Bäumlihof

Die Sommerresidenz grossbürgerlicher Familien mit ausgedehntem Bauerngut entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Naherholungsraum mit grosser Bedeutung für die naturräumliche Vernetzung. Der Bäumlihof, auch Klein-Riehen genannt, soll mit einer neuen Zonenplanung dem Siedlungsdruck und der Bebauung entzogen werden.




Vom «Baimlihof» zum «Bäumlihof»

Der Name Bäumlihof bezeichnet ein Landgut zwischen Basel und Riehen, das ein Herrschaftshaus samt Park und ein dazu gehörendes Landwirtschaftsgut umfasst. Der Name leitet sich von «Baimlihof» ab, eine Bezeichnung, die laut dem Lokalhistoriker Paul Koelner in der Umgangssprache des Kleinbasels verwendet wurde. Seit 1709 ist für das Landgut auch der Name «Klein-Riehen» bezeugt, der bis weit ins 20. Jh. im Basler Grossbürgertum gebräuchlich war.

Lage am Rand des alten Wiesedeltas

Das Gut Bäumlihof liegt auf den Niederterrassenschottern des Rheins im Bereich eines alten Rheinarms, der vor circa 30 000 Jahren südlich der Geländekante des heutigen Riehens vorbeifloss. Das Wiesedelta drängte den Rhein an dieser Stelle immer mehr nach Süden, wobei das sogenannte Rheinknie und das Areal des Bäumlihofs entstanden. Noch heute sind südlich des Bäumlihofs Vertiefungen erkennbar. In einer Federzeichnung von Emanuel Büchel aus dem 18. Jh. sind sie als drei Weiher dargestellt. Diese Vertiefungen sind die topografischen Überreste von alten Seitenarmen der Wiese, die früher über die Habermatten und das heutige Hirzbrunnenquartier in den Rhein flossen. Diese und weitere Seitenarme der Wiese haben mit ihrem Geschiebe das heutige Kleinbasel und das Rheinknie gebildet (vgl. auch die Karte am Ende des Textes unten). Das Areal des Bäumlihofs wird von der Äusseren Baselstrasse im Westen, von der Siedlung Niederholz im Norden und von der Bäumlihofstrasse im Süden begrenzt.

Vom Weingut zum herrschaftlichen Sommersitz

Das Kerngebiet des Bäumlihofs wurde nach einer Überlieferung ursprünglich wohl als Weingut des Klosters Klingental begründet. Nach mehreren Besitzerwechseln diente es ab 1686, mit einer Ausnahme von 14 Jahren, als Sommersitz der Basler Grossbürgerfamilien Burckhardt, Merian und Geigy.
Das heute noch bestehende Hauptwohnhaus wurde 1686 erbaut. Um 1730 kam es zu ersten grösseren Umbauten. Wohn- und Ökonomiegebäude wurden rechtwinklig zusammengefasst, vor dem Herrschaftshaus wurden ein barocker Garten nach französischer Art und ein Gartenhaus für grosse Empfänge angelegt. In einer zweiten Umbauphase um 1800 wurde der bestehende Garten in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet und ein Park für Hirsche eingerichtet. Der Landwirtschaftsbetrieb erhielt eine neue Scheune und Stallungen, die nun in einer Linie mit den Herrschaftsgebäuden standen. In der dritten Umbauphase um 1860 bis 1880 wurde eine neue Wasserversorgung mit Wasserturm und Maschinenhaus, aber auch ein neues, grösseres Herrschaftshaus gebaut, das 1951 allerdings wieder abgerissen wurde, da es als Sommerhaus konzipiert war und sich nicht ganzjährig beheizen liess. Daneben wurde in zwei neuen Villen zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Als jüngster Neubau wurde 2003 als Konferenz- und Eventzentrum der «Hirzen Pavillon» errichtet.
Seit das heutige Bäumlihofgut 1575 erstmals als Privatbesitz urkundlich erwähnt wurde, wuchs die Fläche von einer Hektare in mehreren Etappen auf eine Fläche von rund 50 Hektaren im Jahr 1860. Das Gebiet des Bäumlihofs erstreckte sich in dieser Zeit von den Langen Erlen und dem Spittelmatthof im Westen bis an den Rhein im Osten, bis zum Niederholz im Norden und zur Allmendstrasse im Süden. Ab 1861 nimmt mit dem Bau der Wiesental- und der Hochrheineisenbahn und den damit verbundenen Landabtretungen die Fläche erstmals ab. 1953 und 1982 werden Landanteile an den Kanton Basel-Stadt verkauft. Der Landwirtschaftsbetrieb wird seit 1983 von Basel-Stadt verpachtet. Der Park und die Wohngebäude verblieben in Privatbesitz.

