Eital

Zur Düngung wurden früher die Wässermatten während und nach der Schneeschmelze sowie nach jedem Schnitt gezielt gewässert. Dazu war ein System von Zuleitungskanälen notwendig. Diese Bewirtschaftungsform verschwand im Laufe der Zeit völlig. Aus ökologischen Gründen, aber auch als kulturhistorisches Anschauungsobjekt, wird die Fläche Jhegi im Eital wieder als Wässermatte betrieben.




Alte Form der Grünlandbewirtschaftung

Das Eital erstreckt sich von Tecknau bis nach Zeglingen. Das landschaftlich reizvolle Tal des Eibachs ist typisch für den Baselbieter Tafeljura. Wie in anderen Tälern des Tafeljuras wurden früher auf der Talsohle grosse Flächen als Wässermatten genutzt. Eine Zeichnung des Giessen von Emanuel Büchel aus dem Jahr 1755 zeigt eine Wuhranlage, bestehend aus einem Schieber und einem Graben und lässt auf die frühere Wässermattennutzung schliessen. Solche Anlagen zur Bewässerung des Grünlands wurden im Eital bis zu Beginn des 20. Jh. genutzt.

Bodenverbesserung und Artenvielfalt

Wässermatten werden durch Zuleitung von Bachwasser periodisch überschwemmt. Mit dem Wasser gelangen Feinerde und organisches Material auf das als Heumatte genutzte Grünland. Dadurch wird die Wiese gedüngt und bewässert. Zusätzlich werden Schädlinge bekämpft, indem zum Beispiel die Wohnröhren der Maulwurfgrille überflutet werden.
Die Gräben und die zeitweise gefluteten Wiesenflächen sind Lebensräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Wasser- und Watvögeln nutzen die Wiesenflächen zur Nahrungssuche, und die Gräben dienen Amphibien und Libellen als Fortpflanzungsbiotop. Pflanzen wie Brunnenkresse (Nasturtium officinale) oder Bachbungen-Ehrenpreis (Veronica beccabunga) besiedeln die Uferbereiche der Gräben.

Reaktivierung der Wässermatten

Die Flächen im Eital werden heute vorwiegend für den Futterbau genutzt und wenig intensiv bis extensiv bewirtschaftet. Dies sind ideale Voraussetzungen, um Wässermatten zu reaktivieren. Pro Natura Basel-Landschaft gab 2004 eine entsprechende Studie in Auftrag und fand schliesslich eine passende, 80 Aren grosse Fläche. Die Landeigentümer und Pächter zeigten sich mit dem neuen Nutzungskonzept einverstanden. Es konnte in der Folge ein Wehr zur Wasserableitung, ein Kanal zur Zuführung und ein Kanal zur Rückführung des Wassers in den Bach gebaut werden. Seit 2007 wird das Gebiet Jhegi wieder als Wässermatte genutzt. Drei- bis viermal im Jahr setzt der Landwirt die Wiese für mehrere Tage unter Wasser. Mineralien und organisches Material aus dem Bachwasser lagern sich ab und düngen den Boden.

Rückkehr von Tieren und Pflanzen

Der Heuertrag auf den Wässermatten ist zu vergleichen mit demjenigen konventionell bewirtschafteter Flächen. Das Wässern und der Unterhalt der Kanäle verursachen allerdings einen etwas höheren Aufwand. Auf den Wässermatten stehen mit den verschiedenen Gräben und den zeitweise überschwemmten Wiesen wieder Lebensräume für speziell angepasste Insekten, Amphibien und Säugetiere sowie Pflanzen bereit. Da die Wässermatten einen hohen ökologischen Wert haben, erhält der Bewirtschafter für seine historische Anbauweise einen finanziellen Bewirtschaftungsbeitrag.

Naturschutzgebiet Eital-Summerholden

Etwas weiter unten im Tal befindet sich das Naturschutzgebiet Eital-Summerholden. Es besteht aus den südwestexponierten Flanken des Eitals sowie kurzen Seitentälern und ist mehrheitlich mit Wald bestockt. Hier befinden sich auch feuchte Schluchtwälder mit einem dichten Unterwuchs. Bei der Wasserflue liegt auch die Bruderlochhöhle. Wie in anderen Höhlen in der Region lebte hier eine Fledermauskolonie, die aber wegen häufiger Störungen verschwunden ist.
DK

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Boschi Cristina et al.: Die kleinen Fliessgewässer – Bedeutung – Gefährdung – Aufwertung. Hochschulverlag Zürich, 2003.
  • Götz Werner: Wässermatten Jhegi. Technischer Bericht. nateco Gelterkinden, 2005.
  • Imbeck-Löffler Paul (Hrsg.): Natur Aktuell. Lagebericht zur Situation der Natur im Kanton Basel-Landschaft im Jahr 1988. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 1989.
  • Suter Paul: Beiträge zur Landschaftskunde des Ergolzgebiets. Dissertation Universität Basel, 1926.
  • Vogt Markus: Vorstudie Aktivierung von Wässermatten im Eital. nateco Gelterkinden, 2004.