Therwil

Therwil war ursprünglich ein kleines Bauerndorf im Leimental. Viele auch heute noch bestehende Kanäle zeugen von der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der fruchtbaren Böden. Bedingt durch die Verkehrslage entwickelte sich Therwil in der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einem Wohnort im Agglomerationsbereich von Basel.



Das alte Dorf

Das alte Dorf liegt geographisch sehr günstig. Hier treffen das Marbach- und das Flühbachtal zusammen, nach Osten besteht über den niederen Sattel des «Chäppeli» ein leichter Zugang ins Birseck (Reinach, Autobahn). Therwil ist somit ein kleines, regionales Verkehrskreuz. Trotzdem konnte sich hier kein ausgeprägtes Zentrum entwickeln. Der Dorfkern liegt auf dem niederen Sporn zwischen dem Schliefbach (Flühbach) und dem Grossmattbach, einem Ausläufer der lössbedeckten Hügel Egg und Witterswilerfeld.

Die Bevölkerung betrieb vor allem Acker- und Rebbau. Daneben gab es etwas Gewerbe (Steingruben, drei Mühlen) und Heimarbeit. Die 1887 in Betrieb genommene Birsigtalbahn Basel–Therwil – verlängert nach Flüh 1888 und Rodersdorf 1910 – brachte vereinzelt neue Industriebetriebe, wie 1915 die Kammindustrie oder 1942 die Celluloidwarenfabrik. Die Bahn förderte aber vor allem die wirtschaftliche Ausrichtung nach Basel. Im Sog der Stadt erlebte Therwil ab 1950 einen Bevölkerungsanstieg und in der Folge davon eine starke Bautätigkeit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Dorf nur sehr langsam entwickelt.

Erst ab 1960/70 dehnte sich die Siedlung in zwei Richtungen aus: in der Talachse nach Norden mit mehrheitlich Mehrfamilienhäusern und gegen das Chäppeli mit hauptsächlich Einfamilienhäusern an den Hängen von Vorderberg und Hochfeld. Zu jener Zeit war Therwil eine Pendlergemeinde, wobei die Landwirtschaft noch beträchtliches Gewicht hatte. Seither entwickelte sich Therwil dank seinem Bevölkerungswachstum zu einem bedeutenden Vorort von Basel.

Heute ist das Baugebiet mehr oder weniger überbaut. 1951–56 erfolgte eine Güterzusammenlegung wobei 7 Betriebe ausgesiedelt wurden, teilweise westlich des Dorfes auf dem Linde- und Witterswilerfeld, teilweise auf dem Bruderholz und auf dem Hochfeld. Erwähnenswert sind noch der alte Rebbau im Rebgarten, welcher noch heute existiert, und derjenige am Vorderberg.

Bäche, Kanäle, Mühlen und Wässermatten

Ursprünglich bestand das Gewässernetz aus noch mehr Kanälen und Verzweigungen als heute. Aber auch heute existiert noch ein verwirrendes Netz an Bächen, welche abschnittsweise immer wieder andere Namen tragen.Therwil wird von drei Bächen durchquert. Der Birsig fliesst, von Biel-Benken herkommend, mäandrierend am Fuss des Bernhardsberges entlang der Gemeindegrenze nach Norden. Der vom Schloss Rotberg durch die Klus von Flüh kommende Binnbach heisst in Therwil Schliefbach und mäandrierte bis nördlich von Therwil, wo er in den Birsig mündet.

Der Marchbach, ursprünglich von Witterswil kommend und den Ettinger Dorfbach sowie die verschiedenen Seitenbäche vom Bruderholz aufnehmend, schlängelt sich bis zu seiner Mündung in den Birsig in Oberwil.Diese drei Bäche bildeten das Rückgrat dieses komplexen Teichsystems. So zeigt die Siegfriedkarte von 1888 noch drei Birsmattteiche, die von der Benkemer Grenze her entweder zur Niederen beziehungsweise Unteren Mühle (Teichstrasse!) oder parallel zum Birsig gegen Norden flossen und in diesen mündeten.

Diese und die anderen künstlichen Wasserläufe dienten der Wasserregulierung im damals reinen Wies- und Weidland, wobei der südlichere gleichzeitig der Mühle diente. Mit den Drainagearbeiten zu Beginn des 20. Jh. verschwanden diese Teiche. Neu wurde mit der Überbauung des Birsmattgebiets ein Bach angelegt, welcher das Regenwasser einem Auffangbecken zuführt.