Landwirtschaftliche Nutzung

Auf dem Gebiet des Bäumlihofs wurden vermutlich im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit hauptsächlich Reben und Getreide angebaut, einige Gebiete wurden als Wässermatten und für die Viehzucht genutzt. Aus einer Chronik ist zu entnehmen, dass 1722 auf dem Galgenfeld (heute etwa beim Rankhof) Roggen und Korn geerntet wurde. Im Verlauf des 19. Jh. kamen mit dem Anwachsen der Stadt, den neuen Transportmöglichkeiten und dem einsetzenden bescheidenen Wohlstand breiterer Gesellschaftsschichten Milch- und Viehwirtschaft dazu. Auf dem Bäumlihofgebiet wurde auch an mehreren Stellen Kies abgebaut.Gegen Ende des 20. Jh. verlor die Milch- und Viehwirtschaft wieder an Bedeutung. Als alternative Nutzung werden nun Blumen zum Selberpflücken angepflanzt.

Der Siedlungsdruck bedrängt den Bäumlihof

Bereits in den 1950er-Jahren des 20. Jh. nahm der Siedlungsdruck auf die Freiflächen des Bäumlihofareals zu. Im Süden wurde das Hirzbrunnenquartier gebaut, im Norden das Niederholzquartier. Bei der Neufestlegung der Gemeindegrenzen zwischen Riehen und Basel beschloss der Grosse Rat von Basel-Stadt eine Zonenordnung, die an der Stadtgrenze eine Grünzone und Wanderwege vom Rhein bis zur Wiese vorsah. Bereits in den 1960er-Jahren wurde diese Grünzone mehrfach in Frage gestellt, sei es durch die Planung der Osttangente, die den Anschluss von der schweizerischen zur deutschen Autobahn über das Bäumlihofgebiet und die Langen Erlen vorsah, sei es durch Konzepte, die etwa einen Museumsneubau auf dem Bäumlihofareal vorsahen.

Planungen, Volksinitiativen und Naturschutz

Nach zehnjährigem Engagement verschiedener breit abgestützter Umweltschutzgruppierungen bewilligte die Basler Stimmbevölkerung 1982 in einer Abstimmung den Kauf und die Unterschutzstellung eines grossen Gebiets des Bäumlihofs. In den 1990er Jahren führten Planungen zu einer Teilüberbauung des Dreilindenareals zu einer Volksinitiative mit dem Titel «Der Bäumlihof bleibt grün«. Die Initiative wurde im Jahr 2000 zurückgezogen, nachdem die Baselstädtische Regierung die Freihaltung des Gebiets bis mindestens 2012 zugesichert hatte.
Gemäss dem Zonenplan von 2012 soll das Bäumlihofareal von der Raumreserve für spätere Generationen in eine Grünzone mit überlagerter Naturschutzzone umgezont werden. Damit ist die Zusicherung verbunden, dass der Raum nördlich der Bäumlihofstrasse vollständig als offener Grünraum im Landschaftspark Wiese gesichert ist. Damit wird die Bedeutung des Gebiets für die naturräumliche Vernetzung zwischen den Langen Erlen und dem Rheinraum unterstrichen. Das Gebiet Bäumlihof soll gemäss dieser Planung in Zukunft auch für Angebote im Bereich Erholung und Naturerlebnis genutzt werden können.
Seit 2009 besteht auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Bechtle, das nördlich an den Bauernhof anschliesst, ein Naturschutzreservat, das von Pro Natura Basel betreut wird. Es dient als Rückzugsgebiet für Flora und Fauna und ist daher nicht öffentlich zugänglich. Neben Feldhase, Fuchs und Dachs kommen auch mindestens sechs Schmetterlingsarten (darunter der Dunkelbraune Bläuling) sowie mindestens vier Heuschreckenarten vor (z. B. die Blauflügelige Ödlandschrecke). Auch wurden zwei Teiche angelegt, die der in der Gegend noch verbreiteten, im übrigen Kanton Basel-Stadt aber vom Aussterben bedrohten Geburtshelferkröte eine Heimat bieten sollen.
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Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Paul Koelner Bäumlihof: Kleinriehen: Ein Basler Landgut und seine Besitzer, Basel 1953.
  • Raith Michael: Vom Rheinbett zum Niederholzquartier: die Entwicklung von Riehens Süden, in: Z"Rieche. 31 (1991), S. 21-35.

Tabellen und Diagramme

Der Verlauf der Wiese zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert.Legende:Verlauf der Wiese bei Basel, Kleinbasel. 1. Münsterhügel 2. munimentum prope Basiliam in Kleinbasel 3. Römische Brücke (?) und Schifflände 4. Spätrömische Siedlungsreste am Petersplatz 5 Gräberfeld am Totentanz 6. Gräberfeld Aeschenvorstadt 7. Separat (?) Friedhof S. Alban-Graben 8. Alamannisches Gräberfeld Kleinhüningen 9. Alamannisches Gräberfeld St. Theodor 10. Alamannisches Gräberfeld Gotterbarmweg 11. Fränkisches Gräberfeld Bernerring
Nachweis:Überblickskarte mit der Situation am Rheinknie bei Basel zwischen dem späten 4. und dem 8. Jh. Aus dem Artikel: Peter Andrew Schwarz, Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem frühen 7. Jahrhundert, aus: Bayerische Akademie der Wissenschaften - Philosophisch-Historische Klasse, NF Heft 138, Juli 2010, S. 329