Schönenbuch

Die Sundgauer Gemeinde im Nordwestzipfel des Kantons Baselland hat schon immer engen Kontakt mit Frankreich gehabt. Lange Zeit erfolgte die Entwicklung in den stadtnäheren Gemeinden wie Allschwil. Seit den 1960er-Jahren begann aber auch in Schönenbuch ein rasanter Ausbau der Siedlung. Bekannt geworden ist die Gemeinde in den letzten Jahren durch die Sanierung der Chemiemülldeponie «Le Letten», welche gleich jenseits der Grenze zu Frankreich liegt.



Dorf im Sundgau

Schönenbuch ist ein im Sundgauer Hügelland gelegenes Haufendorf, das auf drei Seiten von Frankreich umschlossen ist. Im Nordwesten liegen Wentzwiller, im Südwesten Hagenthal- le Bas und Hagenthal- le Haut und im Südosten Neuwiller. Zum Kanton Basel gelangte die Gemeinde 1814. Zwei Jahre später erfolgte schon die politische Loslösung von Allschwil. Schönenbuch war immer eng mit den umliegenden Orten in Frankreich verbunden.

Nur zwei Fliessgewässer

In Schönenbuch gibt es zwei Fliessgewässer. Der Chappelengrabenbach fliesst durch das Dorf und mündet in den Lörzbach. Der Lörzbach bildet hier die Grenze zu Frankreich und berührt nur ein kurzes Stück der Gemeinde.Der Chappelenrabenbach ist im Ober- und im Mittellauf eingedolt. Er verläuft nur unterhalb des Dorfes offen und etwas naturnah. Am unteren Teil dieses Baches liegt die Schönenbuchmühle, welche durch einen eigenen Kanal mit Wasser versorgt wurde. Der Lörzbach befindet sich in einem relativ naturnahen Zustand. Zu erwähnen sind die privaten Fischweiher am Bach im Bereich von Schönenbuch.

Wachstum der Siedlung

Bis 1960 bot Schönenbuch das Bild einer ländlichen kleinen Siedlung. Sie hatte sich seit anfangs 19. Jh. kaum verändert. Schönenbuch ist ein Haufendorf mit der etwas unterhalb des Dorfes gelegenen Kirche als Zentrum. Die Häuser folgen auf vier Achsen den verschiedenen Wegen. Ab 1960 erfolgte ein Wachstumsschub der Bevölkerung. Bis 2012 hat sich diese von 298 Einwohnern auf 1418 Einwohner fast verfünffacht. Mit dem Bevölkerungswachstum fand ein Siedlungsausbau statt. Bis 1970 erfolgten eine Verdichtung des Kerndorfes und ein Ausbau entlang der Strasse nach Allschwil.

Neben der Erweiterung der Wohnzonen wurde die Gewerbezone an der Schönenbuch-/Baselstrasse eingerichtet. Zwischen 1970 und 1980 ging die Entwicklung im Hanggebiet im Südwesten oberhalb des Dorfes weiter. Danach folgte das Hanggebiet unterhalb der Strasse nach Allschwil. Heute finden wir ein geschlossenes Siedlungsgebiet, welches bis an die Landesgrenze ausgebaut ist. Auch die Gewerbezone ist voll ausgebaut und bietet rund 60 Gewerbebetrieben Platz. Diese Siedlungsentwicklung benötigte viel Boden. Der Landverbrauch war enorm, hat sich doch die Siedlungsfläche zwischen 1960 und 2013 von etwas mehr 40 000 auf rund 400 000 Quadratmeter fast verzehnfacht.

In Schönenbuch gibt es noch viel (Intensiv-)Landwirtschaft

Da es in Schönenbuch mit Ausnahme für die Mühle keine Wasserkraft gab, entwickelte sich keine Posamenterei und die Gemeinde blieb in ihrem Erwerbsleben hauptsächlich auf die Landwirtschaft fixiert. Schon damals wie auch heute noch bewirtschafteten die Landwirte von Schönenbuch einen guten Teil ihrer Felder auf Elsässer Boden. Sie führen mit entsprechender Bewilligung (Zollfreipass) die Frucht über die Grenze in die Schweiz. Bis in die Fünfzigerjahre spielte die Landwirtschaft eine tragende Rolle. Später entwickelte sich die Gewerbezone an der Gemeindegrenze zu Allschwil. Hinzu kommen noch einige landwirtschaftliche Betriebe. Schönenbuch besitzt mit einem Hektar sehr wenig Wald.

Le Letten – Deponie im Wald jenseits der Landesgrenze

Nur wenige hundert Meter jenseits der Grenze zu Frankreich liegt in einem Wald die ehemalige Deponie Le Letten, welche über Jahre zu heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit Anlass gab, vor allem auch da die Trinkwasserversorgung von Allschwil betroffen war, welche Trinkwasser aus diesem Gebiet bezog. Im Lörzbach wurde eine erhöhte Konzentration von krebserregenden Giftstoffen nachgewiesen.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden sowohl Aushub und Bauschutt als auch Gewerbe-, Industrie- und Chemieabfälle deponiert. Bei den Abfällen der chemischen Industrie in Basel handelte es sich um Rückstände aus der Produktion von synthetischen Farbstoffen sowie von pharmazeutischen und agrochemischen Produkten aus den 1950er-Jahren.

2011 wurde die Deponie ausgeräumt und anschliessend aufgeforstet. Allerdings sind in dieser Gegend noch nicht alle Schadstoffe, welche das Trinkwasser gefährden, entfernt worden. 2013 wurde erneut darauf hingewiesen, dass schon 2011 auf einem Feldweg in Hagenthal-le-Bas Müll aus der Produktion des heute verbotenen Insektizids Lindan der ehemaligen Chemiefabrik Ugine-Kuhlmann, bis vor kurzem ARA STEIH in Huningue, abgelagert wurde.

HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Farner Hans-Peter (Redaktion): Heimatkunde Schönenbuch, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1994.

Tabellen und Diagramme


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung

Landwirtschaftsbetriebe nach Nutzfläche 2012

Ölsaaten: Raps, Sonnenblumen und Soja.

Quellen: Statistisches Amt des Kantons Basel-Landschaft
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