Ebenrain

Einst Jagdschloss und Refugium eines erfolgreichen Unternehmers aus der Stadt Basel ist der Ebenrain heute ein Repräsentativbau des Kantons Basel-Landschaft, der für öffentliche und private Anlässe genutzt wird.




Lage und Name

Das Schloss Ebenrain liegt am Westrand von Sissach in einem baumbestandenen Park. Vor dem Bau der Talentlastungsstrasse H2 im Jahr 1967 lag der Ebenrain an der Hauptstrasse Basel–Olten an prominenter Lage. Seither ist der Ebenrain von Sissach etwas abgeschnitten, nachdem der Bahnübergang und die auf den Sitz hinführende Strasse aufgehoben wurden. Riesige Bäume verbergen heute die Gebäude vor dem Auge des eilig im Zug Vorbeifahrenden. Der Name kommt aus dem Alemannischen und bedeutet Ebene am Abhang.

Geschichte von Schloss und Gutsbetrieb

Der Auftraggeber zum Bau des Ebenrains, Martin Bachofen (1727–1814), war Seidenbandfabrikant in Basel. Nach Auslandsaufenthalten war er 1748 Teilhaber der väterlichen Fabrik geworden. Nach seiner Heirat mit Margaretha Heitz erwarb er 1758 den Rollerhof auf dem Basler Münsterplatz und errichtete dort seine Firma. Durch das Verlagswesen reich geworden, brauchte auch Bachofen einen Herrschaftssitz wie den Bäumlihof der Burckhardts als Repräsentativbau und als Sommerresidenz.
Es wurde berichtet, dass Bachofen den Standort Sissach für den von 1774–1776 erbauten Landsitz wegen der Jagdreviere um Sissach gewählt habe und sich dort oft bis zum Ende der Jagdzeit im Februar aufgehalten habe. Der Grund für den Kauf an dieser Stelle war, dass dieses Land als «Einschlag» nicht dem Flurzwang unterstand und deshalb verkauft werden durfte. Als «Einschlag» unterstand das Land auch nicht dem Zehnten und war somit als Privatland steuerbefreit. Nach dem Tod von Bachofen wechselte der Ebenrain mehrfach den Besitzer, bis er im Jahr 1951 in den Besitz des Kantons Basel-Landschaft überging. In den Jahren 1986 bis 1989 wurden die Gebäude innen und aussen restauriert. Seit dem Erwerb durch den Kanton wird der Landsitz für Konzerte und zu Repräsentationszwecken genutzt. Im Schloss können zivile Heiraten durchgeführt werden. Ansonsten ist eine private Nutzung nur im Rahmen von Apéros im Garten des Schlosses möglich.
Der zum Areal gehörende Landwirtschaftsbetrieb wurde zu einer Landwirtschaftlichen Schule erweitert und mit einer bäuerlichen Haushaltungsschule ergänzt. 1954 wurden die baufälligen Gebäude des Gutsbetriebes abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Seit 1999 ist der Betrieb verpachtet. Der Gutsbetrieb steht auch nach der Verpachtung den Schulen am Ebenrain, der praktischen Landwirtschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.
Die Landwirtschaftsschule heisst heute «Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain» und richtet heute neben Ausbildungslehrgängen und Beratung von Landwirten auch Direktzahlungen für ökologische Ausgleichsflächen und Investitionshilfen im Auftrag des Bundes aus. Auf dem Gelände besteht auch ein Schulgarten. Neben dem Schloss, dem Gutsbetrieb und dem Landwirtschaftlichen Zentrum beherbergt der Ebenrain heute auch das kantonale Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesen.

