Hardwald

Der Hardwald hatte und hat eine grosse Bedeutung für die Region. Früher diente der damalige Eichenwald als Wytweide, heute der Grundwasseranreicherung für die Trinkwasserversorgung der Region. Der Wald ist aber auch Erholungsgebiet für die Bevölkerung. Er wurde und wird von allen Seiten von den Siedlungen, von der Industrie und den Verkehrsanlagen bedrängt und zerschnitten.




«Dazu liegt noch in der Ebene zwischen dem Rhein und dem ersten Ackerfeld die Hardtwaldung; dieselbe erstreckt sich vom Birsfeld bis in den Bann Pratteln und nimmt einen Flächenraum von circa 1100 Jucharten ein, wovon über 900 Jucharten im hiesigen Bann liegen und der Stadt Basel gehören.» (Heimatkunde Muttenz 1863).

Von der Eichenwald-Wytweide zum Buchenwald

Der Hardwald in Muttenz wurde seit dem 16. Jh. als wichtiger Weidewald Basels sowie als Eichenbestand für die Eichelmast gepflegt. Die Umstellung von der Waldweide auf Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung setzte in der Hard bereits um 1800 ein. Ab 1871 begann die Umwandlung des Waldbestandes in einen Hochwald mit dem Ziel, den Holzvorrat zu steigern.
Einführung und Ausweitung der Hochwaldbewirtschaftung führten zu einem kontinuierlichen Anstieg des Holzvorrates. Dies hatte eine zunehmende Verdunkelung des Waldes zur Folge. Dadurch verschwanden zahlreiche lichtliebende Pflanzenarten und die Zusammensetzung von Flora und Fauna änderte sich grundlegend.
Zwischen 1872 und 1935 wurde die Rotbuche stark gefördert. Von den über 1,5 Millionen gepflanzten Sprösslingen verblieben bis 1947 noch 24 881 Stämme, da die meisten Jungpflanzen auf den rasch austrocknenden Böden der Niederterrassenschotter eingingen.
Seit dem 19. Jh. veränderte sich auch die Fläche des Hardwaldes. Noch um 1833 wies die Hard eine Gesamtfläche von 360 Hektaren auf. Diese wurde durch verschiedene Bauprojekte stetig verkleinert. Heute sind von der Hard noch 258 Hektaren übrig geblieben. Das Kerngebiet umfasst noch rund 200 Hektaren, was etwa der Hälfte der Waldfläche des 19. Jh. entspricht.

Trinkwasseranreicherung im Hardwald

Die Stadt Basel litt im Sommer 1947 unter Wassermangel. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges liess den Wasserbedarf ansteigen, während das trockene Wetter den Grundwasserstand absenkte und die Quellschüttungen zurückgingen. In der Folge untersuchte das damalige Gas- und Wasserwerk Basel (heute IWB) verschiedene Möglichkeiten, wie das fehlende Trinkwasser in Zukunft beschafft werden könne. Es wurde die direkte Aufbereitung von Rheinwasser, die Herleitung von Seewasser – beispielsweise aus dem Vierwaldstättersee – und die Anzapfung von weit entfernten Grundwassergebieten geprüft.
Von 1950 an wurden die Grundwasserverhältnisse in der Muttenzer Hard systematisch untersucht. In der Folge wurde 1955 die Hardwasser AG mit Sitz in Pratteln gegründet. Seither lässt man in der Hard Rheinwasser in den Niederterrassenfeldern des Hardwaldes versickern. Bei der Versickerung durch die Schotter wird das Rheinwasser natürlich gereinigt.

