Seewen

Der vor rund 13 000 Jahren durch Bergsturz entstandene See in Seewen gab in historischer Zeit immer wieder zu reden. Themen wie Seeablass, Entwässerung, landwirtschaftliche Nutzung standen immer wieder im Fokus. Heute gibt es Visionen, den See neu entstehen zu lassen. Seewen selbst erlebte erst in den letzten dreissig Jahren einen recht starken Aufschwung. Die Bevölkerung wuchs nach dem deutlichen Rückgang um die Mitte des 20. Jh. wiederum recht stark. Vorher war es ein kleines Bauerndorf im Tafeljura.




Bergsturz und Seewener See

Der Name Seewen bedeutet nichts anderes als «am See». Vor etwa 6–8000 Jahren – neuere Untersuchungen der Seesedimente zeigen ein Alter von 13 000 Jahren – ereignete sich bei Fulnau ein grosser Bergsturz. Auf den Mergeln und Tonen (Oxford, Malm) ist die darüberliegende Korallenkalkplatte vom Homberg ins Tal gerutscht (Übersichtskarte und Profil). Dabei stauten die Bergsturzmassen den Seebach so auf, dass ein See entstand. Um 600 n. Chr. erreichte der See seine grösste Ausdehnung. Danach sank der Seespiegel und die Seefläche schrumpfte. 1588 wurde das Gebiet mit einem Durchstich beim sogenannten Seeloch entwässert.
Die Ebene blieb bis anfangs 20. Jh. ein Sumpfgebiet, wie es in der Siegfriedkarte von 1904 dargestellt wird. 1923 wollte man die Ebene in nutzbares Kulturland umwandeln. Dazu wurden der Seebach begradigt und die Ebene drainiert. Hochwasser des Seebachs haben die Ebene immer wieder (1948, 1984, 2007) mit einem temporären See bedeckt.
Heute bestehen Visionen, den See zu revitalisieren. Damit soll in der Region Basel ein neues Landschaftselement See geschaffen werden. Man erhofft sich dadurch auch Tourismusimpulse, welche der weiteren Entwicklung von Seewen dienlich sein könnten. Probleme bestehen unter anderem durch die geringe Tiefe des gestauten Sees von nur zwei Metern. Man müsste also den See grossräumig ausbaggern.

Basler Weiher und Trinkwasserversorgung der Stadt Basel

Gegen Ende des 19. Jh. nutzte Basel-Stadt den Wasserreichtum von Seewen und erschloss im Seetel 40 Quellen. Teil dieser Erschliessung war die Errichtung des «Baslerweihers» im Jahre 1870. Der Weiher sorgte für eine regelmässige und von den Niederschlägen unabhängige Wasserversorgung. Durch die künstlich angelegte Wasserspeicherung des Sees und die Versickerung konnte die Ergiebigkeit der Quellen im Pelzmühletal gezielt verbessert werden. Das Wasser wurde über mehrere Kilometer nach Grellingen und weiter zum Reservoir auf dem Basler Bruderholz geleitet. Von dort versorgte es die Häuser der Stadt.
Die Trinkwassergewinnung im Pelzmühletal wurde während rund 70 Jahren intensiv genutzt und verlor erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Heute sind der Baslerweiher und das Gebiet des Seebodens Naturschutzgebiete. Der Kanton Basel-Stadt schenkte 2009 den Baslerweiher dem Kanton Solothurn. Der Baslerweiher diente auch lange Zeit als Ausgleich für den Seewener Wasserhaushalt.

Das Dorf

Seewen liegt in einer Mulde des Seebachs am Südhang des Dorneckberges auf dem Gempenplateau. Südwärts schliesst der Kettenjura mit dem Homberg an. Klimatisch zeigt das Becken zwischen Tafel- und Faltenjura einen ausgeprägten Kaltlufthaushalt. Lokal bildet sich auf der Ebene in klaren Nächten ein Kaltluftsee mit markant tieferen Temperaturen. Verkehrstechnisch liegt Seewen zwischen dem Birs- und dem Oristal, hat aber auch direkten Zugang zu den Berggemeinden des Kettenjuras. Prägend für das Dorf wie für die Landschaft ist die ehemalige Seeebene. Dass Seewen eng mit dem damaligen See verbunden ist, zeigt der Fisch im Wappen.
Der Ursprung der Siedlung liegt an der Stelle, wo der obere Seebach einst in den See einmündete. In der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jh. kamen die Bautenreihen entlang der Landstrassen nach Grellingen und Bretzwil hinzu. Beim Einfluss des Bachs in den See lagen ursprünglich nur die Mühle und wenige Häuser. Seit der Trockenlegung des Seebodens dehnte sich Seewen gegen den Talboden aus. Die lang gezogene Strassenbebauung wurde um die Mitte des 19. Jh. mit Bauernhäusern an den Quergassen ergänzt. Die Erstausgabe der Siegfriedkarte von 1877/85 dokumentiert diesen Zustand.
Die wirtschaftliche Entwicklung war wesentlich für den schubweise erfolgten Rückgang der Bevölkerung im 19., aber auch im 20. Jh. Die Bevölkerungszahl erreichte 1980 einen Tiefpunkt. Seither erfolgte eine deutliche Zunahme. 2010 erreichte Seewen wieder ungefähr die Einwohnerzahl von 1860. Diese Bevölkerungszunahme zeigt sich auch in der Siedlungsentwicklung, breitete sich Seewen doch in der Folge am Südhang des Tafeljuras nach oben aus. Heute ist der ganze Südhang bis zum Musikautomaten-Museum überbaut. Ebenfalls weitete sich Seewen Richtung Osten aus. Zu Beginn des 21. Jh. prägten immer noch Wald- und Landwirtschaft die Gemeinde, die über keine Industrie verfügt. Die Erwerbstätigen sind überwiegend Pendler.
HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

 

Literatur

  • Annaheim Hans und Barsch Dieter: Geographischer Exkursionsführer der Schweiz: Exkursionsraum Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographica Helvetica, 18, 241-267, 1963 (pdf).
  • Bienz Georg und Seiffert René (Redaktion): Gempenplateau und benachbarte Talregionen, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 05/06, Wepf & Co., Basel 1990.
  • Bitterli-Brunner Peter: Exkursion 3, Muttenz–Gempen–Seewen–Dornachbrugg, Geologischer Führer der Region Basel, Birkhäuser, Basel 1987.

Tabellen und Diagramme

Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Solothurn ab 2001 Fortschreibung