Läufelfingen

Läufelfingen und Waldenburg sind Passfussorte und liegen an einer Eisenbahnlinie. Gleichwohl haben die beiden Orte eine deutlich unterschiedliche Einwicklung mitgemacht. Die Entwicklung von Läufelfingen wurde vor allem durch den Bau der Passstrasse und des Eisenbahntunnels im 19. Jh. geprägt. Auch im 20. Jh. war der Verkehr ein wesentlicher Teil der Entwicklung von Siedlung und Wirtschaft. Der Eisenbahn- und der Strassenverkehr sowie die Gipsindustrie mit ihren Gebäuden und Steinbrüchen haben das Landschaftsbild und den Wandel der Landschaft sehr stark geprägt.




Läufelfingen und sein Pass

Läufelfingen ist seit Alters her mit den Verkehrsverbindungen über und durch den Unteren Hauenstein verbunden. Die Route galt immer als kürzeste Verbindung zwischen Basel und dem Gotthard. Der eigentliche Ausbau des Unteren Hauensteins erfolgte erst, als um 1220 die Schöllenen gangbar gemacht wurde. Damit verlor unter anderem der Challpass an Bedeutung.
Die Wichtigkeit des damaligen Verkehrsweges zeigte sich um 1240 im Bau der Burg Neu-Homberg. Der Verkehrsweg durch das Homburgertal und über den Hauenstein war bis ins 19. Jh. hinein für heutige Vorstellungen sehr mühsam. Streckenweise mussten die Fuhrwerke und Karren das Bachbett benützen. Spuren davon sieht man heute noch in einigen Engpässen.
Der Bau der neuen Hauensteinstrasse in den Jahren 1827–30 war eine grosse technische Errungenschaft. Die Linienführung wurde so gelegt, dass die Steigung nirgends mehr als 5 % betrug. Damit stieg die Bedeutung des Überganges für den lokalen und den internationalen Verkehr.
Für die Läufelfinger war nach dem Bau der Strasse das Ausmieten von Vorspannpferden eine immer noch recht einträgliche Beschäftigung. Die Bedeutung der Passstrasse wurde im 19. Jh. durch den Bau des Hauenstein-Eisenbahntunnels (Scheiteltunnel) wesentlich geschmälert. Mit dem zunehmenden Autoverkehr ab 1945 kam dem Unteren Hauenstein wieder internationale Bedeutung zu, welche durch die Eröffnung der A2 durch den Belchen dann aber wieder verloren ging. Dafür wurde das Dorf vom dichten Verkehrsfluss befreit.

Das «Läufelfingerli»

In den Jahren 1853–1858 wurde die Hauensteinlinie mit dem Hauenstein-Scheiteltunnel gebaut. Es war die erste Eisenbahn-Bergstrecke in der Schweiz. Der Bau der knapp 17 Kilometer langen Strecke beschäftigte Mitte der 1850er-Jahre insgesamt 5500 Arbeiter und brachte Läufelfingen einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Für den damaligen Stand der Technik war die Strecke so steil, dass in Sissach oder Olten jeweils eine zweite Lokomotive vorgespannt werden musste. Bekannt wurde der Hauensteintunnel 1857, als bei einem Tunnelunglück 63 Bauarbeiter den Tod fanden.
Mit der Eröffnung der Hauenstein-Basislinie Sissach – Tecknau – Olten 1916 verlor Läufelfingen an verkehrstechnischer Bedeutung. Dies führte unter anderem dazu, dass die Bahn 1938 von Doppelspur auf Einspur zurückgebaut wurde. Ende der 1990er-Jahre war die Strecke von der Stilllegung bedroht. Nachdem der Betrieb 1997 für ein knappes Jahr durch Busse ersetzt wurde, verkehren heute wieder Regionalzüge zwischen Sissach und Olten.

