Nuglar-St. Pantaleon

In Nuglar und St. Pantaleon hat sich das Bild einer alten Kulturlandschaft bis heute erhalten. Hunderte von Hochstamm-Obstbäumen in artenreichen Blumenwiesen prägen das Bild der Flur um die beiden Siedlungen. Diese haben wegen ihrer doch etwas abgelegenen Lage ihren ursprünglichen landwirtschaftlichen Charakter bis heute behalten.




Tafeldörfer an der Ostabdachung

Die Ostabdachung der Gempentafel ist eine Schichtstufenlandschaft. Sie steigt von den Malmkalkflühen am oberen Rande des Plateaus über die weicheren, meist von Schutt bedeckten Mergel und Tone zu den Hauptrogensteinplatten ab wie sie in der Geomorphologischen Karte des Gempenplateaus dargestellt ist.
Auf diesen Platten liegen die Dörfer Nuglar, St. Pantaleon sowie Büren und ihre Flur. Diese Rogensteintafeln sind, wie das ganze Gempenplateau, von Nordost-Südwest verlaufenden Brüchen durchzogen. Sie setzen sich auf gleicher Höhe östlich des Oristales in den Tafeln von Lupsingen und Seltisberg fort. Die unruhige Topographie um Nuglar beruht auf einem vorgeschichtlichen Bergsturz, welcher aus der Malmkante herausgebrochen ist. Es ist eine Situation wie bei der Schauenburgerflue. Eine Bruchlinie, die Rebholdenverwerfung, begrenzt die etwa 100 Meter höhere Hauptrogensteintafel Muni. Die ganze Region und das Oristal waren während der Riss-Eiszeit von Eis bedeckt.
Klimatisch zeichnen sich die beiden Siedlungen durch ihre Lage an der Ostseite der Gempentafel aus. Günstig ist die Südost-Exposition der Hänge für die Besonnung. Ebenso sind die Hänge von den feuchten Westwinden geschützt. Als Folge dieser Lage entsteht dort ein lokaler Fallwind, der von den Höhen des Plateaus herunterweht und sich dabei etwas erwärmt. Das sind optimale klimatische Voraussetzungen für den Obstbau. Die Dörfer sind einzig der kühlen Bise ausgesetzt.

Zwei Dörfer – eine politische Gemeinde und 10 000 Obstbäume

Die Homepage von Nuglar-St. Pantaleon macht Werbung mit dem Hinweis: «Kennzeichen von Nuglar-St. Pantaleon ist die Landschaft mit ihren 10 000 Hochstamm-Obstbäumen». In der Tat wurden im Jahr 1971 10 792 Kirschbäume gezählt. In den 1990er-Jahren gab es allerdings nur noch etwa 7 500 Kirschbäume. Auch die Zahl der Apfelbäume ging von 4178 (1951) auf 1126 (ca. 1991) zurück (Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon 1997). Daneben gab es 379 Birnen- und 2153 Zwetschgenbäume.
Ausgedehnte Streuobstwiesen prägen das Landschaftsbild noch heute. Die Wiesen mit den hochstämmigen Obstbäumen sind ein äusserst artenreicher Lebensraum der traditionellen Kulturlandschaft. Das Flurbild ist noch immer eine Streifenflur (Luftbild). Diese ist durch eine durch Erbteilung bedingte Verkleinerung der Parzellen entstanden. Andererseits pflügte man parallel zum Hang und dies bedurfte langer und somit auch schmaler Parzellen, wie sie der Parzellenplan dokumentiert. Nuglar besass früher auch eine vollausgebaute Dreizelgenflur mit drei Zelgen. In St. Pantaleon existierten dagegen nur deren zwei!
Politisch sind die beiden Dörfer Teil das Kantons Solothurn, welcher hier weit nach Norden in den Kanton Baselland ragt. Sie sind seit jeher zu einer politischen Gemeinde zusammengeschlossen.

Siedlungsentwicklung

Die Siedlungstätigkeit beschränkte sich im Laufe der Jahrhunderte immer nur auf die beiden Dörfer. Es entstanden nach der Aufhebung des Flurzwangs bis heute keine Einzelhöfe. Eine einzige Ausnahme bildet der Aussenhof Tugmatt/Röselen: Hier bestand Ende des 19. Jh. ein Hof. Im 19. Jh. entwickelten sich in Nuglar bedingt durch die Landwirtschaft und das örtliche Handwerk einige Häuser entlang der Gempen-/Liestlerstrasse. Damals lag in St. Pantaleon die Kirche noch im Dorfzentrum. Ab 1900 begann eine innere Dorfentwicklung, indem die Räume zwischen den Häusern zum Beispiel durch Anbauten verdichtet wurden. Um 1930 erfolgte dann in Nuglar ein lineares Wachstum entlang von Erschliessungsachsen. Ab Mitte 1950 fand schliesslich die äussere Dorfentwicklung mit einer flächenhaften Ausdehnung statt. Heute sind in Nuglar weite Gebiete östlich des Zentrums überbaut. In St. Pantaleon betrifft es die Südhänge nördlich des Zentrums – die Kirche liegt bedingt durch diese Entwicklung heute am Rande der Siedlung.

Vernetzungsprojekt Dorneckberg 2013

Die sieben Gemeinden Büren, Dornach, Gempen, Himmelried, Hochwald, Nuglar-St. Pantaleon und Seewen haben gemeinsam ein Vernetzungsprojekt erstellt. Dieses wurde 2013 vom Kanton bewilligt und wird jetzt umgesetzt. 88 % der direktzahlungsberechtigten Landwirtschaftsgebiete sind im Vernetzungsprojekt eingeschlossen. Die betroffene Nutzfläche umfasst rund 17 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Es sind vor allem Parzellen mit extensiven Wiesen und Weiden, Buntbrachen und Hecken. Auch rund 16 000 (meist Hochstamm-)Bäume stehen in diesem Gebiet. Mittels Bewirtschaftungsverträgen und einzelbetrieblichen Beratungen werden die Bauern ins Projekt eingebunden.
HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Annaheim H. und Barsch D.: Geographischer Exkursionsführer der Schweiz : Exkursionsraum Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographica Helvetica, 18, 241-267, 1963 (pdf).
  • Bienz Georg und Seiffert René (Red.): Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 05/06, Wepf und Co., Basel 1990.
  • Bitterli-Brunner Peter: Exkursion 21, Orismühle–Nuglar–Abtsholz–Talacher–Nuglar, Geologischer Führer der Region Basel, Birkhäuser, Basel 1987.
  • Wunderlin Dominik (Red.): Nuglar-St. Pantaleon: Geschichte : Natur : Kultur, Hrsg.: Arbeitsgruppe Dorfchronik Nuglar-St. Pantaleon, Olten 1997.

Tabellen und Diagramme

Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistische Amt Kanton Solothurn ab 2001 Fortschreibung
Quellen: Statistik Schweiz: www.pxweb.bfs.admin.ch