Baugeschichte

Die Quellen zur Baugeschichte sind spärlich, angeblich weil der Erbauer ob der hohen Kosten das Rechnungsbuch verbrannte. Bekannt ist jedoch, dass das Bauholz aus dem Diegterwald stammte. Entworfen wurde der Landsitz vom Barockarchitekten Samuel Werenfels, der die Pläne 1774 signierte und datierte.
Der Barockgarten im Norden und Süden wurde vom Berner Architekten Niklaus Sprüngli entworfen. Der Vergleich von Ansichten von Norden mit einem erhalten gebliebenen Plan von Sprüngli zeigt, dass Landsitz und Garten weitgehend nach den Plänen umgesetzt wurden. Noch unter dem Erbauer Martin Bachofen wurde 1805 die barocke Gartenanlage, deren Gestaltungsprinzip die Beherrschung der Natur war, nach Süden in einen englischen Garten umgewandelt – nur die Baumallee in der Mittelachse blieb bestehen. Erst nach 1817 wurde unter dem nächsten Besitzer auch der nördliche Bereich in einen englischen Park umgestaltet. Der englische Garten grenzte sich gegen die starren Formen des Barockgartens ab und liess, dem sich wandelnden Zeitgeist entsprechend, mehr «Natürlichkeit» zu.
Die Gebäudegruppe war seit Anbeginn in den Hauptbau und die beiden den Hof flankierenden Ökonomiegebäude gegliedert. In den Nebengebäuden waren die Gärtner- und die Lehenwohnung wie auch die Orangerie im Westen und eine Scheune bei der westlichen Einfahrt untergebracht. Ein elsässischer Textilkaufmann kaufte nach 1870 weiteres Land hinzu und vergrösserte den Landwirtschaftsbetrieb. Weitere die Gebäude betreffende Änderungen wurden erst 1872 vorgenommen. Das Haupthaus erhielt ein Schieferdach, ein Glasvordach und eine gusseiserne Glasveranda auf der Nordseite. Der Innenhof erhielt einen Brunnen, die Orangerie wurde vergrössert und erhielt einen Turm. Aus dem Barockpalais wurde eine Villa im bürgerlichen Stil. In dieser Zeit wurde auch der Park nach Osten vergrössert und ein Pförtnerhaus und weitere Ziergebäude wurden angebaut, die bis auf das Pförtnerhaus nicht von Dauer waren. Im 20. Jh. erfolgten zwei bauliche Sanierungen (1934, 1942) und 1986–1989 eine umfassende Aussen- und Innenrenovation unter denkmalpflegerischer Aufsicht.

Die Rettung der Lindenallee um 2003

Die Lindenallee ist der älteste Teil der Gartenanlage und wurde als einziger Teil nie umgestaltet. Durch das starke Höhenwachstum wurden die Linden anfällig für Faulstellen und Ausbrüche, was die Sicherheit der Parkbenutzer gefährdete. Schon 1981 kam es zu mehrern Brüchen von Ästen im Bereich der Baumkronen. Um 2001 wurde eine umfassende Analyse der Lindenallee durchgeführt und die Baumexperten kamen zum Schluss, dass die Linden durch Kappung auf beschränkte Zeit erhalten werden können. Die Allee kann so das Gestaltungsziel, eine Sichtachse zu bilden, noch eine Weile weiter mit den meist ursprünglichen Bäumen erfüllen, bevor die Linden eines Tages ihren Alterszenit überschritten haben.
Der Ebenrain verfügt des Weiteren über einen wertvollen Bestand an anderen mächtigen alten Bäumen, die zum Teil noch aus der ersten Hälfte des 19. Jh. stammen. Diese Bäume bilden einen Bestand, der die Landschaft heute weit herum sichtbar prägt und den Repräsentationsbau beinahe verdeckt. Der an das Schloss anschliessende Park bietet Familien und Ruhesuchenden einen Ort zur Erholung.
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Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Heyer Hans-Rudolf: Schloss Ebenrain in Sissach, Schweizerische Kunstführer GSK, Bern 1992 (veröffentlicht auch unter: baselland.ch/main_eben-htm.273855.0.html).
  • Schwab-Plüss Margaretha: Meine Kindheitserinnerungen an den Ebenrain, in: Baselbieter Heimatbuch, Bd. 9, Liestal 1992, S. 99–106.
  • Stauffer Thomas: Gartenanlage Schloss Ebenrain - Lindenallee Ade? in: Anthos, Zeitschrift für Landschaftsarchitektur, Bd 44, Heft 1, 2005, S. 23-25, (auch als E-Paper, ETH Bibliothek).