Das Dorf und seine Entwicklung

«1. Lage. Das Dorf Läufelfingen liegt so ziemlich in der Mitte des Bannes, und steigt von der Thalsohle östlich gegen das Kirchenfeld an. Zusammenhängende Häuserreihen sind wenige, sondern die Häuser stehen getrennt und unregelmässig in allen Richtungen und Lagen. 2. Theile. Es besteht aus dem Ausserdorf (tieffster Theil), dem Unterdorf (unterhalb der Landstrasse), dem Oberdorf (oberhalb der Landstrasse) und dem sogenannten Hügel gegen die Kirche (höchstgelegener Theil).» So schreibt Heinrich Buser 1865.
Läufelfingen ist eine Taltrichtergemeinde des Homburgerbaches, ähnlich wie Zeglingen und Reigoldswil in ihren Tälern. Hier haben wichtige Quellflüsse ihren Ursprung. Nach Buser bestand das Dorf um 1865 aus vier Teilen: Ausser-, Unter-, Oberdorf und dem Hügel. Die Kirche von Läufelfingen erhebt sich nordöstlich oberhalb des Dorfes und bildet zusammen mit Pfarr- und Sigristenhaus einen sogenannten Kirchweiler. Der aufgeschüttete Bahndamm zerschneidet seit den 1850er-Jahren das Dorf.
Ein erster Siedlungsausbau erfolgte anfangs 20. Jh.: Beim Bahnhof liess sich Industrie und Gewerbe nieder (Gips). Ab Mitte des 20 Jh. begann die Siedlungsausweitung mit Einfamilienhäusern. Zuerst erfolgte der Ausbau Richtung Nordosten, anschliessend Richtung Südosten.
Ein kurzfristiger Bevölkerungsrückgang war zwischen 1970–80 infolge der Eröffnung des Belchentunnels zu verzeichnen. Seither erfolgte jedoch ein kontinuierliches Wachstum sowohl der Bevölkerung als auch der Siedlung. Im Zeitraum 1970–2000 verdoppelte sich die Zahl der Einfamilienhäuser beinahe. Anfangs der 2010er-Jahre ist der Südost-Hang mehr oder weniger bis zur Kirche hoch überbaut.

Wirtschaftliche Entwicklung

Als Folge des Bahnbaus fanden viele Läufelfinger auf der Bahnstrecke oder in den Werkstätten in Olten Beschäftigung. Die Bahnlinie begünstigte den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Seidenbandweberei spielte im 19. Jh. eine eher untergeordnete Rolle. Lediglich 31 Posamenterstühle waren 1865 in Betrieb. Ab cirka 1900 siedelten Industrie- und Gewerbebetriebe in Bahnhofsnähe an, wie etwa 1900 eine Zigarrenfabrik, 1906 eine Uhrenfabrik, 1911 eine Zuckermühle und 1919 eine Zementwarenfabrik. Am bedeutendsten waren jedoch der Abbau und die Verarbeitung von Gips sowie die Herstellung von Zementwaren und anderen Baumaterialien. Bis 2010 wurden Steinbrüche betrieben wie Adliken oder beim heutigen Golfplatz und der Deponie Hauenstein.
So wandelte sich langsam das ehemalige Bauerndorf zu einem Arbeiterdorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Landwirtschaft und die lokale Industrie an Bedeutung ab. Läufelfingen entwickelte sich zu einem Pendlerdorf. Ein erneuter Strukturwandel setzte in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. ein: Die auf die Bauwirtschaft ausgerichtete Industrie verlor an Bedeutung und verschwand zum Teil sogar ganz. Dafür liessen sich andere Klein- und Mittelbetriebe nieder.

Vom Steinbruch zum Tierfriedhof

In Läufelfingen gab es bereits in der vorindustriellen Zeit Gipsmühlen. Das Rohmaterial stammte aus der Bitzengrube , ein Bach trieb die Mühle oder «Stampfe» an. Ende der 1880er-Jahre wurde in der Bitzhalde ein Fabrikgebäude errichtet. Um 1900 suchte man nach einem neuen Rohmateriallager für Gips und fand dieses in der Zeglinger Grube.
Zu dieser Zeit wurde in Zeglingen bereits seit über 400 Jahren Gips abgebaut. Zuerst transportierte man in mühsamer Arbeit mit Pferdefuhrwerken den Gipsstein nach Läufelfingen. Nachdem 1906 die Gipsunion den Betrieb übernommen hatte, wurde 1910 eine schnurgerade 4,5 Kilometer lange Seilbahn eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Betrieb der Gipsunion ausgebaut. So wurden in den Produktionslagen beim Bahnhof zum Beispiel Gipsdielen und – seit dem Ende der Zwanzigerjahre – mit Holzwolle versetzte Leichtbauplatten hergestellt. Im Jahr 1984 wurde der Läufelfinger Betrieb zugunsten anderer Produktionsstandorte geschlossen. Heute befindet sich ein Tierfriedhof im Bereich der ehemaligen Seilbahntalstation in der Blitzhalde.
HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Buser Heinrich: Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen, Liestal 1865 Google Books (pdf)

Tabellen und Diagramme

Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung
Quelle: Eidgenössische Volkszählung