Am Schliefbach liegen seit der Mitte des 20. Jh. Forellenzuchtweiher. Im Weiteren zweigen zwei Teiche von ihm ab, wovon einer zur Oberen Mühle fliesst (Mühlebach). Der Grossmattbach ist ein ehemaliger Bewässerungsteich, der bis in die 1930er-Jahre an der Strasse Benken–Bättwil den Binnbach abzapfte. Ein Vergleich der Karten in Zeitreise zeigt die Veränderungen des Gewässernetzes zwischen 1877 und 2011.

Zonenplanung Landschaft 2013 – ein Blick in die Landschaftsgestaltung der Zukunft

Die Gemeinde möchte im Rahmen der Zonenplanrevision (2012/13) die Landschaft aktiver gestalten. Dazu setzte sie Schwerpunkte, um damit zu erreichen, dass die Planung möglichst umgehend sichtbare Folgen zeigt. Das sind die ausgedehnten Bachläufe im Ackerbaugebiet einerseits und die traditionell kleinräumig strukturierte Kulturlandschaft im hügeligen Ostteil andererseits. Beide sollen für die Bevölkerung wieder attraktiver gemacht werden sollen.

Beispiel «Allee Lindenfeldweg»: Die Zone bezweckt die Pflanzung einer Allee mit standortgerechten Feldbäumen beidseits des Weges. Mit der Allee soll der historische Wegverlauf unterstrichen werden. Die Verbindung wurde im 18. Jh. als «Strass von Pruntrut nach Arlesheim» bezeichnet, den beiden Verwaltungszentren des Fürstbistums Basel. Im Plan von Wenk 1830 ist dieser Weg als «Leimen-Weg» bezeichnet. Schon früher bestand entlang dieses Weges eine Allee. In der Landeskarte von 1955 ist die Allee noch deutlich erkennbar.

Beispiel Überschwemmungsgebiet: Mehrere Hektaren überschwemmungsgefährdetes Ackerland zwischen den Hauptbächen sollen in Anlehnung an die Nutzung vor fast 100 Jahren in periodisch überschwemmte Feuchtwiesen umgewandelt werden.

Siedlungstrenngürtel

Ein zusammenhängender Siedlungsgürtel erstreckt sich von Basel durch das Birsigtal bis Therwil. Zwischen Therwil und Oberwil beziehungsweise Biel-Benken (Birsmatt/Bernhardsberg) einerseits und zwischen Therwil und Ettingen (Witterswilerfeld, Brimatten, Hochfeld) andererseits sind im kantonalen Richtplan Siedlungstrenngürtel festgehalten. Diese sollen die Siedlungsräume gliedern und ein weiteres Zusammenwachsen der Ortschaften verhindern. Siedlungstrenngürtel von kantonaler Bedeutung sichern grössere zusammenhängende Landschaftsräume im Einzugsbereich grösserer Siedlungsentwicklungsachsen.

Zersiedlung und Raumplanung

Mit der Ausdehnung der Agglomeration Basel in ehemals ländliche Gebiete hat auch das schweizerische Leimental eine massive Zersiedlung erfahren. Die Raumplanung konnte diese Entwicklung aus mehreren Gründen nicht verhindern. In der Wachstumseuphorie der 1960er- und 1970er-Jahre wurden überdimensionierte Bauzonen ausgeschieden und in der Folge in Streubauweise überbaut. Eine rechtlich verbindliche kantonale Raumplanung, welche die Siedlungsentwicklung hätte lenken und koordinieren sollen, setzte erst mit grosser Verspätung ein.

HPM

Karten

Luftbilder

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Leimgruber Walter: Leimental und Bruderholz, Geographischer Exkursionsführer der Region Basel, Bd. 04, Wepf und Co., Basel 1979.
  • Wehrli Sarmiento Nicole: Siedlungswachstum im schweizerischen Leimental und die Rolle der Raumplanung, Regio Basliensis 51/1, 2010.
  • Zumthor Franz u.a.: Heimatkunde Therwil, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1999.

Tabellen und Diagramme


Hinweis: Im November 2014 erreichte die Bevölkerung die Zahl 10 000 und würde nach der bis 2012 zählenden Definition des Bundesamtes für Statistik zur Stadt. Nach der neuen Definition zählt Therwil statistisch nicht mehr zu den Städten!
Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung


Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft und Kanton Solothurn ab 2001 Fortschreibung

Leimental Bevölkerungsprognose von 1963

Quellen: Wehrli Sarmiento Nicole, Stat. Ämter Kanton BL und SO, Fortschreibung
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