Verkehrsträger zerschneiden den Wald

Durch die Hard führte schon seit der Römerzeit eine Strasse von Birsfelden nach Augst. Die andere, später wichtigere Verbindung (Kantonsstrasse) führte von St. Jakob über Muttenz immer südlich des Hardwaldes nach Pratteln. Der erste neue Verkehrsträger im 19. Jh., die Eisenbahn Muttenz–Pratteln, durchschnitt dann den Hardwald auf der Länge vom heutigen Bahnhof Muttenz bis in die Lachmatt/Hardfeld. Am östlichen Rand zerschnitt zudem die Zubringerline vom Bahnhof Pratteln zur Saline Schweizerhalle den östlichsten Teil des Hardwaldes.
Mit dem Bau des Rangierbahnhofes Muttenz I (Eröffnung 1933) erfolgte jedoch der ganz grosse Eingriff im Wald. Der Vergleich der beiden Siegfriedkarten von 1923 und 1931 zeigt die einschneidende Veränderung. Diese Anlage diente dem Nord-Süd-Verkehr und wurde 2013 modernisiert.
Der für den Güterverkehr in Richtung Süd-Nord langersehnte Rangierbahnhof Muttenz II wurde 1976 in Betrieb genommen. Er wurde nördlich des Rangierbahnhofes Muttenz I angegliedert und benötigte erneut grosse Flächen Wald. Die 1969 eröffnete Autobahn N2 Basel–Augst und deren Verbindung nach Birsfelden folgten den Eisenbahnanlagen und verbreiterten somit die Verkehrsfläche.
Von 1937 bis 1942 erfolgte der Bau der beiden Rheinhäfen Birsfelden und Au.
Der Krieg beeinträchtigte jedoch die Arbeiten und den Betrieb. Die Hafenbahn von Muttenz zum Birsfelder Hafen wurde 1940 gebaut und beschnitt den Hardwald im Westen. 1941 legte ein erstes Kohlenschiff in Birsfelden an. Von 1944-1946 war infolge kriegerischer Zerstörungen des Kraftwerkes Kembs und der damit verbunden Absenkung des Wasserstandes der Hafenbetrieb eingestellt. Mit dem 1954 in Betrieb gegangenen Kraftwerk Birsfelden wurde der Wasserstand geregelt. Die beiden Rheinhäfen wurden in der Folge immer mehr ausgebaut.
Die Rheinaue erfuhr mit dem Bau der Rheinhäfen und dem Bau des Kraftwerks Birsfelden eine grundlegende Veränderung. So verschwanden der Silberweiden-Wald in der Au und die besondere Flora der Nagelfluhfelsen am Rheinufer. Durch den Rückstau des Kraftwerks Birsfelden veränderte sich die Zusammensetzung der Wasserfauna.

Pioniervegetation stellt sich ein

Die Pionierstandorte im Auhafen und im Areal des Rangierbahnhofs zeichnen sich durch eine besondere Flora aus. Von den rund 200 Arten des Auhafens sind rund 25 % gefährdet; von den 130 Arten des Rangierbahnhofs sind es 20 %. Neben den vielen Seltenheiten weisen Pionierstandorte aber auch einen hohen Anteil an Neophyten auf.
Viele Pionierarten waren ursprünglich auf den kahlen Schotterflächen von natürlichen Flussauen beheimatet. Auf unversiegelten Restflächen des Hafenareals, des Rangierbahnhofs sowie der Gewerbe- und Industriezonen haben sie Ersatzlebensräume gefunden. Hier herrschen Standortverhältnisse, die jenen von Flussauen ähnlich sind. Anstelle von Hochwassern verhindern Materialumschlag, regelmässiges Befahren oder häufiges Begehen eine ungestörte Vegetationsentwicklung. Deshalb bleiben solche Stellen offen und vegetationsarm, so dass sich auch konkurrenzschwache Arten ansiedeln können (vor allem einjährige Pflanzen).
HPM

Karten

Luftbilder

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Imbeck Paul: Natur im Wandel, in: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, Naturschutzgebiete, S. 70.
  • Meier-Küpfer Hans: Florenwandel und Vegetationsveränderungen in der Umgebung von Basel seit dem 17. Jahrhundert (= Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme der Schweiz, Heft 62), 2 Bde., Flück-Wirth, Teufen AR 1985.
  • Meier-Küpfer Hans: Pflanzenkleid im Wandel – Entwicklung in und um Basel seit 1600. Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft Basel 102/1, 1992, S. 133-174.
  • Tschudin Johannes, Hauser Heinrich und Meyer Johann Jakob: Heimatkunde von Muttenz 1863, Muttenzer Schriften 1, 1987.