Isteiner Klotz

Zwischen den Dörfern Istein und Kleinkems liegt ein Bergrücken, der sich rund 140 Meter über die Rheinebene erhebt. Das Naturschutzgebiet heisst aufgrund seiner markanten Kalkfelsen Isteiner Klotz und gehört zur Gemeinde Efringen-Kirchen. Die vielfältigen Lebensräume zwischen den Rebbergen bestehen aus Felsen und Magerrasen mit einer charakteristischen Trockenvegetation sowie trockenwarmen Säumen und Gehölzen.




Von der Naturlandschaft zum Naturschutzreservat

Der Fels des Isteiner Klotzes ist eine steil zum Rheintal abfallende Weissjurascholle, die vor 160 Millionen Jahren entstanden ist. Der markante Felsvorsprung thront über der Oberrheinebene und ist von weitem sichtbar. Vor 60 000 Jahren lag der Rhein noch 30 Meter höher; sein Gerinne verlief direkt am Felsen vorbei. Durch die Rheinkorrektion, den Eisenbahnbau, die Anlage von Steinbrüchen, Festungsbauten während der Weltkriege und zahlreiche Sprengungen wurde die Landschaft ab 1850 stark verändert. Heute ist nur noch ein Zehntel der natürlichen waldreichen Felsstandorte erhalten, und viele Arten sind verschwunden. Trotzdem ist die Fauna und Flora auf kleinem Raum noch immer sehr artenreich. Aus diesem Grund wurde die im Volksmund «Klotzen» genannte Erhebung im Jahre 1986 auf einer Fläche von rund 25 Hektaren zum Naturschutzgebiet erklärt.

Trockenstandort und Wärmeoase

Das Reservat wird im Norden vom Waldgebiet Buchgraben und südöstlich von Rebhängen begrenzt. Dort stehen noch Reste alter Trockenmauern. In manchen Bereichen ist die traditionelle, kleinräumige Strukturierung mit ihren kleinen Parzellen erhalten geblieben. Auf kleinstem Gebiet hat sich ein Lebensraummosaik mit seltenen Pflanzen- und Tierarten entwickelt. Selbst innerhalb des trockenen und warmen Südwesten Deutschlands nimmt das Gebiet eine Sonderstellung ein. Dank der exponierten Lage ist das ausgeglichene Klima am Isteiner Klotz ausserordentlich warm, trocken sowie frost- und windarm. Die Bodentemperaturen erreichen stellenweise 70°C. Viele vorkommende Arten stammen daher aus dem Mittelmeerraum.

Vielfältiges Vegetationsmosaik

Der Isteiner Klotz beherbergt eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten. Am meisten Fläche beanspruchen zehn verschiedene Wald-Gebüsch-Gesellschaften, zum Beispiel der Weissseggen-Buchenwald oder der Ahorn-Linden-Blockschuttwald. Pflanzengeographisch bedeutsam ist der mehrheitlich an felsigen Standorten wachsende Flaumeichenwald mit den typischen Gehölzenarten Elsbeere (Sorbus torminalis), Pimpernuss (Staphylaea pinnata) und Strauchwicke (Coronilla emerus). Die Bestände sind niederwüchsig und sehr licht. Als Folge hat sich auch ein dichter Unterwuchs entwickelt.
Auf den unbewaldeten Malmkalk-Felsen hat sich ein Trespen-Trockenrasen entwickelt. Dieser niederwüchsige und lückige Pflanzenbestand besteht hauptsächlich aus Aufrechter Trespe (Bromus erectus) und Erdsegge (Carex humilis). Die Trespenrasen sind so trocken, dass sich auf diesen Flächen kein Wald entwickeln kann.

Pflanzen wie am Mittelmeer

Neben mediterranen Pflanzen befinden sich dort auch mehrere Arten, deren Verbreitungsschwerpunkt in den Steppen Ostmitteleuropas liegt. Typische Pflanzenarten am Isteiner Klotz sind zum Beispiel Sandfingerkraut (Potentilla arenaria), Berg-Steinkraut (Alyssum montanum), Zymbelkraut (Cymbalaria muralis), Aufrechter Ziest (Stachys recta) und Bleichschwingel (Festuca pallens). Ausserdem kommen auch Schafschwingel (Festuca ovina), Bartgras (Bothriochloa ischaemum), Kugelblume (Globularia elongata) und Weisser Mauerpfeffer (Sedum album) vor. Viele dieser Arten sind tyische Besiedler von Felsköpfen und sehr flachgründigen Böden.
Am Isteiner Klotz finden sich auch die Grundblütige Segge (Carex halleriana) und Zierliches Federgras (Stipa pennata ssp. lutetiana), beides seltene Arten. Zwergsträucher wie Berggamander (Teucrium montanum) und Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) treten ebenfalls zahlreich auf. Unter den farbenprächtigen Orchideen sind am Isteiner Klotz Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum), Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) und Ragwurzarten (Ophrys sp.) hervorzuheben.

Sonnenanbeter unter den Tieren

Ähnlich wie bei den Pflanzen gehören auch viele Tierarten zu den Sonnenanbetern. Unter den rund 100 Wirbeltierarten befinden sich fünf Reptilien, beispielsweise die südliche Mauereidechse (Podarcis muralis) und die Schlingnatter (Coronella austriaca) sowie 81 Vogelarten wie die mit Zaunammer (Emberiza cirlus) und die Zippammer (Emberiza zia).
Rund 284 Gross- und 78 Kleinschmetterlingsarten leben am Isteiner Klotz, so der gefährdete Waldportier (Minois dryas) und der ebenfalls gefährdete Ockerbindige Samtfalter (Hipparchia semele), die beide zu den Augenfaltern gehören. Hinzu kommen 141 Käferarten, 60 Hautflügler (wie die Sandbiene Andrea lagopus), vier Netzflügler wie der Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus), 15 hier jagende Libellenarten, zwölf Fang- und Springschrecken wie die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) und die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens).
Eine Besonderheit in der Isteiner Tierwelt sind die wärme- und trockenheitsliebenden Schnecken, wie die Märzenschnecke (Zebrina detrita) und die Genabelte Puppenschnecke (Lauria cylindracea). Andere früher vorkommende Arten wie der Rotbindige Samtfalter (Arethusana arethusana) und die Smaragdeidechse sowie die Juraviper sind hingegen ausgestorben.
DK

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Schäfer Hermann: Der Isteiner Klotz, ein Wahrzeichen des Markgräflerlandes, Badische Heimat 35, S. 185 - 195, 1955 (download).
  • Schäfer Hermann, Wittmann Otto: Der Isteiner Klotz. Zur Naturgeschichte einer Landschaft am Oberrhein, Freiburg im Breisgau, 1966.
  • Witschel Michael: Isteiner Klotz. Gutachten über das Naturschutzgebiet «Isteiner Klotz» auf den Gemarkungen Huttingen, Istein und Kleinkems, Landkreis Lörrach. Freiburg, 1986.
  • Witschel Michael: Isteiner Klotz. In: Regierungspräsidium Freiburg (Hrsg.), Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg, Sigmaringen, 1998.