stelle, wo sich einst die Schiffbrücke befand.
HPM

Karten

Luftbilder

Verwandte Themen

Weiterführende Links