Oltingen

Die Grenzlage im östlichen Zipfel des Baselbiets und die Funktion als Fussort des Jurapasses Schafmatt prägten Oltingen im Laufe der Geschichte stark. Die Karstquelle Gallisloch hatte neben der Bedeutung für die Trinkwasserversorgung eine wichtige Funktion in wirtschaftlicher Hinsicht.




Der Ort mit einer mythischen Kraft

Hoch über dem Dorf thront die Kirchenanlage – ein alter sakraler Ort. Dieser liegt an einem bereits zur Römerzeit, aber besonders im Mittelalter benutzten Jurapass. Der Schafmattpass bildet einen weiten Sattel auf der südlichsten Kette des Juras und stellt als ehemals östlichster Jurapass auf baslerischem Boden über den Raum Aarau die Verkehrsverbindung mit dem Mittelland her. Die Quelle der Ergolz – «der» Baselbieter Fluss – liegt am Fuss der Geissfluh.
Unzählige Pilger haben diesen Weg auf ihrer Reise nach Einsiedeln begangen und früh schon wurde die Gallisloch-Quelle nach dem heiligen Gallus benannt. Ins Blickfeld der Geschichte rückte der Pass auch am Ende des 15. Jh. als (miltär-)strategisch wichtiger Übergang.
Die von einem Mauerring umfasste Kirche mit ihren spätgotischen Fresken gilt als mythischer Ort, als Kraftort. Als solcher wird ein Ort bezeichnet, dem eine meist positive psychische Wirkung zugeschrieben wird. Diese kann zu einer einer Beruhigung, Stärkung oder Bewusstseinserweiterung führen. Als Kraftorte werden überwiegend geografische Orte bezeichnet, die nach esoterischen Vorstellungen eine besondere Erdstrahlung haben. Heute dürfte auch das weitgehend ursprünglich erhaltene Dorfbild mit seiner Dachlandschaft zum harmonischen Eindruck von Oltingen beitragen.

Gallislochquelle und die Wasserversorgung

Gleich hinter dem Hof Sandgrube liegt die Gallislochquelle. Sie ist eine Karstquelle mit regelmässiger Wasserschüttung von durchschnittlich 1100 Minuten-Litern – selbst nach langer Trockenheit.
Zur Zeit der elsässischen Pilgerzüge wurden regelmässig Gottesdienste in Oltingen abgehalten, da man der enormen und konstanten Wasserführung der Quelle nicht traute: Man glaubte, ein unterirdischer See würde diese Quelle speisen, und fürchtete sich vor einem Ausbruch dieser Wassermassen aus dem Bergesinnern. Die Gottesdienste sollten vor diesem Unheil bewahren.
Um 1890 bemühte man sich um eine rationelle Trinkwasserversorgung, welche bis anhin über öffentliche Brunnen mit unregelmässiger Wasserführung erfolgte. Für das Projekt kam nur die Gallislochquelle in Frage. Diese war jedoch in privatem Besitz und lieferte die Wasserkraft für die obere Mühle und die Säge. Nach einem gerichtlichen Enteignungsverfahren erhielt Oltingen 1898 die Erlaubnis, gegen eine Entschädigung (Trink-)Wasser zu beziehen. Im Jahr 1920 sicherte sich Wenslingen einen entsprechenden Anteil, 1944 folgte Anwil.
Das Gebiet der Gallislochquelle liegt nahe bei der Überschiebungszone, wo die älteren Schichten des Faltenjuras auf die jüngeren des Tafeljuras geschoben wurden. Die Roten Mergel aus dem Tertiär sind wasserundurchlässig und übernehmen die Auffangrolle des Wassers. Da das Regenwasser im ganzen Gebiet schnell in den Kalk versickert, sind die Hochflächen arm an Oberflächengewässern. Zudem wurde dieser Effekt ab Mitte des letzten Jahrhunderts durch künstliche Eindolungen vieler kleiner Bäche zusätzlich verstärkt.
2002 wurde das Lebensmittelgesetz verschärft. Nach den neuen Vorschriften enthielten die Trinkwasserproben von Oltingen zu viele Kolibakterien. Ein Verhindern der Belastung war aussichtslos, denn eine starke chemische Lösung des Kalks im Untergrund führte wahrscheinlich zu einer Veränderung des Quelleinzugsgebiets. Auch der Sturm Lothar könnte Schaden am natürlichen Filter angerichtet haben. Eine UV-Entkeimungsanlage sorgt jetzt für konstant keimfreies Trinkwasser.
HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Gerber Christoph et al.: Heimatkunde «Oltige», Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008.
  • Schweizer-Völker Edith und Schulte-Kellinghaus Martin: Mythische Orte am Oberrhein, Christoph Merian Verlag, Basel 2005.

Tabellen und Diagramme

Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung
Gallislochquelle Quellschüttung 2013
Quellen: Wasserstatistik Basel-Landschaft, Amt für Umweltschutz und Energie, 2013