Rehhag

Das Naturschutzgebiet Rehhag ist eine Krete mit einer maximalen Höhe von 1043 m ü. M., die in Ost-West-Richtung verläuft. Felsen bilden imposante Formationen und steile, teilweise besonnte Flühe. Auf den steilen Hängen haben sich je nach Ausrichtung und Bodeneigenschaften verschiedene Buchenwaldtypen entwickelt. In beiden Lebensräumen hat sich eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt ausgebildet.




Rehhag – eine vielseitige Jurafalte

Im Osten von Waldenburg beginnt das Gebiet des Rehhags. Über der Talenge der Vorderen Frenke thront auf dem länglichen, schmalen Felsrücken die Ruine der ehemaligen hochmittelalterlichen Burganlage, die um 1200 gebaut wurde. Noch heute sind Mauerreste der 600 Meter östlich des Städtchens Waldenburg liegenden Ruine sichtbar und können begangen werden. An dem in West-Ost-Richtung verlaufenden Bergrücken sind die Gegensätze zwischen Nord- und Südseite sowie zwischen Kretenbereich und Hangfuss markant.

Entstehung und Geologie

Der Rehhag liegt am Südrand des Tafeljuras und ist geprägt von den aufgefalteten Juraketten. Eine markante Eigenheit des Gebietes sind die beeindruckenden Felsformationen. Durch die Verwitterung wurden die weicheren Gesteine des aufgefalteten Gebirges abgetragen. Die härteren Kalke sind stehen geblieben und bilden heute die steil aufragenden Juraketten. Wegen der Abtragung kommen an den Flühen des Juras Jahrtausende alte Sedimentschichten mit zahlreichen Fossilien an die Oberfläche. In früherer Zeit, als die geologischen Prozesse noch nicht bekannt waren, erklärten sich die Menschen die Entstehung dieser bizarren Formationen mithilfe von Sagen und Legenden.

Vielfältige Flora

Die naturkundliche Besonderheit der Rehhag-Krete ist das grosse Lebensraum- und Artenspektrum auf kleinstem Raum. Die Felsenflora ist im Rehhag und seiner unmittelbaren Nachbarschaft sehr artenreich. So wächst auf der Nordseite der Gerstelflue die Aurikel, auch Flühblümchen genannt (Primula auricula), und auf der Südseite der Alpen-Seidelbast (Daphne alpina). Wo sich an den steilen Hängen des Faltenjuras bereits Boden bilden konnte, herrschen verschiedene Waldtypen vor. Alte, mächtige Buchen sowie gekrümmte Tannen und Föhren gedeihen an den steilsten Hängen der Nordseite. Auf der trockeneren Südseite ist der Wald lichter. Hier haben sich unterhalb des Schlossfelsens Buchs-Flaumeichenwälder und auf den Kreten Föhrenwälder entwickelt. Der untere Stammbereich vieler Bäume ist gebogen. Dieser spezielle Wuchs ist auf den unstabilen und rutschenden Untergrund zurückzuführen.

Magerer Boden

Über dem harten und steil abfallenden Kalkgestein haben sich steinige und flachgründige Böden gebildet. In diesen können die Wurzeln vieler Bäume nicht in die Erde wachsen und bilden stattdessen an der Erdoberfläche skurrile Formen. Dort, wo der Mensch den Wald an den steilen Hängen gerodet hat, sind auf den flachgründigen und nährstoffarmen Böden Magerrasen entstanden. Die Rehhagweid und die Lauchweid wurden aufgrund ihrer artenreichen Vegetation ins Inventar der national bedeutsamen Trockenwiesen und -weiden aufgenommen.

Artenreiche Fauna

Auf den Magerweiden findet man viele verschiedene Tagfalter und andere Insekten, da die Magerwiesen sehr wertvoll für diese Arten sind. In den feuchteren Lebensräumen der Nordseite leben 69 Schneckenarten und zahlreiche Moose. Der Rehhag ist auch ein wichtiger Lebensraum für Mauereidechsen und Waldeidechsen. Im Rehhag kann man viele Vogelarten wie Eichelhäher, Habicht, Mäusebussard, Bachstelze, Rauchschwalbe, Kolkrabe und Rotmilan beobachten.
DK

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Lüthi Roland: Rehhag. Exkursionsführer durch Naturschutzgebiete des Kantons Basel-Landschaft, Heft 1, Liestal 2004.
  • Regierungsrat: Verordnung über das Naturschutzgebiet «Rehhag», Waldenburg, Oberdorf und Bennwil. Basel-Landschaft 2012. (PDF)